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News am 27.05.2012
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Münteferings Abschied
Münteferings Abschied
Die erste Häutung der SPD

Dass er gehen muss, war allen klar - und SPD-Chef Müntefering hat es nun, wenn auch nur indirekt, bestätigt. Ein neuer Kurs ist deswegen noch nicht erkennbar, der Wahlschock ist zu frisch.

Eisschnelllauf-WM
Eisschnelllauf-WM
Pechstein krönt Comeback mit Bronze

Beeindruckende Rückkehr nach zweijähriger Dopingsperre: Claudia Pechstein hat bei der Eisschnelllauf-WM die Bronzemedaille über 5000 Meter gewonnen. Sie musste sich nur Stephanie Becker und Martina Sablikova geschlagen geben.

Videospielmesse E3 in Los Angeles
Videospielmesse E3 in Los Angeles
Auf der Suche nach dem 3D-Kick

Nach dem 3D-Kino nun die 3D-Konsole: Auch die Videospielindustrie entdeckt die dritte Dimension. Auf der Gamesmesse E3 zeigen die beiden großen japanischen Hardwarehersteller, wie sie dem Spielerlebnis mehr Tiefe verleihen wollen. Unterschiedlicher könnten die Ansätze kaum sein.

WM 2010 in HDTV
WM 2010 in HDTV
So sehen Sie die WM richtig scharf

Wer die Deutschen in hochauflösender Pracht spielen sehen will und keinen HD-Fernseher besitzt, hat noch etwas Zeit, das zu ändern. Wir erklären, was Sie für die scharfen TV-Bilder benötigen.

Kiek´ ma
Blog "Kiek´ ma"
Big China is (maybe not) watching you!

