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12. Juni 2008, 22:45 Uhr

Führungslos und fehlgeleitet

Löw fand keine Worte

Völlig unerklärlich, warum sich das deutsche Team auch nach dem Rückstand weiter zurückzog und einigelte. Wie ein angeschlagener Boxer gingen die Spieler unter dem ohrenbetäubenden Getöse der kroatischen Fans in die Kabine.

Schwere Beine? Beeindruckt von der aufgepeitschten Kulisse? Falsche Taktik? Vermutlich von allem ein bisschen. Löw fand hinterher keine erklärenden Worte für die miese Vorstellung seines Teams. Vielleicht wollte er sie aber auch einfach nicht preisgeben. "Geben sie mir ein bisschen Zeit, bis morgen. Bis dahin haben wir die Fehler analysiert." Fakt war: Der Trainer musste zur Pause reagieren. Und er reagierte. Einer der WM-Helden sollte es richten: David Odonkor. Eine Einwechslung, die sich schon vor der Halbzeit angedeutet hatte. Co-Trainer Hansi Flick nahm den Sevilla-Profi auf der Bank, noch als die Kugel rollte, wie einen Schuljungen ins Gebet und gab letzte taktische Anweisungen. Der total indisponierte Jansen musste weichen, Fritz nahm seinen Platz rechts hinten in der Kette ein.

Und was änderte sich? Nichts! Joachim Löw, an der Seitenlinie jetzt wild Kaugummi kauend, musste mit ansehen, wie seine Schützlinge, allen voran Kapitän Michael Ballack, weiter Angsthasenfußball praktizierten. Phasenweise wie ein Derwisch brüllte der eigentlich ja sonst so besonnene Fußball-Lehrer auf die Spieler ein. So aufgeregt hatte man Löw wahrscheinlich noch nie in seiner Amtszeit als Bundestrainer gesehen.

Aber die Aufregung war absolut berechtigt. Das grauenhafte deutsche Spiel setzte sich nahtlos fort. Auch wenn der zweite kroatische Treffer sicher durch Lukas Podolskis unglückliches Eingreifen begünstigt wurde, das 0:2 aus der 62. Minute, es war verdient.

Das Team hatte nichts mehr zuzusetzen

Ebenfalls bedenklich: Trotz der Einwechslung von Schweinsteiger hatte das Team an diesem Abend im ausverkauften Wörthersee-Stadion wenig bis gar nichts zuzusetzen. Im Gegenteil: Die Ordnung ging weiter verloren. Wo war bloß das in der Vorbereitung und im ersten Spiel gegen Polen so behutsam aufgebaute und mühsam erarbeitete Selbstvertrauen hin?

Für den für Schweinsteiger ausgewechselten Gomez rückte übrigens Lukas Podolski an die Seite von Miroslav Klose in den Angriff. Ob man den Doppeltorschützen aus dem Polen-Spiel bei diesem EM-Turnier jemals wieder im Mittelfeld sehen wird, darf bezweifelt werden. Zumal dem Bayern-Stürmer immerhin noch der Anschlusstreffer (79.) gelang und er sich damit mit Nachdruck für den Platz neben Klose bewarb. Es war allerdings auch nicht schwer, es besser als Mario Gomez zu machen.

"Deutschland, Deutschland, auf Wiedersehen", skandierten die beseelten kroatischen Fans in der dreiminütigen Nachspielzeit, in der zu allem Überfluss Bastian Schweinsteiger für eine saudumme Aktion noch die Rote Karte abholte.

Und auch Joachim Löw mochte an diesem rabenschwarzen Abend für den deutschen Fußball nichts mehr gelingen. Sekunden vor dem schmerzhaften Abpfiff vom guten Schiedsrichter Frank de Bleeckere wollte Löw das ins Seitenaus trudelnde Spielgerät elegant mit dem Fuß aufnehmen und schnell David Odonkor für den Einwurf in die Hände spielen. Der Ball versprang ihm. Wahrscheinlich auch, weil Löw schon an das letzte Gruppenspiel am Montag gegen Österreich gedacht hat. Das könnte jetzt wider Erwarten zu einem echten Zitterspiel werden. Wer hätte das gedacht?

