25. Juni 2008, 23:59 Uhr

Mit Angsthasenfußball ins Finale

Nach zwölf Jahren hat Deutschland endlich wieder ein EM-Finale erreicht. Doch den packenden Angriffsfußball praktizierten die Türken. Dem deutsche Team fehlte der rechte Biss und die Laufbereitschaft. Keine Spur von einem "Sommermärchen". Von Nico Stankewitz

Zu Gast bei Freunden: der türkische Spieler Semih Sentürk kann den Ball im deutschen Strafraum ungehindert zum 2:2 einschieben©

Deutschland steht im Finale der Europameisterschaft. Ein Riesenerfolg, der größte für den DFB seit den Asia-Wochen mit der Vize-Weltmeisterschaft von 2002. Wie dieser Erfolg zustande gekommen ist, hat jedoch mit gutem Fußball wenig zu tun. Wie uninspiriert und ängstlich Deutschland in diesem Halbfinale aufgetreten ist, kann man nur mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen. Ohne richtige Einstellung, ohne Biss überließ man der türkischen Elf die Initiative, die das mit packendem Angriffsfußball ausnutzte. Gegen die B-Elf vom Bosporus hätte man sich mehr Mut, mehr Offensive und einfach ein engagierteres Spiel gewünscht.

Die Abwehr mit Torhüter Lehmann wackelte, sonstige Stützen wie Mertesacker und Lahm zeigten ungewohnte Schwächen. Wirkte die Löw-Elf gegen Portugal noch perfekt vorbereitet und hochmotiviert, war Deutschland in diesem Spiel offenkundig überrascht und hatte der türkischen Aggressivität nichts entgegenzusetzen. Mit einem "Sommermärchen" hat das Spiel der Nationalmannschaft in diesen Wochen nichts mehr zu tun, eher mit den mittelguten, aber erfolgreichen Auftritten bei Turnieren wie der WM 2002 oder der EM 1992.

Ein paar Worte noch zum Gegner Türkei: Wenn man nicht zufällig Deutscher wäre, man müsste Fan dieser Mannschaft sein. Wie die türkischen Reservisten aufopferungsvoll kämpften, aber angeführt von dem überragenden Hamit Altintop auch spielerisch auftrumpften, das zeugte von Qualität und Charakter.

Die Türkei hat sich trotz der Niederlage viel Respekt verdient - allein schon für die Art, wie das Team mit dieser beispiellosen Zahl von ausgefallenen Stammspielern umgegangen ist. Fatih Terims Elf wirkte perfekt eingestellt und vorbereitet, setzte die deutsche Abwehr früh unter Druck und war - auch mit der Maßnahme Ballack in Manndeckung zu nehmen - hervorragend auf das veränderte deutsche System mit nur einem Stürmer eingestellt. Die Türkei verabschiedet sich mit Bravour aus dem Turnier, die Turniermannschaft Deutschland steht im Finale - nach der Leistung im Halbfinale wohl wieder als Außenseiter.

