. .
News am 27.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
30. Juni 2008, 12:06 Uhr

Erfolg überdeckt die Schwachpunkte

Die deutsche Nationalmannschaft ist Vize-Europameister. Auf den ersten Blick ein Erfolg, der sich sehen lässt. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass das nackte Ergebnis vieles übertüncht. Denn das deutsche System offenbarte im Turnierverlauf einige eklatante Schwächen. Eine Fehleranalyse von Jens Fischer

Die Enttäuschung nach dem Finale war bei den Deutschen groß - aber mehr war gegen die starken Spanier einfach nicht drin© Matt Dunham/AP

Gezeichnet stand er da, der Mann, dessen Wade vor dem EM-Finale die gesamte Nation in helle Aufruhr versetzt hatte. Michael Ballack war rat- und emotionslos, er wollte einfach nicht verstehen, warum er zum x-ten Male an einem Titel vorbei geschrammt war. Und dann sagte er einen Satz, der einen Tag nach der verdienten Final-Pleite gegen die übermächtigen Spanier die ganze Misere der deutschen Nationalmannschaft ausdrückt: "Die Mannschaft hat im Großen und Ganzen eine großartige EM gespielt."

Ballacks Meinung besitzt exklusiven Charakter. Sicher ist es der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gelungen, die deutschen Fans über drei Wochen in emotionale Ausnahmezustände zu versetzen. Wie immer hat das Volk gelitten, wie immer hat das "deutsche" Kraftwerk geächzt und gestöhnt und so manchen Gegner mit rustikalen Mitteln in die Schranken gewiesen. Nur: Spielerisch - die Sternstunde Portugal ausgenommen - lief bei der deutschen Nationalmannschaft über den gesamten Turnierverlauf nicht viel zusammen. Und das hatte Gründe.

1.) Mangelnde Kreativität

Es war der 16. Mai, als der Bundestrainer seine Auserwählten für die EM-Endrunde bekannt gab. Mit dabei: Patrick Helmes und Marko Marin, zwei junge Spieler, die besonders im technischen Bereich ihre Stärken haben. Nach dem Trainingslager auf Mallorca wurden beide von Löw auf Grund mangelnder Erfahrung aussortiert, stattdessen entschied er sich für die "WM-Helden" David Odonkor und Oliver Neuville. Im Nachhinein ein Fehler. Denn in allen Spielen wurde deutlich: Es fehlte der deutschen Mannschaft an Kreativität und Genialität.

Spielerische Qualität - für die Helmes und Marin eventuell hätten sorgen können - blitzte lediglich gegen die schwachen Polen auf, aber dieser Gegner hatte sicher kein internationales Top-Format. Ansonsten blieb vieles Stückwerk. Selbst beim viel umjubelten Sieg gegen die Portugiesen waren es in erster Linie die Standards, die den Erfolg brachten. Ansonsten gab es vorzugsweise die Kombination "Podolski über Außen, Schweinsteiger in der Mitte" - viel zu wenig, um auch spielerisch Glanzlichter zu setzen. Auf Akteure, die hier Abhilfe hätten schaffen können, verzichtete Löw. Zudem versauerten Borowski und Trochowski auf der Bank.

2.) Taktischer Starrsinn

In der Vorrunde war es gegen leichte Gegner sicher richtig auf das altbewährte System mit zwei Stürmern zu vertrauen. Und die spielstarken Portugiesen mit einem kompakten Defensiv-Konzept zu bekämpfen machte auch Sinn. Aber schon im Halbfinale gegen ersatzgeschwächte Türken wartete man vergeblich auf die notwendigen spielerischen Impulse aus dem zentralen Mittelfeld, die Stürmer hingen in der Luft. Noch frappierender im Finale gegen Spanien: Als es eng wurde, brachte Löw mit dem erschreckend schwachen Kevin Kuranyi und dem indisponierten Mario Gomez zwar zwei frische Angreifer, das entscheidende Manko blieb davon aber unberührt.

