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Ein Künstler, eine Terroristin und der Krieg

Liebe stern-Leser!

Selbst für die kulturverwöhnten New Yorker war Gregory Colbert, der die faszinierende Bildstrecke in dieser Ausgabe fotografiert hat, im vergangenen Jahr eine Sensation. Seine Ausstellung "Ashes and Snow" sahen mehrere hunderttausend Besucher. Seit 14 Jahren fotografiert der Dokumentarfilmer Menschen und Tiere. Was so leicht, so verträumt und glücklich aussieht auf seinen Bildern, ist in Wahrheit das Produkt harter Arbeit und Geduld. Denn Colbert verbringt Monate in den entlegensten Winkeln der Welt und wartet auf den perfekten Moment der Interaktion von Mensch und Tier, nichts ist gestellt. Michael Streck, stern-Korrespondent in New York, besuchte den Künstler in dessen New Yorker Atelier. Colberts Botschaft: "Ich sage nicht, dass der Mensch keine wunderbare Spezies ist. Aber er ist eben auch nur eine unter vielen." Freuen Sie sich an seinen einmaligen Bildern ab Seite 70.

In der Nacht zum 9. Mai 1976

erhängte sich die Terroristin Ulrike Meinhof in ihrer Stuttgarter Gefängniszelle. Als Folge eskalierte der Terror in Deutschland. Bis 1997 fielen ihm 34 Menschen zum Opfer, der "Deutsche Herbst 1977" gehört zu den düstersten Kapiteln der jüngeren deutschen Geschichte. 30 Jahre ist das nun her, doch noch immer rätseln Weggefährten und Zeitgenossen, wie es dazu kommen konnte, dass die intelligente, charismatische Ulrike Marie Meinhof in den Terrorismus abrutschte. Auch eine ihrer beiden Töchter, die Journalistin Bettina Röhl, 43, fragte sich, warum ihre Mutter zur Terroristin wurde. Sie las Tagebücher und Liebesbriefe ihrer Eltern, wühlte in Archiven, sprach mit Weggefährten, "deren Augen noch heute leuchten, wenn der Name Meinhof fällt".

Als meine Kollegin Ulrike Posche und Bettina Röhl sich im vorigen Dezember trafen, um über Röhls Familiengeschichte zu sprechen, war die 732 Seiten starke Chronik gerade fertig. Ob es nicht schrecklich war, fragte Posche, als Tochter der Meinhof im feinen Hamburg-Blankenese aufzuwachsen? Da lachte Bettina Röhl: "Es hat mich in meiner ganzen Jugend und der Schulzeit am Gymnasium Christianeum komischerweise nie jemand darauf angesprochen." Die Geschichte der Jugend- und Society-Jahre einer Terroristin lesen Sie ab Seite 56.

Vor drei Jahren, am 20. März 2003

begann die Irak-Invasion. stern-Reporter Christoph Reuter, der von 2003 bis Mai 2004 ständig in Bagdad gelebt hat, zieht eine persönliche Bilanz. "Noch im April 2004", schreibt er, "feierten wir mit der amerikanischen Journalistin Jill Carroll bei Kollegen die Einweihung von deren Dachterrasse und hörten uns die Songs ihres Übersetzers an; wir ließen uns von Tom Fox und den anderen Aktivisten des "Christian Peacemaker Teams" die Fälle gefolterter irakischer Gefangener dokumentieren, die keinen interessierten, weil die Bilder von Abu Ghreib noch nicht in der Welt waren."

Jill Carroll ist seit dem 7. Januar 2006 verschleppt, ihr Übersetzer Allan Enwiya, der Pink Floyd so liebte, wurde von den Kidnappern erschossen. Vier der "Christian Peacemaker" sind Ende November entführt worden, Tom Fox wurde gefoltert und erschossen von jenen, gegen deren Gefangennahme und Folter er gekämpft hatte. Lesen Sie Reuters Bericht über ein Land im Dauerkrieg ab Seite 32.

Herzlichst Ihr

Andreas Petzold

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