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9. Juni 2008, 20:44 Uhr

Drei Watschen für den Weltmeister

Schock für Italien zum Auftakt: In seinem ersten EM-Spiel kassierte der Weltmeister eine bittere 0:3-Pleite gegen die Niederlande. Ruud van Nistelrooy, Wesley Sneijder und Giovanni van Bronckhorst sorgten mit ihren Toren für Jubel in Orange. Italien droht jetzt das frühe Aus.

Italiens Torwart Gianluigi Buffon (r.) am Boden, der Ball im Netz: Niederlandes Torschütze zum 2:0, Wesley Sneijder, dreht jubelnd ab© Lars Baron/Bongarts

Mit dem ersten Sieg über Italien seit 30 Jahren haben die Niederlande den Weltmeister entzaubert und sich mit einem Schlag in der Hammergruppe C zum Turnier-Mitfavoriten aufgeschwungen. Die "Squadra Azzurra" erlebte bei der Fußball-Europameisterschaft beim bitteren 0:3 (0:2) gegen das "Oranje"-Team ihr blaues Wunder. Vor 38.777 Zuschauern im neuen Wankdorf-Stadion von Bern glänzten beim Europameister von 1988 vor allem zwei Stars von Real Madrid: Ruud van Nistelrooy brachte mit seinem 32. Tor im 62. Länderspiel die Niederlande in Führung (26.). Wesley Sneijder erhöhte an seinem 24. Geburtstag auf 2:0 (31.). Giovanni van Bronckhorst machte elf Minuten vor dem Ende alles klar.

Van Nistelrooy stach damit den frustrierten Bundesliga- Torschützenkönig Luca Toni vom FC Bayern München aus. Das Duell der befreundeten Trainer Marco van Basten und Roberto Donadoni, die sich seit gemeinsamen Zeiten beim AC Mailand kennen, gewann der nach dem Turnier zu Ajax Amsterdam wechselnde van Basten. "Ein schwarzer Abend. Wir haben Tore kassiert und waren ziemlich naiv dabei. Wir müssen diese Niederlage akzeptieren. Wir haben noch zwei Spiele und an die müssen wir denken", sagte Donadoni. "Es gibt Spiele, die leider so verlaufen. Man versucht es und versucht es." Noch nie zuvor hatte Italien ein EM-Auftaktspiel verloren.

Starkes HSV-Trio

"Das macht uns unglaublich stolz. Das erste Spiel ist immer unglaublich wichtig und so gegen Italien zu gewinnen, das gibt uns viel Selbstvertrauen", meinte Torschütze Sneijder. "Ich habe nicht gewagt, von so einem Start zu träumen." Van Basten wollte von der Favoritenrolle nichts wissen: "Wir haben erst ein Spiel gemacht. 3:0 zu gewinnen gegen Italien mit so viel Erfahrug und so viel Qualität, das haben wir nicht erwartet. Es war wirklich eine gute Leistung der ganzen Mannschaft."

Mit einer starken Hamburger Fraktion waren die Niederländer aufgelaufen: Neben Regisseur Rafael van der Vaart standen auch Nigel de Jong und Joris Mathijsen in der Anfangsformation - zudem überraschend der frühere HSV-Profi Khalid Boulahrouz vom FC Sevilla, der erst kurzfristig nachnominiert worden war.

Versuchte seiner Elf vergeblich den Weg zu weisen: Italien-Coach Roberto Donadoni© Armando Franca/AP

Als Vertreter des verletzten Fabio Cannavaro spielte auf italienischer Seite ebenfalls ein "alter Bekannter": Marco Materazzi, dessen Privatduell mit Zinedine Zidane vom WM-Finale 2006 die Fußball-Welt in helle Aufregung versetzt hatte, rückte in die italienische Innenverteidigung. Kapitän Cannavaro wurde jedoch schmerzlich als Abwehrorganisator vermisst.