Zu gerne hätte ich Euch schon zu Beginn meines Projektes von meinen Schwierigkeiten berichtet, ein Visum für die Einreise nach China zu erhalten. Doch war ich mir nicht sicher, wie gut der Überwachungsapparat des Staates funktioniert und ich dann womöglich doch nicht in den Genuss komme, in China die Couchen unsicher zu machen. Soviel aber schon mal vorab: Ich scheine mir unbegründet Sorgen gemacht zu haben. Dabei fing alles ziemlich besorgniserregend an. Um ein Visum zu erhalten, musste ich mich zunächst im chinesischen Konsulat in Hamburg vorstellen. So kostete mich allein das Visum inklusive Anfahrt mit dem Zug aus Osnabrück etwa 100 Euro. Aber das ist jetzt nebensächlich. Vor mir war eine Reihe von anderen Personen in der Schlange, die ein Visum beantragen wollten. Keiner brauchte mehr als fünf Minuten, ehe er sich wieder in den Warteraum setzte, um auf die endgültige Erteilung des Visums zu warten. Nun, bei mir sah es ein wenig anders aus. „Sag bloß immer die Wahrheit“, rät mir ein Kollege im Vorfeld. Die chinesischen Behörden könnten gegebenenfalls meine Angaben sehr viel genauer prüfen als bei anderen Antragsstellern. „Nur eine Notlüge könnte die Ablehnung deines Antrages bedeuten“, sagt er. Und so antworte ich wahrheitsgemäß: „Von Beruf bin ich Redakteur“, „ja, ich habe auch politische Artikel verfasst“, „wo ich alles im Ausland schon gearbeitet und gelebt habe? Nun, zwei Mal war ich im Irak und sieben Monate habe ich in Israel gelebt. Außerdem habe ich eine Reihe von europäischen Ländern im Zuge meiner Arbeit als Journalist und auch als PR-Manager bereist“. Die Frau hinter der dicken Glasscheibe runzelt die Stirn und fragt mich erst jetzt nach dem Grund meines Aufenthaltes in China. „Tourist“, antworte ich und erkläre ihr mein Projekt. Einmal, zweimal, dreimal. Als sie schließlich versteht, was ich überhaupt vorhabe, runzelt sie wieder die Stirn. „Sie werden aber nicht viel von China sehen“, sagt sie. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich habe mich extrem verdächtig gemacht. Ein Journalist, der unter anderem auch politische Kommentare schreibt, als Auslandskorrespondent im Irak war und zudem ein paar Monate in Israel gelebt hat – das alles spricht wohl nicht gerade für mich. Nach etwa 35 Minuten darf ich also im Wartesaal Platz nehmen. Eine Stunde später bekomme ich meinen Reisepass wieder. Mein Visum ist auf zehn Tage beschränkt (jedes Touristen-Visum läuft auf 30 Tage). Ich frage aber nicht weiter nach, will ich doch ohnehin nur sieben Tage in China verweilen. Tage später stelle ich mich natürlich die Frage, ob mich die chinesischen Behörden mit meinen technischen Geräten problemlos einreisen lassen. Eine TV-Kamera, ein Laptop, zwei digitale Kameras, eine Kodak-Videokamera , ein Diktiergerät – könnte womöglich etwas zuviel sein. Vorsichtshalber verschicke ich meine bereits bespielten Videobänder per Post nach Hause. „Man weiß nie“, sagte mir ein Freund von der Produktionsfirma. „Eventuell lassen die Behörden die Bänder über einen starken Magneten laufen, dann wären die Aufnahmen nicht mehr zu gebrauchen.“ So etwas habe ich auch schon gehört. Doch bei meiner Einreise nach China gibt es keinerlei Probleme. Im Gegenteil. Die Passkontrolle läuft hier schneller als in den meisten anderen Ländern. Also, nichts, um das ich mir dort Sorgen machen musste. Und by the way: Für alle James-Bond-Fans… mir ist auch keiner vom Flughafen gefolgt. Glaube ich… Von den Metropolen Chinas, Peking und Schanghai, bekomme ich in diesen Tagen aber leider nur sehr wenig zu sehen. Für Sightseeing bleibt einfach keine Zeit. So mache ich mich gleich nach meiner Landung in Peking auf den Weg zu einem Amerikaner, der mich für die erste Nacht bei sich aufnimmt. Oje, das war vielleicht mal ein Ritt. Die Schaffnerin hatte mich zwei Stationen zu früh aus dem Bus gejagt, so dass ich kilometerweit mit dem über 30 Kilo schwerem Gepäck durch Peking latsche. Meine Nerven liegen blank. Ich bin total erschöpft. Als ich dann schließlich in der Wohnung meines Gastgebers ankomme, trifft mich der Schlag. Ich habe noch nie in meinem Leben ein solches Drecksloch live erlebt (leider habe ich keine Fotos machen können – ich