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17. Juni 2008, 00:23 Uhr

Langes Leiden mit Tribünenplatz

Es war die 41. Minute der Partie zwischen Deutschland und Österreich, als Bundestrainer Joachim Löw eine neue Perspektive verordnet bekam. Löw erhielt zusammen mit Österreich-Coach Joseph Hickersberger die Rote Karte und wurde auf die Tribüne verbannt. Jetzt droht eine Sperre.

Joachim Löw musste die gesamte zweite Halbzeit von der Tribüne aus betrachten© Oliver Lang / ddp

Nach dem Feldverweis spendete Kanzlerin Angela Merkel Joachim Löw den ersten Trost - doch für die Erlösung des Bundestrainers sorgte erst Michael Ballack. Beim Stand von 0:0 wurde Löw beim EM-Gruppenfinale um den Einzug ins Viertelfinale in der 41. Minute gemeinsam mit Österreichs Coach Josef Hickersberger auf die Tribüne verbannt. Acht Minuten später durfte er in den Armen von Bastian Schweinsteiger aus ungewohnter Ferne, aber umso überschwänglicher über das so wichtige 1:0 durch den Freistoß seines Kapitäns jubeln. Zwar hatte das Spiel gegen Österreich durch das 1:0 (0:0) letztlich ein glückliches Ende für Löw, aber lange Leiden wie die mehr als 45 Minuten im Ehrengast-Bereich hätte sich der 48- Jährige in seinem 25. Länderspiel als Chef gerne erspart.

Erhitzt hatten sich die Gemüter der beiden als besonnen bekannten Trainer im Wiener Ernst-Happel-Stadion kurz vor der Pause nach einem Foul an Per Mertesacker im deutschen Strafraum. Schiedsrichter Manuel Enrique Mejuto Gonzales fühlte sich durch die beiden gestört, die beiden Trainer ihrerseits sahen sich in der Ausübung ihrer Arbeit als Coach behindert. "Wir sind Trainer und haben das Recht, Anweisungen zu geben. Wir müssen in unserer Coaching-Zone arbeiten können. Ich habe die Coaching-Zone nicht verlassen", sagte Löw, dem nach Auskunft eines UEFA-Offiziellen eine Sperre droht.

Vermeintliches Schicksalsspiel

Alle Diskussionen mit dem Spanier und Damir Skomina aus Slowenien als viertem Offiziellen halfen nichts - beide Trainer mussten zum ersten Mal in ihrer Nationalmannschafts-Karriere auf die ungeliebten Sitzplätze hinter der Bank. Nach dem Feldverweis schnappte sich Löw sein Sakko, eine Plastikflasche segelte noch über den Rasen, dann geleitete ihn Teammanager Oliver Bierhoff auf die Tribüne, wo Löw beim 1:0 auch von Boris Becker abgeklatscht wurde.

Löw war bereits vor dem Anpfiff die Wichtigkeit des Spiels, das er selbst zur nationalen Verpflichtung für sich und die Mannschaft erklärt hatte, ins Gesicht geschrieben. Spätestens als sich die Fotografenschar vor ihm aufbaute, dürfte dem Freiburger noch einmal klar geworden sein, dass es an diesem Abend nicht nur um den Einzug beider Teams ins Viertelfinale ging. Es ging ein Stück auch um die eigene Zukunft, das gesamte Unternehmen Löw stand auf der Kippe - das zumindest ist nun ausgeräumt. Den Schleudersitz hat der 48-Jährige verlassen. Dass er die Trainerbank allerdings an diesem Abend mit einem Tribünenplatz tauschen musste, hätte er nicht gedacht.

Für seinen Chef übernahm Hansi Flick an der Linie das Kommando; zu Löws Glück mit Erfolg. Denn insgesamt dreimal war das DFB-Team bisher in EM-Vorrunden gescheitert, für Jupp Derwall (1984), Erich Ribbeck (2000) und zuletzt Rudi Völler (2004) war danach jeweils Schluss. Das Aus auf der Ehrentribüne blieb Löw, der noch einen Vertrag bis zur WM 2010 beim DFB hat, erspart.