Warum Löw mit Borowski und auch Trochowski zwei Spieler gänzlich ignorierte, die den berühmten genialen Pass in die Spitze durchaus spielen können, wird sein Geheimnis bleiben. So hing wieder einmal alles an Ballack, der auch alles versuchte, aber in der so wichtigen Mitte zumeist völlig auf sich alleine gestellt war. Kreative Unterstützung suchte er vergeblich - Spieler wie Frings, Rolfes oder Hitzlsperger agierten tapfer, aber das leider nur in der eigenen Hälfte. Speziell Schweinsteiger wirkte auf der Außenbahn des Öfteren verschenkt.

3.) Unsichere Defensive

Die Befürchtungen vor dem Turnier wurden sogar noch übertroffen. Die deutsche Innenverteidigung spielte in der Summe eine grauenvolle Europameisterschaft. Von Christoph Metzelder war wegen der langen Verletzungspause im Vorfeld nicht mehr zu erwarten, aber dass Per Mertesacker teilweise völlig neben sich stand und seine vorhandene Klasse nie abrufen konnte - damit war nicht zu rechnen. Beide werden in den kommenden Tagen alleine beim Gedanken an Fernando Torres ins Schwitzen geraten, der spanische Torjäger machte im Finale mit beiden, was er wollte. Fehlende Schnelligkeit, mangelnde Technik und schwaches Stellungsspiel - die Mängel-Liste von Mertesacker und Metzelder ist lang.

Aber auch auf den defensiven Außen taten sich eklatante Schwächen auf. So wurde Philipp Lahm zwar über das gesamte Turnier von den Verantwortlichen in den höchsten Tönen gelobt, seine entscheidenden Patzer waren aber mehr als offensichtlich. Gegen die Türkei machte er beim späten Ausgleich eine mehr als unglückliche Figur und der entscheidende Treffer im Finale geht im Zusammenspiel mit Jens Lehmann ebenfalls auf sein Konto.