glaube, mein Gastgeber wäre davon nicht angetan gewesen). Es stinkt, überall liegt Müll herum und die sanitären Anlagen sind eine Katastrophe – ich nutze sie nicht. Ich bin froh, als ich am nächsten Morgen wieder in die Kälte hinaus darf. Bloß raus aus dieser Wohnung! Schon allein, weil ich wegen der klirrenden Kälte nicht schlafen konnte. In der Wohnung herrschten Minusgrade, weil die chinesische Regierung die Heizungen wohl erst Mitte November aufdrehen. Abends habe ich mehr Glück. Christian und seine beiden Mitbewohner Fabienne und Frank haben einen elektrischen Heizer in der Wohnung stehen. Ich sowie ein weiterer Couchsurfer aus Frankreich (William) verbringen die Nacht also im Warmen. Bevor ich aber bei der Studenten-WG eintreffe, erlebe ich hautnah die ausgesprochen ausgeprägte Gastfreundschaft der Asiaten. Da Christian und seine Freunde noch nicht Zuhause sind, als ich an ihre Tür klopfe, lädt mich Eric, sein Nachbar, kurzerhand ein, in seinem Büro zu warten. In seinem Büro sitzen vier weitere Mitarbeiter, die eifrig auf die Tastaturen ihrer Computer hämmern. Keiner von ihnen spricht Englisch, aber wir verständigen und im wahrsten Sinne des Wortes mit „Händen und Füßen“. 20 Minuten später finde ich mich mit Eric und seinen Kollegen in seinem Auto wieder. Er lädt mich zu einem „Hot-Pot“-Essen im Restaurant ein und wir spielen danach eine Partie Billard (ich habe haushoch verloren…). Gegen 22.30 Uhr bringt er mich schließlich wieder zurück zu seinen Nachbarn. Christian lacht: „Wow, wir wohnen hier und kennen unsere Nachbarn nicht einmal!“ Am nächsten Morgen sitze ich schon wieder im Flieger nach Schanghai. Noch im Airport-Express (Zugverbindung von Peking zum Flughafen) mache ich die Bekanntschaft mit Armin. Einem IT-Techniker aus dem Allgäu, der für einige Zeit in China arbeitete und von Schanghai aus wieder die Heimreise antritt. Da er einige Stunden Aufenthalt in Schanghai hat, ehe sein Flug zurück nach Deutschland geht, entschließt er sich, mit mir und meiner neuen Gastgeberin in Schanghai ein Bier trinken zu gehen. „Lass uns ein Taxi nehmen, das geht wesentlich schneller“, sagt er. Allerdings haben wir nicht mit dem Feierabendverkehr in der Metropole gerechnet. Fast zwei Stunden (statt etwa 40 Minuten) sitzen wir also im Taxi und werden Zeugen von waghalsigen Manövern unseres Fahres. Unterwegs klingelt dann auch noch mein Telefon. Der Radiosender N-JOY meldet sich mit einer Interviewanfrage. Und so gebe ich ein kurzes Interview inmitten hupender Autos im Verkehrstau in Schanghai. Trotz der Verspätung kann Armin uns tatsächlich noch in einen Pub begleiten. Seine Augen leuchten auf, als er ein Erdinger-Werbeschild entdeckt. Das Bier genießt er ausgiebig, ehe es für ihn nur wenige Minuten später wieder in Richtung Flughafen geht. „Das ist mal eine Geschichte, die du noch in 20 Jahren erzählen wirst“, sage ich zu ihm. „“Zwei Stunden Fahrt mit dem Taxi in die Innenstadt Shanghais für ein herrliches Weißbier!“ Meine zweite Nacht verbringe ich in der Wohnung von Meredith und Caroline in Schanghai. Meredith arbeitet selbst für die Organisation Couchsurfing.org und ist dort für die Mitgliederbetreuung zuständig. Sie nutzt die Zeit, um mir ein wenig die Uferregionen der Stadt am Abend zu zeigen. Naja, zumindest ein bisschen Sightseeing für mich. Und wir reden bis in de Morgenstunden über die Möglichkeiten und Entwicklung des Couchsurfing-Netzwerkes. Leider etwas zu lange. Denn am Morgen verschlafe ich und bin gezwungen ein Taxi zum Flughafen zu nehmen. Zu gerne hätte ich den Transrapid genutzt, aber dafür bleibt mir keine Zeit mehr. Auf den letzten Drücker (und um 175 yuan leichter) erreiche ich schließlich den Flughafen. Und so sitze ich hier nun (um 18.30 Uhr Ortszeit) bei Jane in der Wohnung im 53. Stockwerk mit einem herrlichen Ausblick auf Tokio. Endlich habe ich ein vernünftig laufendes Internet und kann nicht nur meine Videos und Fotos hochladen, sondern auch ohne Hilfe meine Blogeinträge bei stern.de einpflegen. Trotzdem muss ich mich eilen. Denn wie jeden Tag heißt es für mich: Sachen packen und auf zum nächsten Gastgeber. Also, erstmal lieben Gruß aus Tokio, Euer Extreme-Couchhopper Daniel

