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14. Juni 2008, 14:20 Uhr

"Ein Mal gewonnen. Das war's"

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren hat Hans Krankl Sportgeschichte geschrieben. Sein Siegtor zum 3:2 bei der WM 1978 in Argentinien kegelte die Deutschen aus dem Turnier. Im Interview mit stern.de erinnert sich Krankl an die Momente, die ihn zu einer Legende machten.

Der Held von Córdoba: Für den damaligen Torschützen Hans Krankl ist das 3:2 gegen die Deutschen vor 30 Jahren immer noch ein ganz besonderer Sieg© picture-alliance

Ganz Österreich träumt nun wieder von Córdoba...
Lassen wir die Kirche im Dorf. Wir haben gut gespielt gegen Polen, die ganze Mannschaft. Das hat mich gefreut.

Das klingt nach einem großen Aber?
Jeder hat auch gesehen, dass noch Luft nach oben bleibt. Wir machen aus den vielen Chancen einfach zu wenig Tore. Und jetzt die Deutschen, mein Gott, wir hoffen halt immer. Auf alle Fälle hat die Mannschaft gezeigt, dass sie kämpfen kann. Das macht Mut.

Bis heute bleibt der Eindruck: Österreich lebt vom Sieg in Córdoba, und Sie tragen die Last allein auf ihren Schultern?
Es gibt keine Last. Wir haben ein Mal in 50 Jahren gegen unseren großen Bruder gewonnen, Das war's. Das ist immer die Geschichte David gegen Goliath. Wir haben uns bisher immer auf die Hinterbeine gestellt und oft eine Watschn bekommen.

Sehen Sie Chancen auf ein zweites Córdoba?
Was heißt zweites Córdoba, wir spielen in Wien. Wir sind der Außenseiter. Aber auch der hat die Chance, Schwergewichte wie Kroatien, Polen und Deutschland in Schwierigkeiten zu bringen. Das haben wir in den ersten beiden Spielen gesehen.

DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser, der durch sein Tor bei der WM 1974 den "Westen" bezwang, hat einmal gesagt: "Schreibt auf meinem Grabstein, Ort, Ergebnis und Datum des Spiels, dann weiß jeder, wer da liegt." Was soll denn auf Ihrem stehen, einfach Córdoba?
Des will ich gar nicht wissen. Ich wünsche dem Sparwasser ein sehr langes Leben und mir auch.

Aber Córdoba ist gleichbedeutend mit dem Namen Krankl?
Wir wollen mal nicht übertreiben. Ich stand mit Barcelona gegen Düsseldorf im Europacupfinale, und wir sind Europapokalsieger geworden. Ich hab ein Tor geschossen. Und gegen Deutschland hab ich oft gespielt, leider nur ein Mal gewonnen. Und ich war vier Monate Trainer von Fortuna Köln. Córdoba war etwas Besonderes, aber die Leute kennen mich auch so.

Die Videokassette mit den Toren aber schauen Sie sich schon noch an?
Schon lange nicht mehr. Ich weiß ja, wie sie gefallen sind, ich hab sie ja geschossen. Selbst in Deutschland hat man registriert, dass es zwei sehr schöne Tore waren. Man sollte aber dem Ganzen keine allzu große Bedeutung beimessen. Es war nur ein besonderer Sieg bei einer WM.

Ganz Österreich stand Kopf. Und Sie haben die Nacht durchgefeiert?
Na, das wüsste ich aber. Besonders kann das nicht gewesen sein. Wissen Sie warum?

Nein.
Ich kann mich nicht mehr erinnern. Gefeiert haben wir bestimmt ein bisserl, aber ein rauschendes Fest gab es keines. Wir haben uns gefreut, weil wir gewonnen haben und sind zwei Tage später heimgeflogen.

Wie haben denn die deutschen Spieler reagiert?
Der Rüssmann war völlig fertig. Dem liefen die Tränen runter. Da hab ich ihn getröstet, habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, er soll sich nichts daraus machen. Wir haben Leibchen getauscht, aber er war zerstört. Die haben ihn alle zum Sündenbock gemacht, dabei war er einer der Besten auf dem Platz. Mit Hansi Müller hab ich geredet, der war nicht gut drauf, weil es in der Mannschaft nicht stimmte.

Sie wollen sagen, die Deutschen haben gestritten damals?
Wir haben jedenfalls gemerkt, da stimmt was nicht. Da rauscht es im Karton. Freundschaft und Harmonie waren offensichtlich nicht so ausgeprägt. Es gab wohl Probleme der Spieler untereinander.

Haben Sie Ihre Gegenspieler Rüssmann, Vogts und Maier später wiedergetroffen?
Rüssmann hat mich besucht, als ich mit Barcelona gegen Köln gespielt habe, den Berti hab ich als österreichischer Nationaltrainer getroffen, wir haben in Schottland gespielt, er war dort Nationaltrainer. Und bei Tagungen der Nationaltrainer haben wir uns getroffen.

Und Sie haben über Córdoba geredet?
Warum denn, ich mag die beiden. Vor allem Berti, weil er in Deutschland als Trainer nicht so anerkannt wurde, wie er es verdient gehabt hätte.

