Deutsch-polnische Krise im Vorfeld des EM-Auftaktspiels: Polnische Medien hetzen gegen die deutsche Mannschaft, dem Trainer des deutschen Gegners ist die Kriegs-Rhetorik nur noch peinlich. stern.de hat sich bei den Polen umgehört und festgestellt: Die Nerven liegen blank. Von Frank Hellmann, Bad Waltersdorf

Leo Beenhakker sind die Angriffe der polnischen Medien mehr als peinlich© Czarek Sokolowski / AP Photo
Eine Frage auf Deutsch? Jacek Krzynowek zog die Augenbrauen hoch. Natürlich hätte der Fußball-Profi in der Sprache seiner Wahlheimat antworten können. Seit 1999 wohnt der polnische Kraftprotz in Deutschland, er hat für den 1. FC Nürnberg, Bayer Leverkusen gespielt und ist aktuell beim VfL Wolfsburg angestellt. Doch der 31-Jährige entschied sich nach einem kurzen Blick zu Leo Beenhakker für sichere Variante. Also lieber auf Polnisch. Denn die Causa war brisant – so heiß, dass jedes falsche Wort auf der offiziellen Pressekonferenz in der umfunktionierten Tennishalle des Thermendorfes Bad Waltersdorf die deutsch-polnischen Beziehungen weiter hätte belasten können.
"Fußball ist Sport und nicht Krieg. Und wir schauen nicht zurück, nicht auf 2006, nicht 15 oder 20 Jahre in die Vergangenheit," meint Krzynowek. Neben ihm hat Leo Beenhakker schon Worte gesprochen, die keinen Zweifel lassen: Die Entourage der polnischen Auswahl will nichts mit den Massenblättern in Polen zu tun haben, die fragwürdige Hetze vor dem Spiel gegen Deutschland betreiben.
"Ich spreche im Namen vieler Polen und des gesamten Teams: Was auf den Titelseiten dieser Zeitungen war, war eine furchtbare Fotomontage. Diese Leute sind verrückt, dreckig und krank." Beenhakker strich sein schlohweißes Haar nach hinten, lehnte sich vor und betonte: "So wollen wir unser Land bei der Euro 2008 nicht repräsentieren."
Deutlicher kann die persönliche Distanz zu törichter Hetze kaum ausfallen. Damit kam der Niederländer auch den Forderungen von Botschaftern, Politikern oder der Uefa nach, die allesamt Entschuldigungen eingefordert hatten. Beenhakker ist entsetzt gewesen, nachdem er Zeitungen seiner Wahlheimat in die Hände bekam. "Super Express" und "Fakt", die konkurrierenden Massenblätter, hatten geschmacklose Angriffe auf die Deutschen gestartet; Pickelhauben, Schwerter und abgeschlagene Köpfe abgebildet und Kriegsgeheul angestimmt.
"Super Express" hatte eine Fotomontage abgedruckt, auf der Beenhakker die abgetrennten Köpfe von DFB-Kapitän Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw in den Händen hält. Die Überschrift lautete: "Leo, bring uns ihre Köpfe". Am Donnerstag legte das Blatt nochmals nach: "Deutsche, wir werden Euch aufessen - wie immer", prangte auf dem Titel.
Die Reaktionen folgten prompt – und brachten die polnische Delegation ausgerechnet in der verregneten Idylle der Steiermark in einen merkwürdigen Erklärungsnotstand. Sich nämlich zu rechtfertigen für etwas, das sie gar nicht verbrochen hatten. Die Uefa schaltete sich ebenso ein wie die Politik inklusive Marek Prawda, der polnische Botschafter, der von „idiotischer Geschmacklosigkeit“ sprach. Das sei "ein einziger Skandal, absolut unterirdisch", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert. "Ich hoffe, dass die polnische Regierung angemessen darauf reagiert."
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