Kiek´ ma
Blog "Kiek´ ma"
Land der langen Nächte

Südafrika, was für ein herrliches Land. Hier gibt es fantastischen Wein, eine atemberaubende Landschaft und 2010 die Fußballweltmeisterschaft. Doch Südafrika hat noch immer seine Schattenseiten. Sie sind aber bei weitem nicht so dunkel, wie sie zuweilen in Europa dargestellt werden. Heute fühle ich mich wirklich ausgepumpt. Die vergangenen Nächte, die ich in diesem Land verbracht habe, waren allesamt lang. Sehr lang. Kein Wunder, möchte jeder meiner Gastgeber mir in kürzester Zeit einen umfangreichen Überblick über sein Heimatland verschaffen. Ohne meinen bisherigen Gastgebern auf die Füße treten zu wollen, muss ich schon sagen, dass die Südafrikaner mir bisher den interessantesten Aufenthalt geboten haben. Sei es der deutschsprachige Themba, der mit mir ein erstes typisches "Braai" (Barbecue) aß. Leon, der mir zeigte, wie man in den Straßen Johannesburgs mit den Fingern ist. Willy und Yanni, die mit mir um 6 Uhr in der Früh aufstehen, um einen "Bruma"- Markt (vom Angebot vergleichbar mit den Wochenmärkten in Deutschland) zu besuchen. Nina und Peter, die beiden IT-Spezialisten, die mich in die Untiefen der Politik des Landes "entführten". Mark Gordon und seine Familie, deren ausgesprochen fantastische Gastfreundschaft ich gar nicht in Worte fassen kann oder George und sein Bruder "JJ", mit denen ich einen hoch interessantes Gespräch über den Film "Terminator 1" und die Zukunft im Allgemeinen sinnierte. Allesamt boten mir die vielfältigsten Eindrücke ihrer Personen, ihres Landes, ihrer Wahrnehmung der Politik in Südafrika. Und die hat es in sich: So scheint Südafrikas Präsident Zuma seine eigene Vorstellung von Gesetzestreue zu haben. Er wird der Vergewaltigung bezichtigt. Doch konnte ihn keiner dafür belangen, da er kurz nach seiner Amtseinführung ein Gesetz erlassen hat, das die "Unberührbarkeit" des Präsidenten vorsieht. "Ehrlich gesagt konnten wir es nicht fassen, dass er mit dieser Vorgeschichte gewählt wird. Wir hielten es für einen Witz als er kandidierte", sagen mir Nina und Peter. Darüber hinaus machte sich Zuma mit einer absurden Behauptung lächerlich. So behauptete er tatsächlich, dass man sich nach dem sexuellen Kontakt mit HIV-Infizierten lediglich ordentlich duschen müsse, um sich nicht anzustecken. Ein Karikaturist hat diese beiden Begebenheiten in einer Zeichnung zusammengefasst und lebt seither ein gefährliches Dasein, weil er dafür nicht nur von der Regierung hart bestraft wurde. "Ich finde es beängstigend, dass ein solcher Mann euer Land regiert", sage ich. "Wem sagst du das. Wir auch", sagen Nina und Peter. Ein weiteres Problem ist immer noch die hohe Kriminalität. Es habe sich zwar in den vergangenen Jahren einiges verbessert, aber man müsse dennoch jeden Tag damit rechnen, überfallen oder beraubt zu werden. Leon hat etwa schon fünf Autos durch Diebstahl verloren. Georges Wagen wurde in den vergangenen zwei Jahren sechsmal aufgebrochen, zweimal wurde er von Taschendieben ausgeraubt. Alle Gastgeber raten mir, auf gar keinen Fall alleine mit der TV-Kamera in die Innenstädte von Johannesburg und Kapstadt zu gehen. Die Gefahr ausgeraubt zu werden, sei viel zu groß. Also entscheide ich mich, die Kamera im Haus zu lassen, um nicht das gesamte Projekt zu gefährden. Denn, wer weiß ob sich die Kriminellen mit der Kamera zufrieden geben oder vielleicht doch noch mehr von mir wollen. Ich bleibe also auf der halbwegs sicheren Seite. In Johannesburg und Kapstadt und auch Praetoria muss man vielerorts mit Baustellen rechnen. Die Städte bereiten sich auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 vor. Bis zum nächsten Sommer sollen viele Straßen ausgebaut werden, neue Stadien entstehen, das (bisher miserable) Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut werden. Man spürt förmlich die Umbruchphase im Land. Und auch in Sachen Kriminalität wird Südafrika sich in den kommenden Monaten wappnen. Tausende zusätzliche Polizisten sollen für den notwendigen Schutz der WM-Gäste sorgen. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich kein ungutes Gefühl auf den Straßen hatte. Ich schaue mich zwar gelegentlich um, um sicher zu gehen, dass mich keiner verfolgt. Aber diese Sorgen sind unberechtigt, ich kann mich frei bewegen. Die Polizeipräsenz in den Innenstädten ist sehr stark. Was mich vielmehr nervt sind die extrem schlechten Internetverbindungen in diesem Land. Ich kann leider nicht wie gewohnt bloggen oder Mails verschicken. Möchte ich Videos ins Netz einpflegen, kostet es mich mehrere Stunden, wenn es überhaupt klappt. In Asien werden mich sicher andere Verhältnisse erwarten. Insbesondere in Hongkong und Tokio. Apropos Tokio. Ich kann es nicht fassen, aber unsere Teenie-Gruppe "Tokio Hotel" begegnet mir schon ein zweites Mal auf den Covern ausländischer Magazine. In Portugal war die kleine Schwester meiner Gastgeberin Ana total verrückt nach ihnen, auch in Südafrika scheint die Band ein Begriff zu sein. Irgendwie ist es mir in diesen Momenten unangenehm ein Deutscher zu sein. Naja, und nun fragen sich sicher auch einige, was ich in Kapstadt mache. Das lag doch gar nicht auf meiner Route. Nun, mein Couchsurfing-Partner aus Durban hatte mir kurzfristig abgesagt. Da mir die Leute aus Johannesburg so von Kapstadt vorschwärmten, habe ich kurzerhand den Flug umgebucht (eigentlich geht es mit den Flugtickets nicht so einfach, aber mein Sponsor Star Alliance hat mich dahingehend optimal unterstützt und problemlos eine Umbuchung vorgenommen). Und so sitze ich hier nun auf der Veranda von Paul und seinen Freunden. Vor mir ein Chamäleon im Busch, der Pool bereit, genutzt zu werden und ich merke gerade, dass wieder Energie in mir aufsteigt. Die ich sicher benötige, denn es wird bestimmt wieder eine lange Nacht. Unter fünf jungen Studenten. Ich bin gespannt. Schlafen kann ich ja auch morgen im Flugzeug. Auf dem Weg nach Tansania. Also, lieben Gruß aus Kapstadt, Daniel P.S. Für die Interessierten der kulinarischen Genüsse habe ich ein paar Impressionen meiner Mahlzeiten beigefügt. Bisher blieb ich von Montezumas Rache verschont. Auf dem einen Foto mit dem Kaffee in der Hand bin ich mit einem sogenannten Vetkoek zu sehen. Das ist KEIN Döner! Und in Johannesburg habe ich einen chinesischen Reiswein getrunken - in den Flaschen waren Echsen und Schlangen "eingelegt". Hartes Zeug...

