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3. Juni 2008, 19:10 Uhr

Lehmann pendelt zum Neckar

Nach langem Hin und Her ist es nun offiziell: Der deutsche Nationaltorhüter Jens Lehmann wechselt in der kommenden Saison zum VfB Stuttgart. Beide Seiten zeigten sich über den Vertragsabschluss hoch erfreut, über die Zukunft eines anderen Torwarts ist somit auch entschieden. Von Oliver Trust

Jens Lehmann wird bei der EM wahrscheinlich im deutschen Kasten stehen© Juergen Schwarz / ddp

Man mag es kaum glauben, wenn Stuttgarts Manager Horst Heldt sagt, der Transfer von Jens Lehmann sei einer der einfachsten gewesen. Nach vielen Tagen, an denen die deutsche Nummer eins die Schlagzeilen der Stuttgarter Zeitungen beherrschte, steht nun seit gestern Nachmittag fest: Der 38 Jahre alte Jens Lehmann wird in der kommenden Bundesligasaison im Tor der Schwaben spielen.

Er erhält beim VfB einen Vertrag über ein Jahr - ohne Option. Sein Gehalt soll bei rund 2,5 Millionen Euro liegen, die mit Prämien auf rund drei Millionen erhöht werden könnten. Lehmann kommt ablösefrei vom englischen Premier League Club FC Arsenal, der seinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte. Lehmann saß dort in der vergangenen Saison meist auf der Bank.

Was passiert mit Schäfer?

"So sind beide Seiten flexibel. Ein Jahr bedeutet ja nicht, dass er danach auf alle Fälle aufhört", sagte Heldt. "Wir sind froh, dass es mit der deutschen Nummer eins geklappt hat. Er kann einer Mannschaft viel geben, diese lenken und führen", so Heldt.

Die Entscheidung pro Lehmann bedeutet auch, dass sich die Stuttgarter mittelfristig auf ihren Amateurtorwart Sven Ulreich als Aufbau-Nachfolger von Lehmann festgelegt haben. Raphael Schäfer, der vor einem Jahr vom Pokalsieger 1. FC Nürnberg gekommen war, hat keine Zukunft mehr in Stuttgart und wird den Verein wohl verlassen. In seinem Fall wird hinter den Kulissen noch um ein Finanzkonzept gefeilscht.

Schwere Entscheidung

Nachdem sich Horst Heldt zusammen mit Klub-Direktor Jochen Schneider in der Nähe von Essen zum Abschlussgespräch getroffen hatte, "entschied der Familienrat" (Heldt) im Hause Lehmann. Heldt war zuvor einmal ins EM-Vorbereitungsquartier der DFB-Auswahl nach Mallorca gereist, um mit Lehmann zu sprechen. Dazu hatte Stuttgarts Trainer Armin Veh eine gute Dreiviertelstunde mit dem Nationalkeeper telefoniert.

Danach waren Lehmanns in Klausur gegangen. Ob Lehmann nun zwischen dem bisher auserkorenen Lebensmittelpunkt der Familie am Starnberger See zum Arbeitsplatz nach Stuttgart pendelt, steht laut Heldt noch nicht fest.

Drei Wochen EM-Urlaub

"Auf alle Fälle ist es gut, dass die Familie den Wunsch von Jens mit trägt, noch weiter spielen zu wollen", so Heldt. "Die Familie Lehmann wird die Dinge so regeln, dass weder wir, noch das Familienleben zu leiden hat". Lehmann sei von "Anfang an unser Wunschkandidat für die Torwartposition gewesen", meinte VfB-Coach Armin Veh. Schäfer hatte der VfB nach dem letzten Bundesligaspieltag mitgeteilt, dass man einen neuen Torwart holen werde. "Jens Lehmanns Qualitäten sind unbestritten und von seiner großen Erfahrung wird unsere gesamte Mannschaft profitieren", sagte Veh.

Wann nun Lehmann seinen Dienst beim VfB Stuttgart antritt, steht noch nicht fest. Der Arbeitsbeginn des Nationalkeepers hängt vom Abschneiden der deutschen Nationalelf bei der EM ab. "Alle Nationalspieler bekommen nach der EM drei Wochen Urlaub", meinte Heldt. Was ab dem Ausscheiden ihrer jeweiligen Mannschaft gilt. Lehmann, der just heute mit der DFB-EM-Mannschaft im Tessin eintraf, ließ über seinen künftigen Klub mitteilen, er "freue sich sehr auf den VfB und die Bundesliga" und wolle zu einer erfolgreichen Saison beitragen. Wie erfolgreich die wird und in welchem Gemütszustand Lehmann in Stuttgart eintrifft hängt nun vor allem auch von dessen Abschneiden bei der EM ab.

Einen entnervten Lehmann, der ein schwaches Turnier dieser Größenordnung aufzuarbeiten hat, wünscht sich in Stuttgart niemand. Beim VfB wird Lehmann wieder die Spielpraxis bekommen, die er in London zuletzt nicht mehr hatte. Ob Lehmann seine Karriere im Nationalteam fort setzt, steht ebenso nicht fest.

Auch diese Option wollte sich Lehmann, der ursprünglich in London bleiben und um seinen Posten im Arsenal-Tor kämpfen wollte, hatte zuvor einen Wechsel zu Borussia Dortmund in der Winterpause abgelehnt. Der BVB hatte eine Million Euro dafür geboten. Aus familiären Gründen erfolgte damals Lehmanns Absage.

"Jens war unser Wunschkandidat"

Der Verein war auf der Suche nach einem neuen Keeper, nachdem der bisherige Stammtorhüter Raphael Schäfer wegen enttäuschender Leistungen zum Ende der Bundesliga-Saison auf das Abstellgleis geschoben wurde. "Jens Lehmann war von Beginn an unser Wunschkandidat", sagte VfB-Trainer Armin Veh. Lehmann selbst lobte die Gespräche mit den Stuttgartern als "sehr angenehm". "Ich freue mich auf den VfB und die Bundesliga", erklärte der Routinier, der am Dienstag mit der Nationalmannschaft das EM-Quartier bezog.

Lehmann hat 55 Länderspiele bestritten und ist seit der WM 2006 Stammtorwart der DFB-Auswahl. Vor seinem Wechsel zum FC Arsenal spielte er in der Bundesliga für den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund.

Von Oliver Trust
 
 
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