Die erste Szene gehörte nicht van Nistelrooy, sondern Toni: Der Bayern-Profi konnte sich in der 12. Minute nach einer Flanke von Gennaro Gattuso absetzen - sein Kopfball ging allerdings deutlich am Tor vorbei. Im Duell der beiden 31-Jährigen Stürmerstars stand dann aber van Nistelrooy im Blickpunkt: In der 18. Minute hatte er nur noch Gianluigi Buffon vor sich. Der herausstürmende Torhüter brachte den Torjäger ins Straucheln, aber er fiel nicht - und Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt aus Schweden pfiff auch keinen Elfmeter.

"Oranje" zelebriert Traumfußball

Nach 41 Treffern in den beiden vergangenen Jahren in der spanischen Primera Division war "van Nistelgols" Torhunger noch lange nicht gestillt. Nach einem Schuss von Sneijder konnte der Niederländer ungehindert zur Führung einschießen. Die Italiener protestierten heftig, doch der hinter der Torauslinie liegende Christian Panucci hatte das Abseits aufgehoben. Nur fünf Minuten später zelebrierte "Oranje" Traumfußball: Ein glänzender Angriff über den wild entschlossenen Giovanni van Bronckhort und Dirk Kuyt, der für den verletzten Real-Profi Arjen Robben spielte, vollendete Sneijder zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Italiener bereits so viele Gegentore bekommen wie während der gesamten WM 2006 in Deutschland.

Zwei Minuten vor dem Wechsel hätte van Nistelrooy alles klar machen können, doch er scheiterte an Buffon. Gegen die weiterhin überlegenen Niederländer fehlte dem EM-Favoriten eindeutig der Chef. Auch der eingewechselte Alessandro del Piero, Torschützenkönig der Serie A, konnte die Wende beim vierfachen Weltmeister nicht einleiten. Toni mit einem Heber aus ausichtsreicher Position, aber weit über das Tor, sowie Fabio Grosso und Pirlo vergaben in der Schlussphase gegen den hervorragenden Edwin van der Sar noch vielversprechende Chancen, ehe van Bronckhorst für die Entscheidung sorgte.