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Iphitos (17.06.2008, 13:14 Uhr)
Habs schon woanders geschrieben...
Der Schiri des AUS:GER Spiels hat mehr als nur diese eine Fehlentscheidung getroffen und das Spiel streckenweise unnötig hart werden lassen.
Aber bei dieser WM sind die Fehlentscheidungen der Schiris in beinahe jedem Spiel ja schon legendär.
Ich weiß auch garnicht, warum hier einige rumpoltern, dass Löw sich in irgendeiner Weise inakzeptabel verhalten hätte oder einen schlechten Job als Trainer macht. Offenbar meinen diese Leute einen anderen Löw als unseren Nationaltrainer. Es mag ja sein, dass diese Kasperle eine andere Meinung zur besten Aufstellung unserer Elf haben - steht ihnen frei - aber es ist halt nunmal so, dass diese Meinung eine von vielen tausenden ist und in keinster Weise als die korrekte anzusehen (und in besagten zwei Fällen nichtmal als beachtenswert, wenn ich mir die getroffene Wortwahl anschaue). Fakt ist nunmal, der Trainer ist derjenige, der die Aufstellung macht und bis dato hat er es immerhin geschafft, die Mannschaft ins Viertelfinale zu bringen mit seiner Aufstellung. Die Art und Weise zählt (wie meist bei den deutschen EM/WM-Teilnahmen) erstmal nur wenig, sondern das Ergebnis.
Sicher hätten viele eine deutlich andere Aufstellung (vor allem im Surm) gewählt - das ist schön für sie... nur gings so halt auch.
Aber ich mach den beiden Kasperle vom Anfang ja gar keinen Vorwurf. Der eine scheint mir eher Polemiker zu sein und der andere ist so oder so eher nen Lacher wert :)
loyal (17.06.2008, 11:39 Uhr)
Die lieben Deutschen...

Nur Gemecker. Ich kann es ehrlich nicht mehr hören. Alle doof, außer Mutti.
In meinem Umfeld gestern genau so. Alle über Lehmann geschimpft, wie die Rohrspatzen. Bei der WM noch der gefeierte Elfmeter Held. Und wetten, alle haben in wieder furchtbar lieb, wenn er beim nächsten Mal auch wieder Elfer hält?
Verwette ich ja meinen Dicken Arsch...
...........................
Bürger wehren sich:
http://www.buerger-handeln.de
Crusher (17.06.2008, 10:01 Uhr)
So lange...
nicht GENAU bekannt ist was die beiden Herren denn nun so auf die Palme gebracht hat, sollte man sich auch kein Urteil bilden.
Der Schiri war ein Blindfisch bzw. zu Lasch in der Bestrafung.
Bin beim zugucken ja schon teilweise aus der Hose gesprungen.
@ Dudu - das die Kameras vorwiegend Bilder von Löw einfangen in denen er nach dieser Situation diskutiert. Ist ja wohl klar. Man muss ja das Interesse der Zuschauer wecken *was die da wohl reden*
Der wird nicht die ganze zweite Halbzeit desinteressiert da gesessen haben.
Freuen wir uns auf das nächste Spiel.
mister-mister (17.06.2008, 09:36 Uhr)
@wpointmeier
.
Nehmen Sie mir's nicht übel - aber ein Crashkurs in Elementar-Deutsch würde Ihnen mehr als guttun.
Dudu (17.06.2008, 09:05 Uhr)
Das Spiel
scheint Herrn Löw gar nicht interessiert zu haben.
Mich irritiert viel mehr, als der Verweis auf die Tribüne, das weitere Verhalten unseres Nationaltrainers. Hier ein abklatschen, da ein Schwätzchen mit der Kanzlerin, Bum-Bum-Boris und alles was da sonst noch so rumläuft. Das Spiel interessierte offenbar nur am Rande. Genau diese Einstellung hat man auch auf dem Spielfeld gesehen.
Herr Löw, was ist los mit ihnen? Wo bleibt der Biss, Spaß ist wichtig, aber hier geht es um eine EM.
leobissinger (17.06.2008, 08:21 Uhr)
@gammel
habe elbst nie erfolgreich fußball gespielt und deswegen kein experte, aber sie scheinen viel erfahrung im raudau-machen zu haben.
Eine stolze wortakrobatik und so sachlich ...
screne (17.06.2008, 08:02 Uhr)
@wpointmeier & gammel77
Wer hier wohl ein Bauerntrampel ist... LOL. Ihr seid doch Dummschwätzer.
mister-mister (17.06.2008, 07:57 Uhr)
@gammel77
Man muß ja keine Ahnung haben - eine Meinung genügt oft schon. Nicht wahr?? Dummes Geschwätz.
Svenson (17.06.2008, 07:12 Uhr)
Viel trauriger...
...finde ich das grauenhafte Deutsch, dass hier einige Kommentatoren an den Tag legen!!
wpointmeier (17.06.2008, 02:05 Uhr)
langes Leiden.
ich moechte gerne wissen warum Herr Löw
in der deutschen Presse solche Narren
Freiheit geniest. Sein managerial Können , sowie sein Benehmen auf der Bank sind unakzeptabel , die Presse jedoch schreibt kaum ein schräges Wort daüber. Seine Erklärung , er hätte lediglich seinen Job als Trainer getan ist bestenfalls lachhaft. Eine Nachfrage beim vierten Schiedrichter würde höchstwahrscheinlich eine andere Erklärung geben. Was seine Mannschafts Aufstellung gegen Oestereich betrifft , ist Bezirksliga reif. Meine Entschuldigung zu deren Trainers.
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