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Wie gut ist Wikipedia?

Liebe stern-Leser!

Der Begriff "Web 2.0" beschreibt eine rasante Entwicklung im Internet: Die Benutzer erstellen die Inhalte zusehends selbst, vernetzen sich untereinander, tauschen Meinungen, Bilder und Filme aus. Ihre Lieblingsseiten heißen StudiVZ oder Youtube - und deren Erfinder wurden durch den Verkauf ihrer Ideen über Nacht Millionäre. Eines der erfolgreichsten "Web 2.0"- Angebote macht da eine sympathische Ausnahme: Das Internet-Lexikon Wikipedia lebt nur von Spenden und vom Idealismus seiner zigtausend Autoren, nichts und niemand verdient daran. Wikipedia ist kostenlos und werbefrei und hat nur eine Mission: möglichst viel Wissen für möglichst alle Menschen verfügbar zu machen.

Die stern- Reporter Horst Güntheroth und Ulf Schönert haben die einzigartige Erfolgsgeschichte von Wikipedia recherchiert und einige der weitgehend unbekannten Macher besucht, die täglich Neues hineinschreiben, Überholtes aktualisieren und Falsches herauslöschen. Der hehre Anspruch: Die Artikel sollen ausschließlich bedeutsames Wissen aus belegten und zuverlässigen Quellen enthalten. Doch wie gut ist Wikipedia wirklich? Was nix kostet, kann das etwas taugen? Wir haben den renommierten "Wissenschaftlichen Informationsdienst WIND GmbH" in Köln beauftragt, das Internet-Lexikon mit 50 Stichproben aus unterschiedlichen Wissensgebieten zu testen. Das Institut ist auf Recherchen für die Industrie, mittelständische Unternehmen und Erfinder spezialisiert, hat Zugriff auf weltweite Datenbanken und arbeitet mit einem Netz globaler Experten zusammen. Das Ergebnis des Tests hat uns alle überrascht: Wikipedia lässt in vielen Fällen selbst den ehrwürdigen Brockhaus alt aussehen (Seite 30).

"Sieg für die Pressefreiheit", meldete sogar das "Wall Street Journal" in den USA. Der stern und sein früherer Brüssel-Korrespondent Hans-Martin Tillack haben vergangene Woche vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg einen Prozess gegen das Königreich Belgien gewonnen. Vor über drei Jahren hatten sechs belgische Polizisten den Reporter morgens um sieben Uhr aus dem Schlaf gerissen. Auf Drängen der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde "Olaf" durchsuchten sie Tillacks Wohnung und das stern- Büro in der EU-Hauptstadt. Immer wieder hatte der stern aus hochvertraulichen Dokumenten über die Betrugsfälle in der EU- Komission zitieren können. Nun sollten die Polizisten herausfinden, wer dem stern die Papiere zugesteckt hatte - was weder der Polizei noch den EU-Schnüfflern bis heute gelungen ist. Die Durchsuchungsaktion war illegal, urteilte nun der Straßburger Gerichtshof. Der Schutz journalistischer Quellen sein ein "Eckpfeiler" der Pressefreiheit und dürfe nicht gefährdet werden - schon gar nicht auf der Basis "vager unbelegter Gerüchte", dass der stern die Papiere durch Bestechung erlangt habe. Das Gericht sprach dem stern 30.000 Euro Schadenersatz für die Anwaltskosten und Tillack 10.000 Euro Schmerzensgeld zu, die er spenden will. Der Reporter: "In Zukunft werden es sich belgische Behörden und EU-Kommission hoffentlich zweimal überlegen , gegen kritische Berichterstatter derartig vorzugehen."

Herzlichst Ihr

Thomas Osterkorn

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