Kiek´ ma
Blog "Kiek´ ma"
"In Afrika bist DU der schwarze Mann"

Wir schreiben den 7. Oktober 2009. Ich sitze in einem Hotel in Dakar in der Nähe des Flughafens. Und ich bin voll im Eimer. Ich schwitze, es mögen vielleicht 35 Grad Celsius in meinem Zimmer sein. Die Flugzeuge donnern über mich hinweg. Diese Stadt in Senegal und viele ihrer Einwohner stellten mich heute den ganzen Tag auf meine erste harte Bewährungsprobe. Es war aber auch ein Trip mit vielen angenehmen Begegnungen. Aber fangen wir mal von vorne an. Als ich in Lissabon das Flugzeug betrete, strahlen mich zwei Augen an. Es ist Sofia. Die Stewardess hatte mich schon auf dem Flug von Paris nach Lissabon betreut, bei dem ich das Glas Weißwein dankend wieder zurückgegeben habe, da mir der Wein einfach zu stark nach Essig schmeckte. „Heute probiere ich mal den portugiesischen Rotwein an Bord“, sage ich. Sie muss lachen. Ihre Kollegin schaut ein wenig verdutzt und bekommt von Sofia prompt die Erklärung zu dieser Situation (zumindest kommt es mir so vor). Später wird Sofia sich noch für ein Foto in Pose setzen – nicht bevor sie sich noch eine Viertelstunde auf dem WC „frisch gemacht hat“, wie sie sagt. Dabei (also beim Fotomachen, nicht beim Frischmachen) kommen wir ins Gespräch und ich erzähle ihr von meinem Projekt. „Oh, Sie haben einen Blog? Ich auch “, sagt sie und tut, was sie immer tut. Sie lächelt. Mitten in der Nacht, gegen 1.30 Uhr, erreiche ich Dakar. Der Schritt aus dem klimatisierten Flugzeug hinaus in die heiße und schwüle Wüstennacht fällt mir nicht leicht. Die Hitze baut sich wie eine unsichtbare Mauer vor einem auf. Muss ich da wirklich raus? Ja, ich muss. Die Odyssee durch Dakar beginnt bereits bei der Passkontrolle. Ich solle die Adresse angeben, bei der ich unterkomme. Die Adresse weiß aber nur mein Kontakt, der hoffentlich draußen vor dem Flughafen auf mich wartet. Egal, die Adresse muss her, der Pass bleibt solange beim Grenzkontrolleur. Ich hechte also vor den Flughafen ohne kontrolliert zu werden und suche nach meinem Namensschild. Und da stehen sie, Bass und Alieu. Es bleibt keine Zeit für eine ordentliche Begrüßung. „Ich brauche eine Adresse“, sage ich. Alieu verdreht die Augen. Erst denke ich, er fühlt sich bereits in der ersten Minute unserer Begegnung von mir genervt. Später wird mir bewusst, dass er damit seinen Unmut über die Schikanen der Grenzkontrolleure zum Ausdruck gebracht hat. Er schreibt mir eine Adresse auf. Ich laufe also wieder zurück ins Flughafengebäude ohne auch nur ansatzweise kontrolliert zu werden und übergebe den Zettel mit der Anschrift. Kaum zu glauben, aber der Grenzbeamte schenkt den Zeilen auf dem Papier keine Beachtung, innerhalb Sekunden überreicht er mir meinen Pass mit den Worten „You can go now!“ Danke für die herzliche Begrüßung. Nachdem ich dann endlich mit vollständigem Gepäck vor den Flughafen trete, fällt die Begrüßung wesentlich herzlicher aus. „Willkommen in Dakar“, sagt Bass in gebrochenem Deutsch. Seine Frau Sabine stammt aus Deutschland und arbeitet in Frankreich als Übersetzerin - zusammen mit meinem Freund Erec, der mir über Umwege den Kontakt vermittelte. Bass hat die vergangenen zwei Monate bei seiner Familie in Senegal verbracht. Mittlerweile ist es weit nach 2 Uhr nachts und mich plagt ein wenig das schlechte Gewissen. „Ich hoffe, es ist kein großes Problem, dass ihr mich so spät noch abholen musstet“, sage ich. Nein, es sei kein Problem, sagt Alieu, der an der Universität in Dakar doziert. Er habe ohnehin noch frei. „Do you want something to drink?