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Zukunft Energie

Sonne im Aquarium

Wird die Sonne bald die ganze Welt mit Strom versorgen? Wann gibt's die Mini-Solaranlage für Balkonien? Ein Interview mit Dr. Andreas Bett, Leiter des größten Forschungsinstituts für Solarenergie in Europa.

Die Energie der Sonne versorgt die Welt mit Strom - auch fürs Aquarium

Die Energie der Sonne versorgt die Welt mit Strom - auch fürs Aquarium

Herr Bett, als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE sind Sie Sonnen-Experte. Sie müssen uns das bitte mal erklären: Die Bundesregierung sagt, bis 2060 könnte ein Drittel des weltweiten Energiebedarfs durch Sonnenenergie gedeckt werden. Warum nur ein Drittel und warum so spät? Die Sonne scheint doch auch heute schon jeden Tag …
Na ja, bei uns in Freiburg vielleicht (lacht). Nein, man muss das aus ökonomischer Sicht betrachten. Solarenergie ist heute schon kostengünstig und wir arbeiten daran, sie noch günstiger zu machen. Daneben gibt es aber auch noch die Windenergie, die ebenso wichtig ist. Es macht Sinn, in Deutschland auf beide Formen zu setzen. Im Sommer wird eher Solarstrom erzeugt, im Winter mehr Strom aus Wind. Daher werden wir nie zu hundert Prozent mit Solarstrom leben. Die Zahl 2060 … Wir glauben, es kann deutlich schneller gehen mit dem Zuwachs an Solarenergie. Entscheidend ist aber auch, wie schnell oder langsam die alten Energieerzeugungstechnologien auslaufen. Frankreich investiert zum Beispiel heute noch in Kernkraftwerke. Bis diese abgeschrieben sind, vergehen sicher 40 Jahre. Bei Kohlekraftwerken ist es ähnlich. Es ist die Aufgabe der Politik, die Energiewende unter Umständen unabhängig von solchen Restlaufzeiten voranzutreiben.

Dr. Andreas Bett ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme

Dr. Andreas Bett ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme


Sie entwickeln Technologien, die Solarzellen noch effektiver machen. Gerade haben Sie einen neuen Weltrekord für das effizienteste multikristalline Silicium, das Herzstück einer jeden Solarzelle, aufgestellt. Wann gibt's die handliche Solaranlage für jeden Balkon?
Die gibt's doch schon! Sie haben aber recht, damit kann man nicht den Haushalt versorgen, sondern einzelne Geräte betreiben. Von daher sieht man die auch nicht so oft auf privaten Balkonen. Wir arbeiten hier im Institut intensiv daran, die Effizienz von Solarzellen weiter zu steigern, sodass man künftig tatsächlich ein sehr wirkungsvolles Modul einfach einstöpselt und signifikant Strom produziert. Von heute auf morgen aber lässt sich der Wirkungsgrad nicht einfach verdoppeln.

Sie entwickeln auch Solaranlagen, die auf Autodächern von Lkw eingesetzt werden können, für die Stromversorgung zum Beispiel bei Kühltransportern. Wann gibt's das auch für normale Pkw?
Gute Frage. Auch das gab's schon. Große deutsche Pkw-Hersteller haben Solarmodule für die Dächer ihrer Premiummodelle entwickeln lassen. Die Technologie konnte sich aber auf dem Markt nicht durchsetzen. Vermutlich, weil Solarzellen und Verbrennungsmotor nicht ideal zusammenpassen. Mit der Verbreitung von Elektroautos wird das Thema jetzt wieder interessant. Auch das ist eine Frage der Kosten. Wir forschen intensiv, um deutlich preiswertere Module zur Verfügung stellen zu können.

Sie haben sicher auch privat eine Solaranlage auf dem Dach?
Ja, das stimmt, seit 2000 schon.

Sind Sie zufrieden mit dem Produkt Ihrer eigenen Forschung?
Auf jeden Fall und das sage ich nicht aus Eigenwerbung. Es ist einfach ein schönes Gefühl, in Sachen Strom nahezu autark zu sein. Seit 18 Jahren mache ich meinen Strom selbst und es gab nie ein Problem. Ich erzeuge im jährlichen Mittel deutlich mehr Strom, als ich verbrauche. Gleichzeitig wird man sensibel beim Thema Verbrauch. Ich achte heute stärker darauf, wo ich Energie sparen kann, beim Computer, beim Licht. Immerhin ist es ja meine eigene Strom-Ernte, um die es geht. Ich habe zum Beispiel ein Aquarium. Das hatte ursprünglich eine Beleuchtung, die unglaublich viel Strom zog. Das war aber nicht nötig. Mit einem neuen Lichtsystem verbrauche ich nur noch rund ein Zehntel des Stroms. Das funktioniert und die Fische sind genauso zufrieden wie vorher.