Von Klaus Bellstedt, Klagenfurt
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KOMMENTARE (10 von 88)
 
disti (15.06.2008, 11:24 Uhr)
Herrn Uwe
Wissen Sie eigentlich etwas mit dem Namen Tucholsky anzufangen ?
UweEllinghausen (14.06.2008, 11:00 Uhr)
disti
Wen interessiert es eigentlich was Tucholsky ueber die Deutschen denkt oder gedacht hat? Spielt der eigentlich in einer der Teilnehmer Teams der Euro2008? Welches Recht haette er denn ueberhaupt seine Meinung dem Rest der Welt unterzujubeln? Wir geniessen zwar das Privileg der allgemeinen Meinungsfreiheit aber das heisst noch lange nicht das sich jedes Lebewesen seiner Meinung anschliessen muss.
disti (14.06.2008, 09:00 Uhr)
Deutschland über alles !!!
@exiled
Nein nicht Bildzeitung. Ich halte mich an Tucholsky. Lesen Sie doch mal was der über die Deutschen sagt.
UweEllinghausen (14.06.2008, 03:54 Uhr)
Free_Talk
Koennten Sie Ihren Kommentar bitte noch einmal ins Deutsche uebersetzen. Sorry, habe es leider versaeumt Kauderwelsch zu studieren.
znew (14.06.2008, 00:05 Uhr)
Administratoren sind halt auch nur abhängig Beschäftigte - Nr.4
Auch nach dreimaligem Entfernen bleibt die eine Wahrheit: Fußball ist ein Tuntensport. Oder wie würden Sie die öffentlich zur Schau gestellten Begattungsrituale nach einem Tor nennen?
evitaevita (13.06.2008, 17:17 Uhr)
Pokal mit Handtuch reserviert
Wie auf www.comedycontainer.de zu hören ist, haben die Deutschen Tante Käthe ins Warenlager des Europa-Verbandes geschickt und ein Handtuch über den EM-Pokal werfen lassen. Siegesgewiss, dank der Reservierung, liegen sie noch im August am Lago Maggiore und warten auf die Siegerehrung...
exiled (13.06.2008, 16:11 Uhr)
@znew
hahah...you are funny, dude!
ich stimme Dir zu, wünsche aber trotzdem jedem, der 'VERANTWORTUNGSVOLL' mit dem für nahezu bürgerkriegsähnliche Zustände sorgendem Thema 'Fußball' umgehen kann, viel Spaß beim Zuschauen, wie Österreich am Montag fliegt und Deutschland dann beim Spiel danach.
Benkku (13.06.2008, 13:47 Uhr)
Aufstellungsmangel.
Ich gebe dem Management der deutschen National-Elf Schuld, daß Klose und Kurany immer noch dabei sind (Bemerkenswert war, daß eher Metzelder fast zwei Tore erzielt hätte.), denn Oliver Neville ist bedeutend bissiger. Tim Borowski kann viel mehr zur Spielgestaltung beitragen als dem die Spielpraxis fehlenden "Wasserträger" Odonko.
Maddux (13.06.2008, 13:34 Uhr)
Grundlagentraining wäre mal
angebracht. Nichts gegen die modernen Methoden und Fitness aber was nützt das alles, wenn nicht einer mal nen vernünftigen, gefährlichen Eckball schießen kann oder Freistöße als Flanke mit Zug zum Tor. Das ist doch am einfachsten zu trainieren, ein Netz Bälle und los geht’s. Das kann doch für einen hochbezahlten Profi nicht so schwer sein solange zu üben, bis er den „Bierdeckel“ trifft. Das fast jedem Deutschen der Ball bei der Annahme 2 Meter vom Fuß springt ist man ja gewohnt (kann man auch trainieren) aber achtet mal drauf, 90 Prozent der Einwürfe für Deutschland landen beim Gegner, weil man bis heute nicht gelernt wie man es besser macht. Ein Einwurf auf einen gedeckten Spieler auf den Kopf, landet immer beim Gegner. Zieht weiter eure Gummibänder lang und länger deswegen ist eure Spielweise auch manchmal zäh wie Gummi.
tursu (13.06.2008, 12:26 Uhr)
Kroatien ist nicht Polen
Liebe Leute, Kroatien ist doch nicht Polen. Jeder schreibt wie die deutschen schwach waren. Nun der gegner war ja auch nicht Polen. Gegen Kroatien müsstet ihr anders spielen. jetzt kein stress machen, gegen österreich wird es reichen. POLEN = ÖSTERREICH
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