“, fragt er mich. Naja, wenn ich ehrlich bin, bin ich schon recht durstig. Die Hitze hat mir schon in den ersten Minuten stark zugesetzt, aber ich versuche höflich darauf hinzuweisen, dass ich Alieu und Bass die Entscheidung überlasse. Wir landen schließlich in einer kleinen Bar, wo mir die ersten beiden afrikanischen Biere in die Hand gedrückt werden. Was soll ich sagen? Nachdem ich in den meisten Regionen außerhalb Deutschlands (Israel, Irak, Türkei, Balkan) eher abschreckende Erfahrungen mit dem Genuss inländischen Gebräus gemacht habe, gehört das senegalesische Bier „Flag“ absolut zu den Überraschungen. Es schmeckt wirklich gut. Einen ersten „Dämpfer“ bekommt mein Projekt allerdings als wir das große Haus von Alieu betreten. Keine Couch! Ich werde mich mit einem Bett begnügen müssen. Genauso wie in der heutigen Nacht in diesem Hotel. Das ich aufgesucht habe, weil ich mich um 4 Uhr morgens wieder auf dem Weg zum Flughafen mache, um meine nächste Couch in Johannesburg aufzusuchen. Naja, was soll’s. Zumindest verbringe ich jede Nacht bei einem anderen Gastgeber und der Hotelbesuch soll ja auch wirklich nur die absolute Ausnahme sein. Nach drei Stunden Schlaf stehe ich schon wieder auf den Beinen. Bass und ich wollten uns schon um 8 Uhr auf den Weg ins Hotel machen, um mein Gepäck dort zu deponieren. Beim Frühstück sagt er plötzlich: „Vielleicht wird uns Nina begleiten.“ Nina? Das klingt deutsch, denke ich. Tatsächlich, Nina ist Bass’ Nichte aus Berlin. Sie ist nur wenige Stunden vor mir am Flughafen angekommen und übrigens das gleiche Problem mit der Adresse. In ihrem Fall hat Bass aber einfach eine falsche Adresse notiert. „Das interessiert hier sowieso keinen. Deswegen nehme ich es auch nicht so ernst“, sagt Bass. Nun, ich muss schon sagen, dass ich über die Nachricht mit Nina überrascht war, hatten es doch weder Bass noch Alieu bei meiner Anreise erwähnt. Also machen wir uns zu Dritt auf den Weg zum Hotel, danach in die Innenstadt. Ein wahrer Spießrutenlauf! Ich fühle mich an die Worte meines Pariser Gastgebers Karim erinnert. Der sagte: „Vergiss nicht, in Afrika bist DU der schwarze Mann!“ Er sollte recht behalten. Nina und ich fallen auf wie bunte Hunde. Von allen Seiten belagern uns Senegalesen, die uns Telefonkarten, Textilien, Schuhe oder Souvenirs verkaufen wollen. Einige rücken uns dabei dicht auf die Pelle. Ich gebe Nina den Rat, sie solle ihr Portemonnaie gut festhalten und wenn jemand zu aufdringlich wird, ruhig laut werden. Dass das gut funktioniert, habe ich schon in anderen Ländern beobachtet. Als Nina für sich eine Telefonkarte kaufen will (sie bleibt für die kommenden sieben Wochen im Zuge einer Studienarbeit in Dakar), bemerken wir, dass sie die falsche Währung mit sich führt. Ein Bekannter hatte ihr das Geld in Berlin besorgt. In vielen Nachbarländern Senegals würde sie damit problemlos einkaufen können. In Dakar sieht es anders aus. Nina und Bass werden später das Problem lösen. Da die beiden gegen Mittag an einen anderen Ort müssen, bin ich ab 12 Uhr auf mich alleine gestellt. Ich müsse unbedingt die Insel Goree besuchen, sagt Bass. Die kleine Insel, die zu Sklavenzeiten als Umschlagsplatz genutzt wurde, sei wunderschön. Ich kann dies leider so nicht bestätigen. Tatsächlich hat die Insel ein paar wenige schöne Ecken (die Betonung liegt dabei auf Ecken), aber ansonsten kommt das Wort „wunderschön“ meines Erachtens einer maßlosen Übertreibung gleich. Fast überall auf der Insel stinkt es nach Katzenpisse, das Museum ist ein absoluter Witz und überall liegt Müll herum. Außerdem hat man das Gefühl, dass 90 Prozent der Insel mit Verkaufsbuden zugestellt ist, in denen junge Frauen angeblich selbst produzierte Waren wie Ketten, Tücher und Brustbeutel feilbieten. Diese Damen belagern einen schon auf der Überfahrt zur Insel auf der Fähre. „How are you? What is your name? You have to visit my shop on Goree. My name ist Kenza, please remember me“, zwängen sie jedem Passagier ein Gespräch auf. Was übersetzt soviel bedeutet wie “Mir ist es scheiß egal wie es dir geht und wie du heißt, Hauptsache du kommst in meinen Laden und lässt etwas Kohle da.