Von Nico Stankewitz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
piet82 (26.06.2008, 20:25 Uhr)
@nightmare
hat jogi löw gestern auf dem platz gestanden? hab ich was verpasst?
fusball ist nur bis zu einem bestimmten punkt theorie, ab diesem punkt zählt aufm platz..
sry du hast keine ahnung und machst dich hier extremst lächerlich...
redest von spielkultur und erhebst dich mit all deinem fachwissen über den fc bayern münchen, das sagt alles .. hättst dir mal nen spiel ansehen sollen diese saison.
totaler dünnschiss ist auch jetz über den trainer herzuziehen, was soll das denn jetz bringen vorm FINALE?
spielen unsere jungs dann besser wenn er in der kritik steht?
genau deswegen will es niemand thematisieren..
was nicht heissen soll, er hätte was falsch gemacht, denn das system war das gleiche wie gegen portugal und NICHT dasselbe wie gegen kroatien..
fachmann!
Subtotal (26.06.2008, 19:27 Uhr)
Wir sind nun mal Holzfuesse aber gewinnen
Es gibt nur zwei bis drei Spieler in der deutschen Mannschaft die den Ball einigermassen gut beherrschen, was heisst, dass sie in der Lage waeren modernen Tempofussball zu spielen, denn in Diesem muss man ball stoppen und mitnehmen in voller Bewegung nahezu perfekt beherrschen. Warum gerade unsere hochgelobten und noch hoeher bezahlten Jungens dies nicht koennen, obwohl sie doch ihr gesamtes Leben nichts anderes gemacht haben als mit diesem Ball zu spielen bleibt ein unerklaeriches Phaenomen. Daher werden wir nie technisch hochklassigen Fussball wie andere spielen koennen. Trotzdem kommen diese schlechten Techniker meist sehr weit in Turnieren, was wohl daran liegt, dass sie wenigstens hin und wieder aus drei Torchancen auch drei Tore machen. Das wiederum ist eine Art von Klasse. Somit kann man meckern oder sich ueberschwenglich freuen, dass sei ja jedem selbst ueberlassen, aber trotzdem ist man stolz. Nur eins liebe Herren Nationalspieler.....immer fein auf dem Teppich bleiben, Ihr seid als Mannschaft schon gut, sonst wuerdet Ihr nicht im Finale stehen, aber als Einzelspieler seid ihr durch die Bank weg, bis auf gaaaaaaaanz wenige Ausnahmen, international nur absolute Mittelklasse, denn das Spielgeraet ist immer noch der Ball, und der ist nun mal nicht euer Freund. Viel Gluck im Finale!!!!!!
sportartmakler (26.06.2008, 13:05 Uhr)
rumpelfußball hin oder her
immerhin hat uns rudi den 2.platz in der wm beschert, klinsi "nur" den dritten und bekam sogar das bundesverdienstkreuz...bisl seltsam
nightmare_online (26.06.2008, 12:19 Uhr)
@BrunoK
Wissen Sie, ich sehe mir üblicherweise Fussballspiele an, weil das Zusehen Spass macht. Für nationale Fussball-Besoffenheit bin ich zu alt. Deshalb habe ich während der Rumpelfussball-Ära unter Ribbeck und Völler praktisch keine Länderspiele angesehen. Unter Klinsmann änderte sich das radikal, weil das wirklich schöner Fussball war.
Unter Löw scheint mir - Erfolg hin, Erfolg her - der Anteil der Rumpelspiele kontinuierlich wieder zuzunehmen. Sowohl gestern als auch gegen Kroatien sah ich einen Rückfall in Rumpelfussball-Zeiten unter "Ruuuudi".
Und ich finds durchaus in Ordnung, ja sogar notwendig, mehr zu fordern als "nur" Erfolg. Ich bin ja auch kein Bayern-Fan.
BrunoK (26.06.2008, 11:36 Uhr)
Fussball ist eine klare Angelegenheit
Theoretisch ist alles einfach. Die wahren Könner zeigen sich in der Praxis. Die lautet nun einmal Tore schiessen. Eins mehr wie der Gegner, das ist Sinn und Zweck dieser Ballsportart. Nicht das Herausspielen und die Anzahl von Chancen wird bewertet und belohnt, die Verwertung derer zählt:
3x Deutschland 2x Türkei = Deutschland im Finale.
Ergo hat der Trainer alles richtig gemacht.
