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18. Juni 2008, 15:27 Uhr

"Frings ist ein harter Kerl"

Kann Torsten Frings trotz seines Rippenbruchs morgen im Viertelfinale gegen Portugal spielen? stern.de sprach mit dem HSV-Arzt Oliver Dierk über Chancen und Risiken eines Einsatzes. Der HSV-Handballer Bertrand Gilles spielte mit der schmerzhaften Verletzung - mit Brustpanzer und Schmerztabletten.

Torsten Frings im Spiel gegen Österreich: Wettlauf gegen die Zeit© Dominic Ebenbichler/Reuters

Kann ein Sportler mit gebrochenen Rippen spielen? Das kann man leider nicht pauschal beantworten. Im Grunde ist alles ein Wettlauf gegen die Zeit – und das ist bei einem so engen Turnier wie der Europameisterschaft natürlich fatal. Ein Rippenbruch bedeutet für den Sportler enorme Schmerzen. Das heißt, der Körper muss ein paar Tage zur Ruhe kommen, bis er wieder einsetzbar ist. Und währenddessen verrinnt natürlich die Zeit.

Bei Betrand Gille lagen zehn Tage zwischen der Verletzung und seinem ersten Spiel, bei Torsten Frings wären es drei. Wie wahrscheinlich ist sein Einsatz?

Sie müssen verstehen, dass ich hier der Diagnose eines Kollegen nicht vorgreifen möchte, zumal ich den Patienten ja gar nicht gesehen habe. Aus der Erfahrung kann ich nur sagen: Es wird eng, wenn der Sportler sich drei Tage vorher die Rippe gebrochen hat. Richtig eng. Da ist man als Arzt mit all seinen Tricks trotzdem der Zeit ausgeliefert. Auch Bertrand Gille musste ein, zwei Spiele pausieren, bis wir ihn so weit hatten. Und dann spielt der Sportler noch lange nicht schmerzfrei! Torsten Frings ist ein harter Kerl, der wird versuchen zu beißen – aber drei Tage ist leider wirklich wenig Zeit.

Als Mediziner betreuen Sie ja beide Sportarten, Fußball und Handball. Stimmen sie der Aussage zu, dass Handballer ohnehin die härteren Sportler sind, deshalb auch eher bei Schmerzen auf die Zähen beißen?

Nein, dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich glaube, dass alle Sportler, die auf diesem Niveau spielen eine unheimlich hohe Schmerztoleranz mitbringen - neben großem Talent und meist noch größerem Ehrgeiz. Da geht niemand, auch kein Fußballspieler, nach dem Spiel ohne Schmerzen vom Feld.

Welche Möglichkeiten gäbe es denn für Torsten Frings, sollten die drei Tage wider Erwarten für ihn reichen?

So eine Verletzung ist immer eine Ausnahmesituation, deshalb muss man zuerst mit dem Sportler sprechen, inwieweit man Einfluss nehmen kann. Grundsätzlich bietet sich natürlich die Möglichkeit der Schmerzmittel im Rahmen der Anti-Doping-Richtlinien. Im Fall Bertrand Gille - einem Kreisläufer mit extrem vielen Körperkontakten im Spiel - habe ich zusätzlich einen Rippenprotektor anmodellieren lassen, so eine Art Schutzschild aus Kunststoff, der jeder einzelnen Rippenwölbungen angepasst und anschließend mit einem Tape fest angeklebt wird. Fußball ist von der körperlichen Belastung her natürlich ganz anders. Da geht es viel mehr ums Laufen.

Ein Rippenpanzer wäre da nicht sinnvoll?

Das muss man ausprobieren. So ein Schutzschild habe ich auch bei anderen Berufssportlern angewendet, bei Tänzern zum Beispiel oder Eishockeyspielern. Diese Art der Verletzung ist bei Sportlern ja nicht selten. Aber es gibt natürlich Athleten, die den Druck dieses Panzers nicht tolerieren, er bereitet ihnen nur Schmerzen, und dann ist so eine Maßnahme natürlich sinnlos. Bei Bertrand Gille hatten wir Glück, er hat den Druck ausgehalten.