“ Auf diese Weise lerne ich Mathilde, Fatima, Kenza und Mimi kennen. Fatima, deren Sohn sich schon vor der Abfahrt mit dem Schiff extrem für meine Fotokamera interessiert hat, wird später die Glückliche sein, der ich eine Kette und einen Brustbeutel (brauchte ich sowieso) abkaufe. Eigentlich will sie dafür ja 20.000 Dakar-Francs dafür haben (entspricht etwa 30 Euro), ich kann sie aber auf 5.000 Dakar-Francs (etwa 7,50 Euro) runterhandeln, was wahrscheinlich immer noch zuviel war. Aber irgendwie tat mir ihr Sohn leid. Ich hatte das Gefühl, der jungen Familie mit meinem Kauf etwas Gutes zu tun. Trotzdem nervt mich sehr, dass ich zu jeder Gelegenheit beschissen werden soll. Vor der Überfahrt zur Insel zeigt mir „Aziz“ einen Ausweis, der angeblich beweisen soll, dass er für die Tourismus-Behörde arbeitet. Er behauptet, man müsse auf der Insel eine Art Kurtaxe zahlen, sie betrage 8.000 Dakar-Francs. Er könne aber einen niedrigen Preis heraushandeln, 5.000 Dakar-Francs. Ich rieche den Braten, verzichte dankend auf sein Angebot mich über die Insel zu führen und spare 5.000 Dakar-Francs. Denn, wie vermutet, eine solche Kurtaxe gibt es nicht. Ich brauchte neues Shampoo und Duschgel, weil ich meines in Lissabon bei Ana liegen gelassen habe. Der Händler will mir dafür umgerechnet rund 30 Euro abknüpfen. Ich mache mir erst gar nicht die Mühe zu verhandeln. Ein kurzes hämisches Lachen, eine 180-Grad-Drehung und weg bin ich. In einem Tankstellen-Shop finde ich dann, was ich brauche – für drei Euro. Und so geht es den ganzen Tag über. Von manchen werde ich so sehr bedrängt, dass ich laut werden muss. Gut, dass ich meine TV-Kamera im Hotel gelassen habe. Sie wäre mir vielleicht zum Verhängnis geworden. Entweder, weil sie vielleicht magisch viele weitere Menschen angezogen hätte oder ich stark in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt gewesen wäre. Abends sitze ich dann im hoteleigenen Restaurant und bestelle mir von meinen letzten Dakar-Francs einen Fisch mit Pommes und Salat. Was in der Küche noch äußerst gut roch, stellte sich als wahre Katastrophe heraus. Ich habe noch nie einen solch überwürzten Fisch gegessen. Außerdem bezweifle ich stark, dass es sich dabei um einen Rotbarsch gehandelt hat. Wahrscheinlich bin ich wieder beschissen worden. Bei allen Widrigkeiten (ich könnte hier noch viel mehr erzählen, aber ein bisschen Stoff brauche ich ja auch noch fürs Buch *lach*) muss ich aber doch sagen, dass sich mein Blick für die Wesentlichen Dinge geschärft hat. Ich erinnere mich noch daran, wie ich heute Nachmittag zwei Jungs mit einem ausgedienten Autoreifen habe spielen sehen. Sie hatten dabei sichtlich ihre Freude. Auf den Schotterplätzen spielen die Jugendlichen mit nackten Füßen Fußball. Mir bereitet alleine schon der Gedanke fürchterliche Schmerzen. Hier sind die Mittel begrenzt und es wird doch gelebt. Doch die Armut in diesem Land erschreckt mich sehr. Ich frage mich, wie die Menschen es schaffen, teilweise mit 30 Euro Monatseinkommen auszukommen. Das Benzin kostet kaum weniger als in Deutschland. Lebensmittel sind auch nicht gerade günstig (zumindest die, die ich gesehen habe). Senegal war auf jeden Fall nicht günstig für mich. Zwei Tage Senegal haben mich rund 60 Euro gekostet. Mein Budget habe ich bereits weit überschritten, ich muss jetzt vor allem mit einem Gedanken weiterreisen: „Sparen, sparen, sparen!“ In diesem Sinne einen lieben Gruß aus dem spärlich ausgestatteten Hotelzimmer (diesen Blog werde ich allerdings erst in Johannesburg einpflegen können – Probleme mit dem Internet und andere technische Schwierigkeiten), Daniel

