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4. Juni 2008, 15:02 Uhr

Kommando Luxus

Den deutschen Star-Kickern soll es an nichts mangeln: 20 Millionen Euro beträgt das DFB-Budget für die EM 2008 - mehr als jemals zuvor. DFB-Boss Theo Zwanziger hält die gigantischen Finanz-Aufwendungen für mehr als angemessen - und wagt einen interessanten Vergleich. Von Jens Fischer und Tim Schulze

Ankunft in Lugano: Auf rotem Teppich geht es in das EM-Quartier© Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

In Malente war alles ganz anders. Einkaserniert in der Sportschule gab es vor der Weltmeisterschaft 1982 für die deutschen Kicker nur eines: Fußball, Fußball, Fußball. Unvergessen die Bilder, als sich Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner und Co. in Badehosen auf dem Liegestuhl räkelten, eine Art der Vorbereitung abseits von Luxus, Trainings-Analytik und modernsten High-Tech-Ernährungsplänen.

Die Zeiten haben sich geändert. Schon das deutsche "Sommer-Märchen" bei der WM 2006 im eigenen Land ließ sich der DFB 16 Millionen Euro kosten - ein Budget, in seinen Dimensionen bis zu diesem Zeitpunkt unerreicht. Aber nur der Anfang einer finanziellen Groß-Offensive des DFB, die in diesem Jahr während der EM-Vorbereitung ihren Höhepunkt erreicht hat.

DFB klotzt richtig ran

"Der Etat-Ansatz ist höher als bei der WM", bestätigt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Um genau zu sein: Der DFB klotzt noch einmal richtig ran und lässt sich die Operation "EM-Titel" in diesem Jahr bis zu 20 Millionen Euro kosten. Eine gigantische Summe, die sich nicht allein mit einem Blick auf den Luxus im noblen EM-Quartier der Deutschen erklären lässt.

Den größten Anteil bilden die Prämien für Spieler und Trainer. Jedem der 23 Spieler winken im Fall des Titelgewinns 250.000 Euro - insgesamt also 5,75 Millionen Euro. Hinzu kommen die Prämien für Bundestrainer Joachim Löw und sein Assistententeam in unbekannter Höhe. Statt Malente war diesmal Mallorca für die Vorbereitung angesagt. Das Trainingslager auf der Balearen-Insel kostete nach Angaben des "Kicker" 800.000 Euro. Die Reisen während der EM schlagen mit 500.000 zu Buche. Bierhoff versicherte, dass kein Geld für unnötige Maßnahmen verschwendet werde. Die erwogene Anmietung eines Helikopters zur Spielbeobachtung sei allerdings fallengelassen worden. Das bringe nichts, sagte der Teammanager.

Spieler schlafen auf Spezial-Matrazen

Der Elite des deutschen Fußballs soll es nichts mangeln. Für das abgeriegelte Nobel-Quartier der Deutschen in Ascona am Lago Maggiore kommen 900.000 Euro zusammen. Dafür wird einiges geboten: In der Tessiner Luxus-Herberge "Giardino" stehen dem 60-köpfigen DFB-Tross 54 Doppelzimmer zur Einzelnutzung und 18 Suiten zur Verfügung. Im elf Kilometer entfernten Trainingszentrum in Tenero fehlt es ebenfalls an nichts. "Wir werden optimale Bedingungen vorfinden und den Spielern auch viele Freiräume verschaffen", schwärmte Bierhoff. Nichts wird dem Zufall überlassen: Der teameigene Sternekoch Holger Stromberg gehört ebenso dazu wie die Spezialmatratzen, auf denen die Spieler schlafen - genau abgestimmt auf Liegegewohnheiten und Wirbelsäulenbeschaffenheit.

Bierhoff rechtfertigt den hohen finanziellen Aufwand mit der optimalen Vorbereitung und Betreuung des DFB-Teams. Das sei angemessen und sinnvoll: "Mich ärgert ein bisschen, wenn man behauptet, für die Nationalmannschaft werden Unsummen ausgegeben." Bei der WM vor zwei Jahren sei ein Gewinn von 5,5 Millionen Euro erzielt worden. Auch diesmal rechnet DFB-Chef Zwanziger mit schwarzen Zahlen. Je besser das deutsche Team abschneidet, desto höher wird der Gewinn ausfallen. Bis zu 23 Millionen kann der neue Europameister kassieren, allein 7.5 Millionen Euro beträgt das Startgeld.

Zwanziger: Die Kuh füttern

Und auch Zwanziger rechtfertigt den finanziellen Aufwand im Hinblick auf die große Erwartungshaltung: "Du musst die Kuh kräftig füttern, ohne dies ist die Milch unten nicht möglich." Es gehe um einen Spitzenerfolg, der mit kleinem Budget nicht realisierbar wäre. "So etwas kann ich nicht machen, wie eine Schulklasse, die eine Jugendherberge besucht".