Zum Schluss eine Frage an den Fußballfan und nicht den Sportmediziner – würden Sie sich wünschen, dass Torsten Frings im Viertelfinale dabei ist?

Keine Frage, natürlich wünsche ich mir das. Torsten Frings ist ein Ausnahmespieler. Welcher Fußballfan würde sich nicht wünschen, dass er im Viertelfinale dabei ist? Auf so einen Fußballer kann keine Mannschaft der Welt verzichten!

Interview: Iris Hellmuth
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
blendaxx (19.06.2008, 09:39 Uhr)
Frings muss raus !
so bitter die Pille auch schmeckt, aber Frings aufzustellen wäre fatal. Ohne der Gesundheitlichen Verantwortung vorzugreife, aber ich kann mir nicht vorstellen das er einen Gegenspieler mit voller Leistung abgrätscht, wenn er im selben Moment Höllenschmerzen erwarten darf.
Wir spielen im Viertelfinale der EM, da muss doch mind. ein "Ersatzmann" die Position ausfüllen können, egal auf welcher Position er in der Bundesliga spielt - da hat doch jeder noch aus seiner Jugenkarierre mehrer Positionen gelernt...
Im Vorfeld wurde laut propagiert das der 23 köpfige Kader komplett auf einer Leistungsebene steht, da kann es doch nicht sein das ein kaputter Frings spielen soll und 2-3 hochmotivierte Leute auf der Bank zugucken müssen.
Ich weiss nicht welche EM (Stockholm ?)das war, aber ich kann mich erinnern das in einem Spiel die komplette Torwartriege ausgefallen/angeschlagen war und in Erwägung gezogen wurde Dieter Eils ins Tor zu stellen - und das war ernst gemeint !
So muss das laufen ..... Oder mit einem geschichtsträchtigen Worten eines bekannten Kinoboxers: " Los,...schneit mir die Augen auf, Pauly !" ;-)
darkover1957 (19.06.2008, 08:08 Uhr)
@pillowystar
Ich sehe ziwschen Haare ondulieren und 90 Minuten Fussball spielen gegen eine portugiesische Mannschaft, die sicher gewinnen will, einen ganz kleinen Unterschied ;-)
Sollte Frings spielen, kann ich davor nur den Hut ziehen.
petermeyer (18.06.2008, 17:19 Uhr)
schwachsinn
jeder sportler weiß, mit verletzungen spielt man nicht...wer es trotzdem macht ist dumm und bringt damit eh keine höchstleistung und schadet damit auch der mannschaft.
dieses gequatsche , schmerzen aushalten und auf die zähne beißen -man ist ja ein richtiger kerl ist sowas von blöd.
mediziner die dazu raten sind naja ich verkneife mit hier eine üble wortwahl. letzlich gehts nur um kohle und nicht um die gesundheit der sportler.
letzens gabs doch eine studie wieviel fußballer tonnen von tabletten (antiobiotika )nehmen -erschütternd hohe prozentzahl.
chrgue (18.06.2008, 17:01 Uhr)
Vorsicht!
Wenn Frings mit einem "Brustpanzer" spielen sollte, wird er sicherlich nachträglich gesperrt und ein eventueller Sieg der Deutschen aberkannt. Berlusconi will schließlich nicht nochmal gegen Deutschland spielen
pillowystar (18.06.2008, 16:51 Uhr)
Ach unsere Ballettpueppchen....
.....reich ihm doch einer mal ein Tutu.
Meine 17-jaehrige Tochter hatte nach einem schweren Autounfall 3 Rippen sowie 2 Gesichtsknochen gebrochen, und hat sich keine 24 Std. spaeter die Haare gefoent und geglaettet.
Mich machen diese wehleidigen Moechte-Gern-Profis einfach nur krank.
endbenutzer (18.06.2008, 16:24 Uhr)
Und wenn Frings...
...nicht eingesetzt wird, ist das auch kein Weltuntergang. EM hin oder her: der Mann soll sich auskurieren. Fast liest sich der Artikel so, als solle Frings - egal wie - wieder zurechtgeschustert werden, nur damit er auf dem Platz steht.
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