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11. Juni 2008, 22:52 Uhr

K.o. in der Nachspielzeit

Schock für die Schweiz: In der letzten Minute der Nachspielzeit haben sich die Türken die Chance auf das Viertelfinale gewahrt - und den EM-Gastgeber damit aus dem Turnier befördert. Arda Turan traf mit einem abgefälschten Schuss zum 2:1 in einer Partie, die durch sintflutartige Regenfälle phasenweise einer Wasserschlacht glich.

Traum geplatzt: Valon Behrami kann es nicht fassen - EM-Gastgeber Schweiz ist bereits ausgeschieden© Alex Livesey/Getty Images

In der "Wasserschlacht" von Basel hat Arda Turan den EM-K.o. von Gastgeber Schweiz besiegelt und den Türken die Hoffnung auf den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft erhalten. Mit seinem Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit machte der Angreifer von Galatasaray den 2:1 (0:1)-Sieg der Türken perfekt. Bei zeitweise sintflutartigem Regen hatten die Eidgenossen vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park durch einen Treffer von Hakan Yakin (32.) geführt. Dem eingewechselten Semih (57.) gelang der Ausgleich für die Türken, durch deren Erfolg Portugal vorzeitig als Viertelfinalist feststeht. Während die Schweizer Trauer tragen, kann die Türkei mit einem Sieg am Sonntag gegen Tschechien die zweite Teilnahme an der K.o.-Runde nach 2000 schaffen.

Bei Platzverhältnissen, die Erinnerungen an das im April abgebrochene Bundesliga-Spiel 1. FC Nürnberg gegen VfL Wolfsburg weckten, waren im Duell der EM-Fehlstarter vor allem kämpferische Qualitäten gefragt. Die warfen die Schweizer mit Erfolg in die Waagschale, wenngleich beim Führungstor auch viel Glück im Spiel war. Nach einer Hereingabe des knapp 20-Jährigen Eren Derdiyok, der anstelle des an der Leiste verletzten Marco Streller in die Startelf gerückt war, blieb der Ball vor der Torlinie in einer Pfütze liegen. Yakin hatte in seinem 68. Länderspiel keine Mühe zu vollenden.

Heftiger Platzregen

Zweieinhalb Jahre nach der "Schande von Istanbul" waren die Fans beider Seiten um ein friedliches Miteinander bemüht. "Schweiz-Türkei - Fußball verbindet" war auf einem großen Transparent zu lesen. Am 16. November 2005 waren die Türken nicht so freundlich mit den Eidgenossen umgegangen. Nach dem 4:2 im WM-Qualifikationsspiel hatten sich hässliche Prügelszenen in den Katakomben des Sükrü Saracoglu Stadions abgespielt, wobei vor allem Schweizer die Opfer waren.

In die Rubrik denkwürdig gehörte auch die Neuauflage. Ein heftiger Platzregen machte einen kontrollierten Spielaufbau nahezu unmöglich. Der mit Pfützen übersäte Rasen öffnete dem Zufall Tür und Tor. In der 19. Minute versuchte Gökhan Inler sein Glück mit einem Schuss aus 30 Metern und stellte den türkischen Keeper Volkan damit vor Probleme. Danach demonstrierte der Schlussmann von Fenerbahce Istanbul aber gleich zweimal seine Klasse. Zunächst parierte er einen Schuss von Yakin aus spitzem Winkel (23.), dann drehte er einen gefährlichen Freistoß des Leverkuseners Tranquillo Barnetta reaktionsschnell um den Pfosten (25.). Zwei Minuten nach seinem 1:0 verpasste Yakin nach Flanke von Valon Behrami freistehend die mögliche Vorentscheidung.

Weiterhin kein EM-Erfolg für die Eidgenossen

Vier Tage nach der Start-Niederlage gegen Portugal steckten die Türken den Ausfall ihres an der Wade verletzten Kapitäns Emre Belözoglu gut weg und kämpften sich nach der Pause in die Partie zurück. Mit der Einwechslung von Semih als zweite Spitze neben Nihat bewies Trainer Fatih Terim zudem eine glückliche Hand. Als der Stuttgarter Bundesliga-Profi Ludovic Magnin zwölf Minuten nach Wiederbeginn bei einer Nihat-Flanke nicht energisch genug eingriff, stieg Semih hoch und überwand Diego Benaglio im Schweizer Tor per Kopf. Danach sahen die Fans einen offenen Schlagabtausch, in dem die Türken die besseren Chancen auf den Sieg besaßen. In der 73. verfehlte Nihat das 2:1 nur denkbar knapp, auf der Gegenseite vereitelte Volkan gegen Yakin (84.) den ersten EM-Erfolg der Eidgenossen.