Bernhard Krieger und Ulli Brünger/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Daniel-Duesentrieb (10.06.2008, 10:57 Uhr)
Schiedsrichterfehler
Das hatte klar einen 11er geben müssen. Wieso muss ein spieler sich erst hinwerfen, damit er sein Recht auf einen 11er bekommt? Buffon hat den Spieler berührt und ins straucheln gebracht und dadurch eine Torchance verhindert! Das ist klar ein 11er! Egal ob der Spieler hinfällt!
Eigentlich bin ich ja kein Hollandfan aber gestern hab ich mich mal so richtig gefreund! Hoffentlich fliegen die Italiener in der Vorrunde raus. Die brauchen ja nur noch gegen Frankreich zu verlieren!
Dudu (10.06.2008, 08:42 Uhr)
Haßliebe
verbindet D-Fans mit den NL. Aber 3:0 echt geil. War einfach ein Top Spiel der Oranjes. Kompliement (mist an die "verhassten" Oranjes? Nein ehrlich, haben sie sich redlich verdient.
An alle, die Italien bereits abschreiben:
Der Sieg der NL ist nicht überraschend (nur die Höhe). Italien startet doch immer bescheiden in die großen Turniere. Die Mogeln sich ins Viertelfinale und spielen dann erst wieder richtig.
Aber Europameister werden sie wohl nicht, Mannschaft ist überaltert. Haben sie sich bei uns Deutschen abgeschaut (Grins)
choco1968 (10.06.2008, 08:28 Uhr)
...verdient verloren...
...klar haben die Italiener verdient verloren, doch bei manch einem hier sitzt der Stachel noch tief, daher die Kommentare.... Hut ab vor den Holländern die sich fair verhalten haben, anders als die Grossmäuler hier.....
AchazIII. (10.06.2008, 08:26 Uhr)
Durchschnittsalter 31 Jahre ?
Wenn die Aussage des Kommentators richtig war, hat Italien eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren auf dem Platz.
Wenn das richtig ist, dann fragt man sich, was Italiens Verband in den letzten 2 Jahren eigentlich gemacht hat. Vom Ruhm einer letzten WM kann man nicht ewig leben.
Italien hat es offenbar verschlafen, eine neue Elf aufzubauen.
Möglicherweise gilt das auch für italinenischen Club-Mannschaften. Selten waren Milan und Inter so früh in der CL ausgeschieden.
Lorbeer verwelkt. Niemand müsste da besser wissen als Römer.
Man sieht an den Italienern auch, wie verhängnisvoll ein WM-Titel sein kann.
Sublucem (10.06.2008, 08:23 Uhr)
Nu is aber mal jut ;)
Jungs, seit wann ist Fußball Krieg. Das liest sich ja schlimm hier. Kommt mal alle runter - die stärkere Mannschaft gewinnt und fertig, da muss man nicht nachtreten, wenn jemand am Boden liegt.
"Der Italiener", "der Holländer", "die Deutschen", ... bla. Abgesehen davon, dass heutzutage ohnehin fast jede Mannschaft einbürgert was nicht bei drei auf den Baum ist und damit "der... irgendwas" nur bedingt gilt, gehen einem diese Vergleiche doch fix auf die Nerven.
.
Und bevor jemand was sagt und zu relativieren versucht: Ich bin für Deutschland ;)
AlterEgo (10.06.2008, 08:21 Uhr)
Oranje Boven !!!
Was für ein Tag in Bern!!! Noch nie war wohl so viel holländisch-deutsche Fannähe zu bemerken. Auf heiligen deutschen Rasen, sollten diese Italiener nicht gewinnen.
In gewohntem Italien-Stil, also weit hinter der Mittellinie, in der eigenen Hälfte, erwarteten die Italienen ohne jede eigenen Kreativleistung einen Fehler des Gegners, um ein Kontertor zu machen und danach das eigenen Tor zu vermauern. Doch diesmal ging der bekannte, den Zuschauer langweilende, Plan nicht auf.
Italiener habens ja nicht so mit Regeln, was offensichtlich auch für Abseits gilt. Viel wichtiger war aber, dass Holland mit Herz die Initiative übernahm um am Ende völlig verunsicherte Italiener leichtfüssig abzuschiessen.
Das das auch ohne theatralisches Hingewerfe (van Nistelroy!!!), mit sportlicher Fairness und trotz eines wieder grossartigen Buffon gelang, macht die Sache nur noch schöner.
Hoffen wir alle, dass damit der zwischenzeitliche Höhenflug des Destruktivfussballs (Italien, Griechenland) entgültig gestoppt ist.
Italien darf weinen, wir reichen lächelnd das Tempo dazu.
Frei_Talk (10.06.2008, 08:17 Uhr)
Danke Oranje
Hallo Holland
danke das ihr die Italiener so alle gemacht habt. War schön anzusehen. Die werden heute dicke tränen bei ihrer Mama weinen...ooooooooooooh.
Weiter so..Dann sehen wir uns im Finale...ole ole ole....:-)
hankster (10.06.2008, 08:13 Uhr)
Danke Holland !
Wunderbar ! Was für ein Debakel für die, die nicht fair verlieren können. 11 Schauspieler erfahren ihre späte aber gerechte Strafe. Holland W-U-N-D-E-R-B-A-R ! Arreviderci Italia ! Toller Abend !
mariahellwig (10.06.2008, 07:37 Uhr)
Toller Fussbal gegen die italienische Altherrenmannschaft
Die Holländer haben besonders in Hälfte 1 tollen, offensiven Fussball gezeigt. Und sind diesmal belohnt worden, weil sie mit Geduld gespielt haben.
Die Italiener mit ihrem destruktiven Altherrenfussball müssen wir leider noch 2 Spiele ertragen.
Die 3:0 Klatsche konnte auch der sehr italienfreundliche Schiedsrichter nicht verhindern.
Glückwunsch Oranje
struppi1 (10.06.2008, 07:31 Uhr)
Ey albundy....
gib es endlich zu.....DU bist TIMO!!!!
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