nightmare_online (26.06.2008, 11:36 Uhr)
@Fluminense
Ich halte Ihre Analyse für Korrekt. In jedem Punkt.
Zu ergänzen wäre noch das Löw offensichtlich auch nicht in der Lage ist während des Spiels bei Problemen adäquat zu reagieren. Das war gegen Kroatien so (Einwechslung von Odonkor belegte IMHO die eklatante Fehleinschätzung der taktischen Ausrichtung der Kroaten), und das war gestern auch so. Frings für Rolfes war "erzwungen". Und sonst? Keine Reaktion (= Auswechslung oder Änderung der taktischen Ausrichtung) erforderlich? NICHTS ausser Rumgehopse am Spielfeldrand. Die einzige "taktische" Massnahme war dann in der Nachspielzeit die Einwechslung von Jansen. Jansen? Wieso Jansen? Wenn schon dann gibt man Westermann etwas Spielzeit. Apropos Westermann: Bei den in der Abwehr gezeigten Leistungen (abgesehen von Lahm) könnte man durchaus auf die Idde kommen, da mal Alternativen auszuprobieren. Spätestens nach dem Österreich-Spiel.
Fluminense (26.06.2008, 10:34 Uhr)
Dt x Türkei
Ende gut alles gut, aber über das wie müssen wir schon reden.
Löw muss sich nochmal fragen warum er zum 2. Mal die falsche Taktik ausgewählt. Wie gegen Kroatien hat er die Mannschaft wieder nicht richtig aufgestellt.
1. Warum nur eine Spitze ?
2. Die Defitze von Podolski im Abwehrverhalten sind eklatant. Warum wird er immer noch dort eingesetzt ?
Lahm kann nicht in jedem Spiel seine Fehler korrigieren. Auch er wird irgendwann mal müde.
3. Lehmann ist nach wie vor ein Unsicherheitsfaktor. Die beiden Toren gehen eindeutig auf seine Kappe. Noch nie hatten wir bei einem großen Turnier so einen unsicheren Torwart.
4. Über Metze brauchen wir nicht zu sprechen. Hat in jedem Spiel schlecht ausgesehen. Gestern hat aber auch Mertesacker schlecht ausgesehen.
Grundsätzliches.
1) Odonkor hätte zuhause bleiben müssen.
2) dito Kuranyi
3) Warum ist Marko Marin nicht nominiert worden ??
4) dito für Helmes
ebertw (26.06.2008, 09:38 Uhr)
So sind wir halt :(
Tja, so sind wir halt, wir Deutschen. Alles was nicht absolute Superklasse ist, ist absoluter Mist. Klar haben wir nicht toll gespielt, aber im Viertelfinale haben wir genau mit der Taktik der Türken gestern die Portugiesen 3:2 geschlagen. Und da hat jeder gejubelt. Gegen eine solche Taktik tut sich erst einmal jede Mannschaft schwer.
Klar war das gestern kein tolles Fußballspiel, aber wer spricht bitte in zwei Jahren noch davon? Wir sind im Finale, die Türken nicht. Das war doch genau das, was alle wollten, oder?
Also mal ein bisserl mehr freuen und nicht immer alles miesmachen. Ist wirklich mittlerweile ziemlich ätzend in diesem Lande :(
leobissinger (26.06.2008, 09:10 Uhr)
Fußball ...
... und Glückspiele haben Nebenwirkungen und können süchtig machen. Ich liebe es den nichtspielenden Experten zu zuhören:
Und wie sagte dunnemals der gute alte Herberger, "Der Ball ist rund und ein Spiel dauert ..."
Leo
nightmare_online (26.06.2008, 09:01 Uhr)
Erschreckend ...
... war meiner Meinung nach das offensichtlich Löw nichts, aber auch gar nichts aus dem Kroatien-Spiel gelernt hat. Das war in Teilen genau der selbe Hühnerhaufen wie gegen Kroatien. Das sich unter diesen Umständen in der Abwehr Fehler einstellen ist nur logisch. Sogar Lahm, sonst die Zuverlässigkeit in Person, liess sich von dem Chaos anstecken.
Vor allem die ersten 20 Minuten, als sich die Türken noch an das vorgegebene Konzept hielten (das nach dem 1:1 verloren ging) konnte man sehen das die Abwehr genauso konfus agierte wie gegen die Kroaten und nach vorne ging gar nichts.
Sowas darf einmal passieren, aber nicht zweimal. Taktisch war das die 2. Fehlleistung von Löw, wieso thematisiert das niemand?
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