Auf der anderen Seite sah es nicht besser aus. Arnie Friedrich spielte, was er kann: Hinten solide, nach vorne extrem limitiert in seinen technischen Fähigkeiten. Viel zu wenig für einen Außenverteidiger moderner Prägung. Bei Jansen war genau das Gegenteil der Fall: Nach vorne wild und aggressiv, dafür defensiv - speziell gegen Kroatien - ein Total-Ausfall. Und auch Torwart-Oldie Jens Lehmann leistete sich einige Patzer, allerdings wäre ohne ihn die Niederlage gegen Spanien sicher höher ausgefallen.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
Tendina (01.07.2008, 10:19 Uhr)
Nicht Lahm, aber Metzelder
Stimme weitgehend der Analyse zu. Ausnahme: Lahm verschuldet den Treffer der Spanier. Einfach mal die Entwicklung anschauen. Wo steht Metzelder als Torres angespielt wird? Als er seinen Fehler bemerkt läuft er kurz an um danach abzubremsen und zuzusehen wie sich Lehmann und Lahm um Torres kümmern. Ein mitdenkender Verteidiger wäre durchgelaufen um das vom Torwart verlassene Tor abzuschirmen. Meine Meinung: er hätte den relativ schwach geschossenen Ball von Torres noch erreichen können.
Wie beurteilte der Trainer Schuster seinen Spieler Metzelder: Er ist zu langsam! Genau das haben wir gesehen. Gab es wirklich keine Alternative?
Im Übrigen: Auch der Kapitän der Mannschaft darf ausgewechselt werden, da sollte es kein Tabu geben.
Gallagher (01.07.2008, 08:24 Uhr)
Vortreffliche Analyse!!!
Vielleicht sollte Joachim Löw und sein Team nicht so oft den DSF-Stammtisch gucken, da quasseln die ganzen Experten um die Schnapsdrossel Lattek pausenlos von deutschen Tugenden.
Die sollen endlich wieder Fußball spielen, wie es ja zeitweise in den zurückliegenden zwei Jahren, während der EM-Quali gezeigt wurde.
Außerdem ist der Job des Bundestrainers ja pippieinfach. Immer nur die aktuell besten Fußballer ins Team holen. Und die Nationalelf nicht als Geriatrie für für angehende Rekonvalezenten mißbrauchen.
leobissinger (01.07.2008, 08:23 Uhr)
wunden lecken ist was schönes ...
@missbeazley
sie treffen den nagel auf den kopf.
Man war im endspiel und hat verloren.
Aber es war das finale- ey leute. Es gibt nicht nur hyperexorbtantgalaktisch gut sondern es gibt auch immer einen zweiten. Nach dem geschreibe hier müsste sich jeder das leben neben, der mal zweiter geworden ist,- vielleicht aber gäbs dann weniger gejammer ?
missbeazley (01.07.2008, 08:15 Uhr)
mal nachdenken
Holland hätte jederzeit Weltklassespieler von der Bank einsetzen können? Komisch, dass die Mannschaft dann so früh nach Hause fahren musste.
Das ist typisch deutsch: Die eigene Mannschaft steht im Endspiel, gelobt werden die breits längst ausgeschiedenen Gegner. Irgendwie shizo.
leobissinger (01.07.2008, 08:08 Uhr)
artikel sagt nichts ....
...neues, denn das haben wir selbst im TV sehen können.
Ansonsten jammer, jammer jammer in jeder zeile.
Es gibt wohl nur erstklassige leistungen zu bejubeln und der 2. ist der looser, so wie alle anderen, die bereits ausgeschieden sind.
Diese denkweise ist in ihre einfachheit nicht mehr zu unterbieten.
Für den schreiber gilt, wie für viele jammerer im schwarz-rot-goldenen land,- das glas ist halb leer,- für mich und zum glück viele andere, ist es halbvoll.
In anbetrtacht der spielerischen qualitäten das finale zu erreichen ist doch fantastisch.
Wie in anderen sportarten auch, kann der trainer nur mit den vorhandenen sportlern und talenten auskommen.
Vieviele weltklasse spieler hat der autor diese artikel bereits gezeugt?
Wenn er bevölkerungspolitisch in diesem punkt noch nichts beigetragen hat sollte er besser schweigen.
Leo
Napoletano (01.07.2008, 07:57 Uhr)
Überbewertete Leistung
Gebe big_one vollkommen recht!
man war hier schon vor dem eurostart europameister...jetzt kam die Quittung.
Meiner Meinung nach wird die Leistung der Deutschen Elf völlig überbewertet.
Wenn wir mal ehrlich sind ist deutshcland doch mich ach und krach ins finale gekommen. in der Vorrunde hatte man nicht wirklich Wahnsinnsgegner, hat aber trotzdem gegen Kroatien verloren. Im Viertelfinale nutze man die wenigen Chancen die man hatte durch standards und hatte auch noch Glück das man zur richtigen Zeit das 3:1 geschossen hat. Vom halbfinale brauchen wir garnicht reden, da waren uns selbst die B-Elf der Türkei überlegen, aber wieder war Fortuna auf Deutscher Seite. Im Finale jedoch hat man ganz klar gesehen was passiert wenn Deutschland auf eine Topmannschaft trifft. Sie versagen auf ganzer Linie
MrFreelancer (30.06.2008, 22:27 Uhr)
Synergien
Ich kann mich da ollie68 nur anschließen.
Ich glaube mittlerweile ebenfalls, dass die Erwartungen hier stellenweise wirklichen einen Ticken zu hoch sind.
Die deutsche NM hat nun mal ihren eigenen Stil.
Der sich völlig von dem unterscheidet, was sonst noch so in Europa oder auch weltweit gespielt wird. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass die Presse den Türken "deutsche Tugenden und Qualitäten" unterstellt hat mit denen sie sich bis ins Halbfinale gewurschtelt haben. ;o)
Und Hand aufs Herz: Haben die Türken wirklichen einen guten Fußball gespielt oder sich nicht nur über den Kampf vom ein ins andere Spiel gebracht? Mal kurz überlegen ;o)
Und was wissen wir Aushilfs DFB Trainer denn wirklich von den einzelnen Spieler und deren Wichtigkeit für die Mannschaft?
Hat Metzelder überragend gespielt? Nö, bei oberflächlicher Betrachtung wohl eher weniger. Aber können wir, die wir dummerweise nicht aufgestellt wurden, wirklich erkennen, welchen psychologischen Effekt seine Aufstellung mit sich bringt?!?! Ähnliches gilt für Ballack, Lehmann und so man anderen.
Es gibt -auch im Sport- nun Momente, da zählt nicht das subjektive Können (sonst wären wir gegen Portugal ausgeschieden), sondern die Stärke der Mannschaft. Wodurch diese sich auch immer auszeichnet.
Und ich glaube, dass die deutsche Mannschaft viel aus dem synergetischen Effekt des Mannschaftsgefüges zieht. Positives und leider auch Negatives. Eine deutsch Mannschaft steht und fällt mit der Gemeinschaft, nicht durch Einzelspieler die durch ihr Können besonders herausragen.
Das jedenfalls glaube ich erkannte zu haben......aber leider bin auch ich nur ein Aushilfs DFB Trainer...;o)
olli68 (30.06.2008, 21:39 Uhr)
Alles Versager?!
"alle anderen zeigten überwiegend schwache Leistungen bis hin zu Totalausfällen"...
Teilweise sind die Erwartungshaltungen hier schon recht hoch... Wird Deutschland nicht mit brasialianischer Spielfreude, perfektem holländischen Kurzpassspiel und englischem Einsatzwillen und dazu wenigstens 17:0 Toren Welt- und Europameister hintereinander, werden alle zu Totalversagern abgestempelt - eine typisch deutsche Mentalität, so zu denken. Mich haben sie wieder einmal eher positiv überrascht - besonders wie das Spiel Portugal mit Können und das Türkeispiel mit Glück über die Runde gebracht wurden.
Spiele von starken Mannschaften auf sind nun mal oft unansehnlich, weil sich die Kräfte auf hohem Niveau gegenseitig neutralisieren. Konnte man gestern auch wieder sehen.
Kurpfaelzer (30.06.2008, 21:27 Uhr)
Keine Auswahl
Mit dem Erreichen des Finales muß man zufrieden sein:Es gibt keine besseren Spieler als die Eingesetzten.Schlimmer noch:Es gibt keine anderen! Heute im "Kicker":Rangliste.Ergebnis Innenverteidiger:16 Spieler in der Rangliste, davon 5 Deutsche,darunter Wörns (36 Jahre),Wolf (Absteiger FCN),Arne Friedrich (in Nationalelf Außenverteidiger.Der Rest Ausländer.Da muß ein Metzelder spielen, es gibt keinen anderen!Schade, aber wahr!
Pijey (30.06.2008, 20:59 Uhr)
Fehler koregieren..
...gemaint war Polen, nach 3 Min. bei Lehmann.
Aber so gesehen sind ja viele dabei gewesen die besser zu Hause geblieben wären.
MEHR ZUM ARTIKEL
EM-Finale Genialität schlägt Simplizität