Von Jens Fischer und Tim Schulze
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
tri.star (06.06.2008, 09:48 Uhr)
peinliche Neidattacken
Fußballfans sind anscheinend besonders anfällig für den Neid-Bazillus. Es mag ja sein, das der DFB hier etwas übertreibt, aber die Spielerprämien sind für die heutige Zeit ja eher noch bescheiden. Die bekommen das Geld ja nicht im voraus, sondern nur wenn sie den Titel holen. Mit dem Titel würde der DFB wieder entsprechend mehr Geld einnehmen und unterm Strich Gewinn machen - funktioniert nicht so unsere gesamte Wirtschaft? Man investiert um einen Ertrag zu bekommen. Wer gewinnt denn in der Formel 1? Eigentlich immer ein Team mit sehr hohem Kapitaleinsatz, die Underdogs starten eher aus den letzten Reihen und kommen auch normalerweise nicht als Erster ins Ziel.
Wenn die offiziellen Spiele besser als die Testspiele werden, dann haben wir (Deutschland) schon viel erreicht. Vor zwei Jahren ging das ja auch so, im Gegensatz zu vielen anderen WMs die schon mit Pannen starteten und bei denen man nur mit hängen und würgen weiterkam - aber immerhin am Ende den Titel holte oder zumindest ins Endspiel kam. Das Ergebnis der letzten WM war dagegen eher schlecht - denn ein 3. Platz ist historisch unter deutschem Niveau. Bei EMs sind wir normal häufig noch schlechter gewesen, vor allem in neuerer Zeit. Schon aus diesem Grund glaube ich nicht an einen deutschen Euopameister 2008. Die Griechen werden es aber auch nicht noch mal mit ihrer 1:0 Nummer schaffen - ich tippe mal ganz locker auf unsere westlichen Nachbarn, Vive la France!
madeingermany (05.06.2008, 04:06 Uhr)
alternativer vorschlag
lasst die herren funktionaere und spieler ruhig soviel geld ausgeben und verdienen. auch praemien fuer den gewinn der em sind ok...
allerdings sollte auch ein rueckzahlsystem bei FEHLLEISTUNG eingefuehrt werden.
sollten wir nicht euro meister werden dann zahlen die herren eine schoene praemie zurueck, und zwar an all diejenigen in deutschland, denen es nicht so gut geht und sich trotzdem fuer fussball begeistern!!!
malibuli (04.06.2008, 23:49 Uhr)
Abwarten
Nicht unwahrscheinlich, dass es bei der EM wieder ein Aussenseiter macht. Spieler, die keinen Zucker in den Arsch geblasen bekommen und trotzdem eine super Leistung bringen. Ich habe jedenfalls ein sehr viel schlechteres Gefühl als vor 2 Jahren.
Danne (04.06.2008, 20:03 Uhr)
Millionäre
Warum bekommen die Spieler, die ja eh alle schon mehrfache Millionäre sind, eigentlich überhaupt eine Prämie für das Abschneiden der Nationalmannschaft? Es sollte eine Ehre sein, für das eigene Land zu spielen und nicht noch dafür Geld zu verlangen!
Außerdem geht es doch um Sportlichkeit und Fairness und da sind Mannschaften dabei, die sich keinen so riesigen Kostenapperat halten. Trauen sich die Deutschen denn nicht, unter gleichen Bedingungen zu spielen?
Bumpinger (04.06.2008, 19:05 Uhr)
Hat nichts mehr mit Fußball zu tun !
Als Lehrer weiß ich, dass es Kinder gibt, die sich noch nichtmal einen guten Fußball leisten können. Trotzdem lieben sie Fußball über alles, aber wenn 20 Millionen verjuxt werden, dann hat das mit Sport oder Sportsgeist nichts mehr zu tun.
sophisticated (04.06.2008, 18:20 Uhr)
Wenn ich so vergleiche,
was Filmschauspieler für eine Hollywood-Rolle bekommen, was Manager (unabhängig von ihren Fehlentscheidungen) mit und ohne goldenen Handschlag bekommen, was Formel 1-Fahrer in wenigen Jahren verdienen usw., DANN ist das für die Jungs okay. Die halten jedes Mal ihre Knochen hin. - Erst wenn ich überlege, was eine Krankenschwester so verdient muss ich zustimmen, dass die Relation einfach nicht mehr stimmt. Aber wenn man da in unserer Gesellschaft anfängt, dann ist man ganz schnell an dem Punkt, dass nichts mehr stimmt.....
malibuli (04.06.2008, 17:31 Uhr)
Erinnert mich an Tennis
Hab die Geschichte im Kopf, dass bei den French Open vor ein paar Jahren Federer im teuersten Hotel in Paris eine Suite gemietet hat, Nikolai Dawidenko war zur gleichen Zeit nicht minder erfolgreich unterwegs und verbrachte seine Nächte in einem billigen 3* Hotel.
Wer Bierhoff als Manager hat, bekommt halt seinen Lifestyle aufgedrückt.
ganzbaf (04.06.2008, 17:30 Uhr)
Der Vergleich...

sollte sein:
Wie viel Bolzplätze könnten allein mit diesen 20 Millionen Euro neu angelegt werden.
dimmelmann (04.06.2008, 17:08 Uhr)
der liebe Herr Zwanziger
der sich immer mit den Fussballamateuren und den Damen brüstet (die wirklich aus Spass an der Freude spielen), macht sich vollkommen unglaubwürdig, wenn er es diesen ach so stolzen Nationalspielern hinten und vorne reindrückt...Fritz Walter und Co. müssten eigentlich im Grabe rotieren! Aber ich freu mich schon auf das Fehlpassspektakel und Gestümpere unserer Jungs...diese gottbegnadeten Stars mit lackierten Fingernägeln und goldenen Fussballschuhen!
havranek (04.06.2008, 16:52 Uhr)
Die spinnen die Deutschen!
Ob die Spieler mit ein paar Millionen in der Tasche mehr Einsatz geben werden würde ich bezweifeln, es trifft eher das Gegenteil zu!
Und den Hubschrauber zur Spielanalyse, grossartig, selten so gelacht! Deutsche Überheblichkeit wie sie im Buche steht, wie wärs mit nem Sateliten, ich glaube den brauchts auch um die Winde und Isobaren während des Spiels zu analysieren!
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