Kiek´ ma
Blog "Kiek´ ma"
Das Gastgeschenk und die ersten

Das war wahrlich eine kurze Nacht. Dafür habe ich aber jede Menge über französischen Rotwein gelernt. Und nun sitze ich hier im "fouquet's" auf der Champs-Elysées am Fuße des Triumphbogens und falle beim Blick in die Karte fast hinten über: 35 Euro für ein klassisches Frühstück. Naja, dafür haben die hier Internet und ich komme in den Genuss einen neuen Blogeintrag zu verfassen - natürlich auf einer Couch sitzend. Kurz war die Nacht vor allem, weil wir erst gegen halb vier Uhr morgens im Bett gelandet sind. Ähm, sorry... ich natürlich auf der Couch! Und heute morgen um 7.30 Uhr klingelte schon das Telefon - Radiointerview. Ich musste ohnehin aufstehen, weil Anne zur Arbeit musste. Sie bot mir zwar an, dass ich noch liegen bleiben könnte. Aber ich fühlte mich nicht wohl dabei, mich alleine in der fremden Wohnung aufzuhalten - ist doch alles neu für mich. Meinen Rucksack konnte ich erstmal bei ihr Daheim lassen, den hole ich heute Abend ab, wenn es zur nächsten Station geht. Die habe ich übrigens auch Anne zu verdanken, denn ein anderer Couchsurfer hatte mir kurzfristig abgesagt. Das war der erste Zwischenfall auf meiner Reise. Der zweite folgte gleich nach der Landung in Paris: die aufblasbare Couch, die ich eigentlich für den Flashmob in Paris nutzen wollte, ist futsch. Ganz ehrlich, ich bin nicht traurig drum, denn die Flashmobs waren zwar eine ganz nette Idee, aber die Planungen waren dann wohl doch zu aufwändig. So habe ich doch genug mit dem eigentlichen Projekt - dem Couchhopping - um die Ohren. Flashmobs fallen also aus... Sorry. Gestern Abend, im Gespräch mit Anne und ihren Freunden (wenn ich das richtig verstanden habe, hat der Freund schon für die spanische Rugby-Nationalmannschaft gespielt), kam das Thema Gastgeschenke zur Sprache. Meine Gastgeberin hatte nicht nur volles Verständnis dafür, dass ich nicht jedem Couchsurfer etwas mitbringen kann, sonder wartete mit einer echt tollen Idee auf. So schlug sie vor, von jedem Couchsurfer eine Kleinigkeit mitzunehmen und dem nächsten Couchsurfer auf meiner Route als Gastgeschenk zu überreichen. Ich werde nun also ein kleines Buch (Monuments et musées de Paris - Le tour de Paris en 80 visites) mitnehmen, das mir Anne samt Widmung in die Hand gegeben hat. In der Widmung steht übersetzt: "Wir haben zwei Gemeinsamkeiten, obwohl wir uns (noch nicht) kennen: Couchsurfing & Daniel. Liebe Grüße aus Paris. Anne." So, ich werde mich dann gleich aufmachen. Eine umfangreiche Tour durch Paris steht auf meiner Agenda. Oje, die TV-Kamera und der Laptop sind doch schwerer als ich angenommen habe. Mal sehen, wie lange ich es heute mit dem schweren Gepäck aushalte. Ich sende einen ganz lieben Gruß in die Heimat! Daniel

Weltrekord von Usain Bolt
Weltrekord von Usain Bolt
Lauf in eine andere Welt

Usain Bolt ist bei der Leichtathletik-WM über 100 Meter regelrecht zu Gold geflogen. Er tat es auf so unglaubliche Weise, dass sich die Anwesenden die Augen rieben.

Aussprache
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Völler und Netzer haben sich wieder lieb

Knapp drei Monate nach ihrer heftigen Auseinandersetzung vor laufender TV-Kamera haben sich DFB-Teamchef Rudi Völler und "ARD-Chefkritiker" Günter Netzer wieder versöhnt.

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