Anderthalb gute Spiele reichen eben doch nicht aus, um Europameister zu werden. Der deutschen Nationalmannschaft wurden von den Spaniern klar die Grenzen aufgezeigt. Brutal und schonungslos legten Torres und Co. die Schwächen offen. Mehr als das altbewährte Hauen und Stechen kam nicht. mehr...

EM-Finale Spanien auf dem Gipfel

Die Spanier sind Europameister. Die deutsche Nationalmannschaft verlor verdient und nach enttäuschender Leistung gegen einen Gegner, der das EM-Finale über 90 Minuten im Griff hatte. Michael Ballack wirkte gehemmt, sein Einsatz hat sich nicht ausgezahlt. mehr...

Michael Ballack Der Vize-Fluch geht weiter

Wieder kein großer Titel für den ewigen Zweiten. 39 Tage nach dem tränenreichen Champions-League-Endspiel hat Michael Ballack seine große Sehnsucht nach dem ersten internationalen Pokal auch bei der Europameisterschaft nicht stillen können. mehr...

Kommentar Zu schwach für den Titel

Verdiente Niederlage nach einem schwachen Finale. Die deutsche Mannschaft war gegen die Spanier klar unterlegen. Insgesamt war die gezeigte Leistung zu wenig - und zwar im gesamten Turnierverlauf. mehr...

EM-Fernsehkritik, Tag 21 Leider kein Tonausfall bei Tom Bartels

Was kann Tom Bartels für die Niederlage der deutschen Mannschaft im EM-Finale gegen Spanien? Natürlich nichts. Aber seit wann ist schlechte Laune gerecht? Szenen eines Fußballabends, der einfach keinen Spaß machen wollte. mehr...