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27. April 2010, 18:03 Uhr

Hamburg wehrt sich gegen Google

Die Stadt Hamburg nimmt Google an die Kandare: Sie will den Internetdienst Street View mit einem Bundesgesetz einschränken. Demnach müssen Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich gemacht werden, bevor sie ins Netz gestellt werden. Bei Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

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Google-Street-View-Car auf der Cebit: Straßen in ganz Deutschland abgefilmt© Daniel Mihailescu/AFP

Die Stadt Hamburg traut dem Internetkonzern Google nicht: Sie will den umstrittenen Dienst Street View mit einem Bundesgesetz einschränken. "Auf die freiwillige Selbstverpflichtung von Google ist kein Verlass", sagte Justizsenator Till Steffen von den Grünen am Dienstag und kündigte eine Bundesratsinitiative zur Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes an. "Regeln zum Abfilmen von Häusern und Straßen müssen gesetzlich bindend sein", sagte Steffen. Vorher hatten sich auch schon CDU-Politiker gegen den Google-Service ausgesprochen.

Das Programm Street View wurde 2007 in den USA gestartet. Der in Google Maps integrierte Dienst zeigt Straße für Straße die Ansichten ausgewählter Städte und läuft schon für 19 Länder. Dazu hatte Google Autos losgeschickt, die Straßen in ganz Deutschland abgefilmt hatten. In Deutschland soll Street View noch dieses Jahr starten. Google will Autokennzeichen und Gesichter automatisch verpixeln und so unkenntlich machen. Außerdem werden Häuser auf Wunsch der Bewohner oder Besitzer nicht angezeigt.

Bußgeld bis zu 50.000 Euro

Der Hamburger Justizsenator gab allerdings zu erkennen, dass er Google nicht traut. "Hier erlegt sich das Unternehmen freiwillige Regeln auf, dort sammelt es Daten über private WLAN-Netze, die die Nutzer verschlüsseln, weil sie nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind", sagte er. Google hatte nicht nur die Hausfassaden erfasst, sondern auch die privaten WLAN-Netze gemessen und gespeichert.

Nach dem Gesetzentwurf, der am 7. Mai in den Bundesrat eingebracht werden soll, müssten Firmen Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich machen, ehe sie Bilder ins Internet einstellen oder im Rahmen eines anderen Dienstes, etwa eines Navigationssystems, bereitstellen. Die ursprünglichen Filmaufnahmen ohne die Verpixelung müssten nach einem Monat gelöscht werden. Die Filmaufnahmen wären vorher anzukündigen. Abgebildete Personen dürfen nach dem Gesetzesvorschlag die Löschung verlangen, auch wenn ihr Gesicht gepixelt ist. Auch Hauseigentümer und Mieter hätten ein uneingeschränktes Widerspruchsrecht gegen die Abbildung des Gebäudes. Bei Verstößen soll ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro fällig werden.

"Daten anonym und Erfassung rechtmäßig"

Erst vergangene Woche hatte das Bundesverbraucherministerium Google zur Offenlegung der von dem Programm Street View erfassten Daten aufgefordert. Datenschützer hatten zuvor kritisiert, dass der Suchmaschinenkonzern sämtliche WLAN-Netze in Deutschland erfasst. Google widersprach und erklärte, die Daten seien anonym und die Erfassung rechtmäßig.

Daten von WLAN-Netzen werden tatsächlich seit Jahren benutzt, um vor allem in Großstädten zusammen mit Mobilfunkmasten und Satelliten die Position von Smartphones wie dem iPhone besser zu bestimmen. Das kann für Nutzer elektronischer Landkarten hilfreich sein, wo der Empfang von GPS-Satelliten wegen Gebäuden nicht so gut wie auf dem Land ist. So hat die Bostoner Firma Skyhook Wireless nach eigenen Angaben über 100 Millionen WLAN-Netze in Nordamerika, Europa, Asien und Australien gespeichert, um genauere Positionsbestimmungen zu ermöglichen. Auch diese Daten werden wie bei Google mit Autos gesammelt.