Andere reagierten etwas gereizt auf die deutsche Niederlage. Ein Boulevardblatt soll Ihre Telefonnummer veröffentlicht haben...
Irgendwo ist meine Nummer bekannt geworden. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Aber sie werden sich wundern, es gab auch sehr viele positive Anrufe aus Deutschland. Viele haben angerufen und haben mir gratuliert. Einer hat sich bedankt, dass wir die Deutschen geschlagen haben, er meinte, das war keine gute deutsche Mannschaft.

Keine Beschimpfungen für Sie?
Ein paar. Ich habe dann meine Nummer gewechselt, aber das dauerte einen halben Tag. Außerdem ist der Treffer zum "Tor des Monats" gewählt worden. Bei euch in Deutschland. Da zieh ich heute noch dankbar den Hut.

Hat Córdoba Ihr Leben verändert?
Ich bin von Rapid zu einem der besten Klubs der Welt, zum FC Barcelona. Das kam nicht nur durch diese Tore. Ich hatte auch schon gegen Schweden und Spanien welche gemacht. Da hat Valencia angerufen, nach Córdoba kam Barcelona.

Hat Ihnen das Tor denn Glück gebracht?
Es waren zwei, bitte. Beide sind ein Stück Sportgeschichte und Fußballgeschichte für Österreich. Das ist schön, das es mir passiert ist, aber auch nicht mehr.

Und wie sind Sie damals in Österreich empfangen worden?
Zur damaligen Zeit fast untypisch für unser Land. Tausende waren am Flughafen und haben uns jubelnd empfangen.

Später waren Sie Nationaltrainer in Österreich, ein Traumjob?
Nein, wirklich nicht. Vier Jahre reichen mir. Ich hatte zwei Qualifikationen zu spielen, zwei Mal gegen starke Gegner, wir haben es zwei Mal nicht geschafft. Damals kamen viele junge Spieler ins Team, und am Ende hat sich der Verband gegen mich entschieden.

Interview: Oliver Trust

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KOMMENTARE (10 von 15)
 
