Österreich versinkt nach dem Ausscheiden nicht in Fassungslosigkeit. Wie aber geht es weiter beim 92. der Fifa-Weltrangliste? Josef Hickersberger ist bereit, Teamchef der Österreicher zu bleiben, weil die Aufbauarbeit in der Alpenrepublik fortgeführt werden soll. stern.de beantwortet die wichtigen Fragen. Von Frank Hellmann, Stegersbach

Die Zukunft von Joseph Hickersberger ist weiter ungewiss - vieles spricht aber für einen Amt-Verbleib des österreichischen Trainers© Robert Zolles / REUTERS
Es war am Dienstag zur Mittagstunde das erste Mal, das Friedrich Stickler, der Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) im umfunktionierten Thermenpool des Hotels Larimar von Stegersbach im Scheinwerferlicht Platz nahm. Wenn ein Verbandsboss vor Teamchef Josef Hickersberger live im Fernsehen redet, muss Besonderes geschehen sein. Aber war es wirklich überraschend, dass sich Österreich genau wie die Schweiz von der Euro-Bühne nach der Vorrunde verabschiedet hat? Das war es nicht. Und das wusste Stickler auch in schöne Worte zu kleiden.
"Es tut weh und es ist eine Enttäuschung. Aber wir haben uns viel besser verkauft, als uns das viele zugetraut haben. Das Leben geht weiter und wir stehen wieder auf. Die EM kam für unsere entwicklungsfähige, junge Mannschaft ein, zwei Jahre zu früh." Und der ÖFB-Boss vergaß nicht an das Wesentliche der kommenden Tage zu erinnern: "Das Turnier geht weiter und wir wollen ein guter Gastgeber sein." Ab jetzt gelte das Motto: ein Land auf der Tribüne, reduziert auf die Zuschauerrolle. Dann grinste der Mann mit dem gut gebräunten Gesicht und dem sorgsam gekämmten grauen Haar.
Wer glaubt, da habe ein Funktionär nur wieder Worthülsen fernab der Wirklichkeit produziert, der irrt. Österreich geht wirklich mit erhobenem Haupt und einer Menge Stolz aus diesem Turnier. Erfreulich: Nach der Niederlage gegen Deutschland herrschte kein Wehklagen, kein Katzenjammer vor; gab es kein Nachtreten, kein Nachkatern. "Aus der Traum" titelte "Österreich", "Nur noch Gastgeber" klagte "Die Presse", "Ballacks Blattschuss trifft mitten ins Herz", fand der "Kurier", "Die Wunden von Wien", schrieb "Der Standard".
Aber es gab nichts Gehässiges, eher Gehaltvolles, gar mit hintergründigem Humor gewürzt. Die Nation ist Niederlagen gewohnt. Verlief die EM anders als erwartet? Ergebnistechnisch nicht: 0:1, 1:1, 0:1 – ein Elfmeter, ein Tor, ein Punkt. Kein Gastgeber einer EM war je schlechter als Österreich. Wer die rot-weiß-rote Bilanz auf diese – unumstößlichen - Fakten - reduziert, analysiert zu kurz. Denn die erfreulichen Tendenzen waren unverkennbar - in allen drei Spielen gegen Kroatien, gegen Polen und just gegen Deutschland hatte Österreich gute Chancen - vergab aber alle mehr schlecht als recht.