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3. Juni 2008, 15:35 Uhr

Wie gefährlich ist der Ballack-Hype?

Ballack, Ballack, Ballack. Der Mann ist ohne Zweifel die größte deutsche EM-Hoffnung. Doch wie gefährlich ist die starke Fixierung auf seine Person für das deutsche Spiel? stern.de hat ehemalige Nationalspieler gefragt. Von Martin Sonnleitner

Der uneingeschränkte Leader der deutschen Mannschaft: Michael Ballack vom FC Chelsea© Alex Grimm / REUTERS

Wann den ersten Experten klar wurde, dass hier ein neuer deutscher Weltklassespieler heranwachsen würde, ist nicht verbrieft. So um die 1998 machte sich ein 21-jähriger, dynamischer Jungspund daran, den Grundstein zu seiner Ausnahme-Karriere zu legen. Der 1. FC Kaiserslautern, damals Bundesliga-Aufsteiger, gewann im Handstreich die Deutsche Meisterschaft. Es war die Premiere von Michael Ballack in der deutschen Elite-Klasse. Heute ist er Leader beim Champions-League-Finalisten Chelsea London, Weltstar, internationale Werbe-Ikone und Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Was für ein Aufstieg! Doch wie gesund ist der Ballack-Hype für das Team von Nationaltrainer Joachim Löw? Wie sinnvoll für eine mannschaftsorientierte Spielstrategie? Kann der Personenkult vielleicht sogar verhängnisvoll sein und den anvisierten Titel kosten?

Einer, der einst ebenso im Mittelpunkt gestanden hat wie derzeit der deutsche Kapitän, ist Ehrenspielführer Uwe Seeler. Er glaubt: "Ballack hat das Zeug, ein Team zu führen." Doch genauso wie damals in seinem Schatten Spieler wie Siggi Held und Wolfgang Overath zu Ausnahmefußballern heranreiften, braucht auch Ballack Unterstützung an seiner Seite. Seeler ist sicher: "Er hat die Leute in der Mannschaft, die in der Lage sind, mit Verantwortung zu übernehmen."

"Alles an Ballack festzumachen, ist der falsche Weg"

Carsten Ramelow, der gemeinsam mit Ballack in jener Elf von Bayer Leverkusen spielte, die 2002 im Champions-League-Finale stand, hält ebenfalls eine eingespielte Achse für die Basis des Erfolges.

"Andere müssen mitziehen", sagt Ramelow, der zwischen 1998 und 2004 Nationalspieler war. "Es wäre der falsche Weg, alles an Micha festzumachen." Auch bei Leverkusen habe Ballack zwar hervorgestochen, "aber ohne die Leistung des Teams ist der Erfolg nicht möglich".

Ramelow, der im Verein wie heute Torsten Frings im Nationalteam häufig versetzt zu Ballack das defensive Mittelfeld ordnete, verweist auf das so wichtige Zusammenspiel von Defensive und Offensive: "Hier entscheidet sich, ob eine Strategie aufgeht, ein Turnier gewonnen wird."

Erfolg nur über das Team

Andreas Möller denkt ähnlich. Der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 hält es gerade für Ballacks größte Stärke, "dass er so mannschaftsdienlich spielt".

Vor der WM 2006 habe die deutsche Mannschaft laut Möller sogar über das beste Mittelfeld der Welt verfügt. Damals erhielten Ballack und Frings allerdings Unterstützung von einem Schweinsteiger in Top-Form und einem Bernd Schneider auf dem Zenit seines Könnens, der nun verletzt fehlen wird.

"Der Erfolg geht nur über das Team", warnt Möller vor einer Fixierung auf den deutschen Leader und verweist auf Frankreichs grandiose Mittelfeldachse beim EM-Gewinn 1984: "Platini, Giresse, Tigana."

Würden in 25 Jahren die Namen "Ballack, Frings, Schweinsteiger" mit ähnlicher Ehrfurcht intoniert - niemand hätte wohl etwas dagegen. Am allerwenigsten der deutsche Kapitän.

Von Martin Sonnleitner
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
MartinZ (05.06.2008, 11:45 Uhr)
Richtig
@claatu
Finde ich auch, dass das fussballerische Können Ballacks oft überschätzt wird. Für mich ist er der Fehlpassmeister. Aber als mannschaftsdienlicher Führungsspieler ist er richtig gut. Er kann anfeuern und mitreissen - oder eben richtig schimpfen. Und er ist körperlich fit und kein Kind von Traurigkeit beim Zupacken.
claatu (04.06.2008, 20:09 Uhr)
völlig überschätzt
Ballack ist in meinen Augen der am meisten überschätze Spieler, den wir haben. Wie oft verliert er den Ball, wie oft beklagt er sich nach einem seiner Fehlpässe bei seinem Mitspieler, das der nicht gelaufen sei? Wie oft zimmert er den Ball von der Strafraumgrenze meterweit über das Tor? Der Freistoß im letzten Länderspiel war die absolute Ausnahme. Wie oft taucht er in wichtigen Spielen völlig unter? Was er wirklich gut kann: im Strafraum richtig stehen und den Kopf hinhalten um den Ball zu versenken. Das allein macht aber wohl wirklich keinen Führungsspieler aus....
olli68 (04.06.2008, 09:11 Uhr)
mittelmäßig
Die aufkeimende Euphorie ist nichts anderes als - verständliches - Wunschdenken. Schon bei der WM 2006 ist Deutschland nur wegen fehlender Gegner durch die Vorrunde marschiert - beim ersten ernsthaften Gegner im Halbfinale: chancenlos. Alles andere als ein 5. Platz wäre für mich eine - gern erlebte - Überraschung.
danov (04.06.2008, 01:03 Uhr)
@ mariahellwig
ja und? was hat das eine mit dem anderen zu tun? ballack ist unumstritten einer der besten deutschen fussballer seit langem! das hat doch mit dem trainingslager wirklich gar nix zu tun!?
mariahellwig (03.06.2008, 18:44 Uhr)
ein bischen relativieren
Die Ballack-Euphorie ist ein reines Medienproblem, die gerne Helden aufbauen um sie dann wieder fallen zu lassen.
Ballack ist mit Sicherheit ein hervorragender Spieler. Aber man darf nach dem Serbien-Spiel eines nicht vergessen: Die anderen waren im Trainingslager und Ballack nicht. Ballack ist im Prinzip ausgeruht angereist.
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