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21. Juni 2008, 08:57 Uhr

Netzer verbreitet Angst und Schrecken

Natürlich verzeiht man einem moderierenden Fußballer wie Günter Netzer die ständigen "ähs". Aber müssen denn gleich Herden von Phrasenschweinen durchs Dorf getrieben werden? Unabhängig davon, wie die EM für das DFB-Team ausgeht - Netzers Kommentare spielen nur im Mittelfeld. Von Michael Rossié

"Ballack hat sich weiterentwickelt, indem er jetzt auch anfängt zu sprechen": Günter Netzer© Kai-Uwe Knoth/AP

Das Vereinslokal von Borussia Mönchengladbach war gleich bei meinen Eltern um die Ecke, und außer auf dem Spielfeld konnte ich Günter Netzer immer dabei beobachten, wie er Berge von Spaghetti mampfte und wortlos mit großen Augen die Fernsehserie "Bezaubernde Jeannie" sah. Seitdem ist viel passiert. Heute verdient Günter Netzer sein Geld damit, dass er redet.

"Deutsche Tugenden haben wir noch am besten. Und damit verbreiten wir Angst und Schrecken." sagte Experte Netzer nach dem Spiel gegen Portugal. Das ist doch ein beherzter Satz. So griffig ist es nicht immer. "Er hat eine Mannschaft, die eine Mischung bedeutet aus sehr, sehr jungen Leuten." Da verstehe ich nicht so genau, was da gemischt sein soll. "Ribéry zwingt niemanden, ins zweite Glied zu steigen." Das verstehe ich, aber ehrlich gesagt hätte ich das von Ribery auch nicht erwartet, das tut doch weh.

Herden von Phrasenschweinen durchs Dorf getrieben

Natürlich verzeiht man einem moderierenden Fußballer die ständigen "ähs" oder dass er das Wort technich nicht aussprechen kann. Aber müssen denn gleich Herden von Phrasenschweinen durchs Dorf getrieben werden? "Die Torverwertung ist schlecht gewesen." oder "Er hat zu wenige Tore geschossen. Er war zu wenig aussagekräftig in dieser Richtung." So redet man, wenn man nach Minuten bezahlt wird. Ständig wird von "Spielermaterial" gesprochen, Spieler sind "wichtige Personalien", da wird "nach vorne operiert" und kein Satz ohne "lauffreudig" und "einsatzfreudig". Ergänzt immer von Herrn Delling, der das jetzt "sagen muss" oder "ehrlich sagen muss". Der Rest scheint also gelogen zu sein. Wie zum Beispiel, dass "die Rumänen die Italiener einschläfern". Das hat wohl die Polizei verhindert. Aber dass die Schweden "am Kopf von Ibrahimovic hängen", kann ich mir trotzdem nicht vorstellen. Einmal war es regelrecht anti-deutsch: "Da wird Lahm Gott sei Dank niedergestreckt." Gut, dass Fußballer nicht mit Pistolen schießen. Manchmal liegt er auch nur daneben: "Die Deutschen sollen sich nicht so viel um die Kroaten kümmern." Prompt haben wir gegen die Kroaten verloren. Die Mannschaft hat seine Sätze einfach ernst genom-men. Das sollte man nicht tun.

Aber Netzers Beobachtungsgabe ist wirklich bemerkenswert. Nach dem Sieg über Österreich hat er "eine Erleichterung festgestellt." Dazu braucht man den großen Strategen. Oder: "Die Gefahr ist groß, dass eine der drei Mannschaften die Gruppe nicht übersteht." Wenn zwei Mannschaften pro Gruppe weiterkommen, ist das eine völlig richtige Einschätzung. "Solange es 0:0 steht, kann immer etwas passieren." Der Mann ist Klasse. "Es ist unsere große Aufgabe, das Spiel siegreich zu gestalten." Schön gesagt, oder? Jedes Wort tausend Euro. "Der Ball läuft von Natur an schon." Nicht ganz so schön gesagt, aber wir wissen ja, was er meint. "Da ist sehr viel passiert, personeller Natur." So spricht man, wenn man modern sein will. "Wir müssen den Weg nach vorne wählen."

Fließende Bewegungen von vorne nach hinten

"Da müssen fließende Bewegungen von vorne nach hinten und umgekehrt stattfinden." Das war mir bisher neu. "Die deutsche Mannschaft hat sich einen schlechten Dienst erwiesen, indem Gomez die Torchance nicht genutzt hat." Das ist jetzt wieder klar, und so richtig.

Dabei ist Netzer ganz konkret: "Sie haben es nicht geschafft, ihr Spiel in die modernen Gegebenheiten umzusetzen." Denken Sie ruhig ein wenig darüber nach. Aber besser kann das ein anderer Fußballer auch nicht sagen. "Wenn man die Portugiesen Fußball spielen lässt, gerät man in einen fürchterlichen Nachteil." Wir wissen bald auch schon welchen: "Wenn die deutsche Mannschaft in der Vorrunde ausscheidet, muss das irgendwelche Folgen haben." Hätten Sie das gewusst?

Kommentare garniert mit verbalen Stolperern

Die Kommentare werden dann garniert mit ein paar hübschen verbalen Stolperern. Da ist die Überraschung "faustdick", nicht die Lüge, da "bordet die Enttäuschung über", da sind "Spiele an der Zeit vorbeigegangen" (die haben sich einfach verlaufen), und "Sie haben sich mit dem eigenen Schopf gezogen." (so kommt man schneller vorwärts). Doch die Krone gebührt Herrn Rehhagel, denn "Otto hat in einer völlig anderen Sprache Erfolge geleistet."