Der nordrhein-westfälische Minister Armin Laschet hatte Google erst am Montag wegen der WLAN-Netze einen Missbrauch des Verbrauchervertrauens vorgeworfen. "Dass wir zufällig von der EU erfahren, was erfasst wird, ist ein Skandal", sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

APN
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
urTobsen (28.04.2010, 13:10 Uhr)
Ein Armutszeugnis für Dtl. wäre es, wenn Hamburg es schafft, dass Google Street View dort keine Aufnahmen macht! Gesichter/Nummernschilder unkenntlich + Kamerahöhe anpassen und dann sehe ich da keine Datenschutz-Probleme. Alles weitere ist nur Geldmacherei / Panikmache der Politiker, denn Google bleibt eines der innovativsten Unternehmen weltweit und dessen Produkte (Suche, Maps, ... bald Streetview) bieten einen extremen Mehrwert für viele Menschen. Weiterhin sollte man auch nicht vergessen, dass so ziemlich alle Google - Dienste kostenfrei sind!
Swissmiss (28.04.2010, 08:14 Uhr)
Datenschutzgestzte
Ich verstehe nicht, dass die Höhe der Google-Kamera überhaupt nicht beanstandet wird. Das Gesetzt sollte unbedingt insoweit ergänzt werden, dass die Kamera nicht höher als 1.7-1.8m angebracht werden darf. So würde nur gefilmt, was der übliche Passant auch sieht und nicht ganze Schlafzimmer, Stuben und eigentlich abgeschirmte Gärten.
Aber an und für sich verstehe ich das Gejammer der Deutschen nicht, dass Google deutsche Datenschutzregeln kaum Beachtung schenkt. Die deutschen Regierung trit Datenschutzgesetzte anderer Länder schliesslich auch mit Füssen.
A.Lias (27.04.2010, 22:25 Uhr)
Als G-Data und Buhl früher diese CDs...
... vertrieben haben - D-Info und so - da hat seltsamerweise keiner geschrien, dass da alles drauf zu erkennen war, Gesichter, Autokennzeichen, Hausnummern sowieso. Wo waren damals die Datenschützer? Viele Finanzämter hatten damals die CDs im Bestand, um fragliche Angaben nachzuprüfen.

Und dass die BLÖD-Zeitung und andere deutsche Qualitätspresseerzeugnisse dauernd mit (geklauten) Fotos gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen, auch egal, die finanzieren ja die Christenunion und die Pseudoliberalen. Das geht also OK.

Und bei Facebook ist fast der gesamte Bundestag anzutreffen, obwohl die mit Datenschutz auch nichts zu tun haben wollen. Und Microsoft/BING ist auch nicht besser, da schreit keiner, dass da was unkenntlich gemacht werden soll.

Aber Google ist ja soo schlimm.
bigcpoint (27.04.2010, 21:04 Uhr)
Wohne leider in Berlin
Hamburg war schon immer ne coole Stadt !
der2groeste (27.04.2010, 19:13 Uhr)
Und wann zahlen die Politiker
Immer wieder lenken Politiker und Behörden von dem eigenen Missbrauchs des Datenschutzes ab.
Wie sieht es denn mit dem Datenschutz von Kunden und Steuersündern aus, Hier heilig der Zweck die kriminelle Anwendung der Mittel, oder kann man sich selbst nicht bestrafen mit 50 000E und mehr, man ist ja schließlich der Staat und ein Gesetzgeber . Opfer bekommen keine oder nur sehr geringe Entschädigung. Kriminalität und Korruption n lohnt sich, solange man ein paar 100 Millionen damit machen kann. Kostet doch nur ein paar Euro Strafe , im Notfall kann man sich ja frei kaufen, so wie Siemens, Mercedes und die Banken.
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