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Big Brother im Gottesdienst

Geheimdienstmethoden im Gottesdienst: Weltweit nutzen Kirchen eine neue Spähsoftware. Churchix scannt die Gesichter der Gläubigen, damit der Geistliche weiß, welche Schäfchen schwänzen und welche beten.

Churchix überwacht unauffällig den Gottesdienst

Churchix überwacht unauffällig den Gottesdienst

Gesichtserkennungssoftware wird in vielen Ländern von der Polizei eingesetzt. Die Firma Face Six hat nun das Programm Churchix.com entwickelt, das den Gottesdienst unauffällig überwacht. Mehr als 30 Kirchen auf der ganzen Welt sollen das Programm bereits nutzen, sagt Moshe Greenshpan, der Chef des Unternehmens, das in Las Vegas und Israel beheimatet ist.

Neue Kunden für die Sicherheitsbranche

Churchix ist keine komplette Neuentwicklung. Eigentlich arbeitet Face Six mit Sicherheitsdiensten zusammen. Mit den Kirchen hat man nun einen ganz neuen Kundenkreis gewonnen. "Zuerst war ich von dem Erfolg überrascht. Wir hätten nie an Kirchen als potentielle Kunden gedacht. Aber inzwischen verstehen wir ihre Bedürfnisse besser," so Greenshpan. Für das Programm muss eine Datenbank mit hochauflösenden Bildern der Gemeindemitglieder angelegt werden. Aus den Bildern errechnet Churchix die notwendigen biometrischen Daten. Nun muss der Kirchenraum nur noch mit unauffälligen Überwachungskameras ausgestattet werden und schon ist die Überwachung der Gemeinde perfekt. Das Programm läuft auf einem normalen PC und kann dort zeitgleich den Stream von vier Kameras in Echtzeit verarbeiten.

Überwachung und Seelsorge

Neuankömmlinge in der Gemeinde, die man speziell ansprechen sollte, werden sofort aufgespürt. Ebenso Personen mit Hausverbot. Einige Kirchen würden ihre Datenbank mit den Fotos von registrierten Sex-Straftätern füttern, sagt Greenshpan . Vor allem kann der Priester nun problemlos nachverfolgen, welche Gemeindemitglieder fleißige Kirchgänger sind und wer sich drücken will. Und natürlich fällt es auch sofort auf, sollten heranwachsende Jugendliche die Familie nicht mehr zum Beten begleiten. Der kann dann einen Hausbesuch zur Intervention planen.

Wenn die Gemeinde erstmal eingescannt ist, läuft das Programm vollautomatisch.

Wenn die Gemeinde erstmal eingescannt ist, läuft das Programm vollautomatisch.

Was tatsächlich mit der Software gemacht wird, weiß Greenshpan nicht so genau und will es wohl auch nicht wissen. Er vermutet jedenfalls, dass die meisten Gemeinden die Software im Geheimen laufen lassen. "Ich fürchte, die Kirchen klären die Leuten nicht auf", sagte er im Gespräch mit dem Technikportal Israel21C.  "Wir fordern sie dazu auf, aber ich glaube nicht, dass sie es machen." 

Technik für Massenkirchen

Neu soll die Gottesdienstüberwachung allerdings nicht sein. Vor dem Einsatz der Software hätten seine Kunden auch schon versucht, die Teilnehmer zu identifizieren, nur eben per Handarbeit. Vor allem für große Kirchen mit Massengottesdiensten sei das nun einfacher geworden.

"Man kann etwa 100 Personen auf einmal manuell registrieren, aber bei großen Kirchen mit hunderten oder gar tausenden von Besuchern ist das unmöglich." An eine bestimmte Religion ist das Programm nicht gebunden. Der Gründer denkt bereits an spezielle Varianten für Synagogen und Moscheen nach. 

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