321aus (16.06.2008, 14:48 Uhr)
weinen in wien
Heute seid's ihr raus aus der EM, liebe Österreicher! ;) Der Countdown läuft noch und am Abend hat der Fussballwahnsinn dann ein Ende in der Alpenrepublik!
www.fussballwahnsinn-oesterreich.at
kessy1230 (16.06.2008, 12:16 Uhr)
wo bleibt die objektivität
also wir sind eine kranke nation. naja, wie hätte es anders kommen können, wenn der große bruder über den ungeliebten kleinen sich äußert. was daran krank ist, dass österreichische reporter sich freuen, wenn einer ihrer landsleute gewinnt, versteh ich nicht. auch wir können eure programme empfangen und uns störts nicht, wenn sich eure reporter in ergüssen und lobhudeleien übertreffen wenn ein/e biathlet gewinnt, was ja oft genug vorkommt, wenn ronny ackermann die gegner demoralisiert, rodlerinnen seriensiege landen oder, zwar schon lange her aber trotzdem noch in erinnerung das hannawald fieber ausbricht. das ist scheinbar normal, nur wenn ein ösi gewinnt, dann war sicher was mit dem material getrickst, die reporter übergeschnappt, die fans therapierbar. und zum fussball. ich sehe den deutschen fussball in ähnlicher position wie den österreichischen. sicher, ihr habt 10x so viele einwohner wie wir und daher ein ungleich grösseres reservoir an talenten wie wir, aber auch bei euch bemerke ich, dass ihr ausländer einbürgert oder mittelklassige legionäre verpflichtet. das sind die ersten signalzeichen. über kurz oder lang wird aber auch euch die kehrseite der wohlstandsgesellschaft einholen und ihr werdet erkennen müssen, dass eure kinder andere dinge bevorzugen als zu bolzen. insofern sind wir dann beide kranke nationen. insofern sehen wir euch auch gerne wieder als gäste im sommer und winter sofern ihr euch zu benehmen wisst(dies gilt natürlich für jede nation, auch für uns im ausland. und damit ihr es nicht vergesst. nur weil wir euch essen und trinken servieren, haben wir kein diener-syndrom. dies entspringt eher jenen kranken hirnen, die uns noch immer als einen teil von euch sehen. in diesem sinne ein völkerverbindendes serwas.
AchazIII. (16.06.2008, 11:34 Uhr)
Zwei Schicksalsschläge blieben unerwähnt
Rolf Rüssmann und Hans Krankl waren die dmaligen Gegenspieler.
Beiden brachte das Spiel kein Glück. Rüssmann (Jahrgang 1952) und Krankl (1954), damals 1978 blutjung, spielte das Schicksal einen brutalen Streich.
Krankl ergraute kurz nach der Rückkehr aus Argentinien inerhalb kürzester Zeit, schon beim Cup-Final 1979 Barcelona - Düsseldorf als 25-Jähriger war er angegraut, und heute ist er, wie man im Artikel sieht, schlohweiß.
Rüssmann ging es noch schlechter: Er hat fast alle Haare verloren und trägt heute Vollglatze.
Ja, ja, der Fußballgott hat beide gestraft: Wer sich zuviel mit der Vergangenheit beschäftigt, der altert frühzeitig. Das sei in das Stammbuch der User hier geschrieben.......
stwberlin (16.06.2008, 11:17 Uhr)
Nicht unwichtig
Denen, die dieses Interview für unwichtig halten, kann ich nicht zustimmen. Jenen, die den Journalisten wegen der reisserischen Fragen verurteilen schon.
Immerhin sprach Krankl fast liebevoll vom "grossen Bruder" (womit er sicher den Fussball meint) und erzählte, wie er den Gegner nach dem Spiel tröstete.
Damals wurde Fussball also noch vom Herzen gesteuert und nicht vom Geld. Eine Kernaussage, die dieses Interview nicht unwichtig macht, auch wenn Herr Trust auf diese versteckten Aussagen leider nicht einzugehen wusste. Schade...
Molch66 (16.06.2008, 10:35 Uhr)
Merkwürdig...
...dass immer gleich aus einem journalistisch wertlosen Beitrag ein anti-österreichisches Politikum gemacht werden muss ("Minderwertigkeitskomplex" etc.). Viel Spaß beim nächsten Österreich-Wochenende oder -Urlaub, vielleicht werdet ihr euch an diese Diskussion zurück erinnern. Oder lauthals gegen das österreichische Straßenräubertum wettern, wenn sie euch mal wieder ohne Vignette erwischt haben und ihr dafür mal wieder 400.- Euro abdrücken müsst. Weil Österreich (wie übrigens die meisten Länder Europas) die Maut auch für PKW eingeführt hat und so eine wesentliche Entlastung der Autobahn herbei führte (und gleichzeitig den Geldbeutel etwas voller macht). Das aber nur am Rande.
heinzi70 (16.06.2008, 10:22 Uhr)
Sinnloses Interview
glücklicherweise ist Krankl angenehm entspannt und sieht das Geschehen vor 30 (!) Jahren in der richtigen Dimension
anders dagegen der Interviewer, der versucht, eine sensationsheischende Frage nach der anderen abzufeuern ... zum Glück geht Krankl nicht darauf ein.
Der Nachrichtenwert dieses Interviews tendiert gegen Null, unverständlich, warum es überhaupt veröffentlicht werden musste
pingpong (16.06.2008, 10:01 Uhr)
Sollen die Österreicher sein,
wie sie sind. Die Deutschen haben auch diese oder jene Macke und sind genauso wie alle anderen. Das wichtigste aber ist, das Hans Krankl hier keine Stimmung zwischen beiden Nationen macht, sondern das alles im Rückblick relativiert. Dafür sei Dank.
AchazIII. (16.06.2008, 09:53 Uhr)
Reaktionen bei Österreichischen Skirennen
Im süddeutschen Randbereich kann man auch den ORF und die SRG (Schweiz) empfangen. Zu Zeiten einer Frau Moser (aus Filzmoos?) und eines Franz Klammer hatte ich das etwas zweifelhafte Vergnügen, diese österreichischen Erfolge im ORF mit zu erleben, wobei ich das eher neutral sah. Reporter wie Robert Seeger oder Heinz Prüller haben alles andere als eine sachliche Berichterstattung betrieben, sondern niedere Instinkte bedient. Jede schlechtere Zwischenzeit eines ausländischen Konkurrenten wurden bejubelt, im Gegensatz zum Schweizer Reporter Karl Erb, der sachlich, auch lebhaft, über das Rennen berichtete.
Ich kann also mitreden.
Und wenn man die Reportage des Edi Finger sen. zu "Cordoba" hört ("So kann der Abramczyk schießen, er hat drüber geschossen - ich könnte ihn abbusseln" etc.) - ist das genau der gleiche Stil. Es ist geradezu ein Paradebeispiel, wie man journalistisch nicht tätig sein, niemals Partei ergreifen, sondern das schildern, was man sieht. Bei Edi Finger, der damals knapp vor der Rente stand, könnte man noch ein Auge zudrücken.
Und hier ein unverdächtiger Zeuge: Werner Anton Perger, ein von mir hochgeachteter österreichischer kritischer Journalist: Perger hat das bestätigt, dass seine Landsleute doch stark an Minderwertigkeitskomplexen leiden. Das hat was mit der "Diener-Funktion" als Tourismusbranche zu tun. Die Schweiz ist in dieser Hinsicht viel emanzipierter, weil nicht nur vom Tourismus lebend.
JoeSkeleton (16.06.2008, 09:37 Uhr)
ich fand...
den Auftritt der Ösis bei dieser EM sehr gut,einziges Manko ist die Chancenverwertung,und da hoff ich halt das das auch gegen uns so bleibt.Ich mag die Östereicher,aber der Knoten muss nicht ausgerechnet heut abend platzen.Lasst ihnen doch ihr Cordoba,haben ja sonst nix vorzuweisen ;-)
Marty_D (16.06.2008, 09:31 Uhr)
Es war einmal...
Bla Bla, es war einmal, und in china ist ein sack reis umgefallen!
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