Ich hab eine Menge Dinge erfahren, die ich noch nicht wusste. Der schwedische Trainer "hat immer Mannschaften, die über 90 Minuten gehen können." Das hat mich sehr beruhigt. Dafür hat mich folgender Satz regelrecht erschreckt: "Die Schiedsrichter sind im Regelwerk gefangen." Die müssen wir unbedingt befreien. Aber es gibt auch sehr Erfreuliches: "Ballack hat sich weiterentwickelt, indem er jetzt auch anfängt zu sprechen." Gratulation! Da wächst ein neuer Kommentator für die ARD heran.

Unabhängig davon, wie die EM für die Deutsche Mannschaft ausgeht, was die Kommentare zum Fußball in der ARD angeht, spielen wir nur im Mittelfeld. Was Herr Netzer über Ballack sagt, gilt auch für ihn. Ich wünsche mir Günter Netzer "ausgeprägter".

Von Michael Rossié
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
heiner5362 (23.06.2008, 18:28 Uhr)
haubdschuhle
wenn über"haubd".
brauchen diese typen geld ?? und sind in der richtigen partei ??
ob ard oder zdf, solche "kommentatoren" kriegen auch noch reales GELD für ihr niederstes dummgesülze.
wenn ich mal an demenz erkranken sollte wie netzer will ich auch knete sehen, pronto.
stepp-hahn (23.06.2008, 15:51 Uhr)
Die vielen Zeilen,
die gefüllt sein wollen! Dieser Online-Artikel ist überflüssig. Kann der werte Redakteur seine Schreibübungen bitte vorher einer Qualitätskontrolle unterziehen?
Bunsenbrenner (23.06.2008, 05:37 Uhr)
jaja die Chefsemantiker wieder...
Ich fnde jedenfalls die Kommentare deutscher Moderatoren (auch von Netzer und Delling) WESENTLICH besser als den Kram, den ich mir jetzt anhören muss, seitdem ich in den USA wohne. Leute, ihr wisst nicht, wie gut ihr es habt. Aber immer schön weiternörgeln, darin sind wir -denke ich -wirklich unbestritten nicht nur Europa-, sondern Weltmeister.
muemmelfrau (22.06.2008, 11:54 Uhr)
hallöchen !?!
>> EM-Fernsehkritik
Taurusfunk (22.06.2008, 11:28 Uhr)
Die
Berichte des Stern über die EM sind auch nicht gerade Pulitzer-Preis verdächtig.
Deshalb einfach mal den Ball flach halten.
flyingfree (22.06.2008, 09:41 Uhr)
Köstlich
Das ist ja unterhaltsamer als
"Neues aus der Anstalt"...
BreadMan (22.06.2008, 06:10 Uhr)
Andersherum wird ein Schuh draus...
...würde Netzer wirklich soviel vom Fußball spielen verstehen, warum verdient er sein Geld als Quatschpuppe in der ARD statt als Trainer von Ajax, Real oder auf der Insel? Nur weil einer ein -unbestritten- guter Fußballer war, heißt das doch noch lange nicht, dass er deswegen automatisch ein guter, eloquenter Kommentator ist. Mir gehen Delling und Netzer auf den Senkel, dieses, einem alten Ehepaar würdige Geschnackel und Gesülze. Wie schon einer schrieb: Zum Spiel rein, zum Ende raus aus dem Programm. Die Kommentatoren der Spiele selbst - naja, muss man wohl in Kauf nehmen, will man nicht auf ein stilles Fernsehbild schauen. Wobei es sicherlich auch spannend ist, das Spiel mit klassischer Musik zu begleiten. Also: Delling&Netzer in die Mottenkiste, laßt mal andere ran ;-)
heinzbecker007 (21.06.2008, 21:57 Uhr)
Setzen "6"
Der Artikel von Michael Rossié ist so überflüssig wie ein Kropf. Der Schreiber ist wohl Germanist und verwechselt das Kommentieren eines Fußballspiels mit der Erstellung eines Aufsatzes. Warum läß man solche Leute hier und zum Thema Fußball Artikel schreiben? Mein Vorschlag wäre Thema verfehlt und setzen "6".
ruby_tuesday (21.06.2008, 20:28 Uhr)
Starker Tobak
Ich (54) habe selber die Spieler als Bub gesehen und bewundert. - Und ich habe sie bis heute nicht vergessen. Insbesondere nicht, was sie damals für Deutschland geleistet hat.
Es ist für mich hammerhart, dass diese Leistungen (auch bei Günther Netzer) plötzlich beiseite geschoben werden und der Redakteur sich nur noch über eben diese Sportler lustig macht. Fragen Sie sich doch mal selber: Habe ich mich nie versprochen - keine Fehler gemacht ?
Ich finde unsere "älteren Sportler" haben etwas mehr Respekt verdient.
Im Übrigen ist es wohl hinreichend bekannt, dass jeder Mensch seine Schwächen und Macken hat.
Fassen Sie sich doch mal an Ihre eigene Nase.
kuki83 (21.06.2008, 15:58 Uhr)
Ein letztes Mal...
werde ich mich hier zu dieser Rubrik äußern. Schon bei der völlig unnötigen und zugleich überzogenen Kritik an Urs Meier habe ich mich vor kurzem schon aufgeregt und meine Meinung hier abgegeben. Die Stern-Seite ist wirklich sehr gut und ich lese sie täglich. Doch diese Rubrik werde ich nicht mehr anklicken. Was hier einzig und allein verfolgt wird, sind viele Leserkommentare. Hier wird versucht den Leser mit schlechten, nein total schlechten, Artikeln zu locken, nein wieder das falsche Wort, zu provozieren, damit er auch ja einen Kommentar abgibt. Bisher gut aufgegangen. Jetzt ist aber Schluss! Hier in dieser Rubrik gebe ich keine Kommentare mehr ab!
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