Andreas Schirmer/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Clibanarius (12.06.2008, 12:33 Uhr)
@Taifun
UR63 meint es nicht ehrlich und ernst mit seinem "Glückwunsch", das ist nur so dahingepappt. Wirst du feststellen, wenn du öfter mal seine Kommentare bei ganz bestimmten Themen betrachtest.
Clibanarius (12.06.2008, 12:27 Uhr)
@UR63
Auf dich und deinen gewohnt wirren, witzlosen, noch weniger aber geistreichen Kommentar hab ich gewartet. Aber ja, ein Glas Barolo Acciano hab ich genossen, mehr war nicht drin bei so einem Spiel. Solltest du mal probieren, den Wein mein ich, wenn du mal es mal schaffst ausnahmsweise einige Minuten eines Tages nüchtern zu bleiben.
Taifun (12.06.2008, 12:08 Uhr)
@UR63
Habe nicht den Eindruck erwecken wollen, daß die Türken bereits im Viertelfinale stehen (bis dahin ist es noch ein ordentliches Stück Arbeit).
Wollte nur zum Ausdruck bringen, daß es schön gewesen wäre, wenn die Schweiz es zumindest bis ins Viertelfinale geschafft hätte.
PS: Danke fürs Daumendrücken!
UR63 (12.06.2008, 10:48 Uhr)
Sorry..
das Eiskunstlaufen war auf Clibanarius
gemünzt!
UR63 (12.06.2008, 10:46 Uhr)
@Clibanarius
Wie viele Gläschen haben Sie denn gestern zu sich genommen!
Sie haben das beste Spiel der EM gesehen?LOL.
Der war gut!
Mal wieder ein Thema,wo Sie auch keine Ahnung haben!
@Taifun
Noch ist die Türkei nicht weiter!
Dazu muss Tschechien noch besiegt werden!Nur mal am Rande!
Trotzdem viel Glück!
Versuchen Sie es mal mit Eiskunstlaufen!
Taifun (12.06.2008, 09:16 Uhr)
Als Türke
freue ich mich natürlich über das Weiterkommen meiner Landsleute.
Gleichzeitig fand ich es sehr schade, daß die Schweiz bereits so früh ausscheiden musste. Sie hätten es verdient, zumindest ins Viertelfinale einzuziehen!
Fazit: ein sehr spannendes und kampfbetontes Spiel. Sicherlich nicht durch feine Technik geprägt -wobei: wer auf solchen Platzverhältnissen ein solches Spiel abliefert...Chapeau!
TT2007 (12.06.2008, 08:41 Uhr)
@nese:
Ach, du spielst mit? Dann zeigt "ihr" es mal den Oesis... :)
nese (12.06.2008, 00:21 Uhr)
Keine Sorge, JoeSkeleton
den Oessis werden wir es auch zeigen, wo's lang geht ;-)
Perof (12.06.2008, 00:05 Uhr)
Ein qualitativ eher durchschnittliches Spiel
Ich habe ein kampfbetontes, eher durchschittliches EM-Spiel gesehen.
Die Wetterbedingungen ließen allerdings auch kein technisch hochwertiges Spiel zu. Die schweizer Nati (brrrr...schüttel,..was für eine Bezeichnung für eine Nationalmannschaft) hat mit unbändigem Kampf alles erzwingen wollen und letztendlich mit den schwindenden Kräften alles verloren. Ich persönlich habe den Schweizern die Daumen gedrückt. Schade das sie als Gastgeber frühzeitig ausscheiden mussten.
Clibanarius (11.06.2008, 23:42 Uhr)
Spitze!
Ich bin noch wie benommen von dem hochklassigen, unglaublich schnellem Fight mit offenem Visier beiderseits, dabei sehr Fair, im Hinblick auf die Vergangenheit. Allerdings nur auf Spielerseite, einige Schweizer Fans mussten ja stören beim abspielen der türkischen Hymne, während die Türken umgekehrt ruhig blieben. Wie auch immer: Nicht Hollands 3:0 gegen die italienischen Bauarbeiter, sondern dieser war bisher das beste Spiel der EM! Der abgefälschte Siegtreffer kann dabei ruhig in die Kategorie "ausgleichende Gerechtigkeit" für das glücklich-zufällige 1:0 der Schweizer abgelegt werden.;o)
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