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15. Juni 2008, 18:12 Uhr

Freudentaumel unterm Halbmond

Dramatischer Kampf ums Viertelfinale: In einer packenden Partie setzte sich die Türkei 3:2 gegen Tschechien durch. Bitter: Die Brückner-Elf führte bereits 2:0, dann patzte Star-Torhüter Petr Cech. In der Schlussminute versetzte Nihat Mitspieler und Fans schließlich in einen rot-weißen Freudentaumel.

Spiel gedreht: Nach dem entscheidenden 3:2 in der 90. Minute durch Nihat Kahveci kennt der Jubel bei den türkischen Spielern keine Grenzen mehr© Shaun Botterill/Getty Images

Nihat Kahveci hat mit zwei Treffern auf den letzten Drücker die Tschechen aus allen Träumen gerissen und die Türkei doch noch ins Viertelfinale der Europameisterschaften geschossen. Der Angreifer vom spanischen FC Villareal drehte mit Toren in der 87. und 90. Minute das Vorrunden-"Endspiel" der Gruppe A und sorgte für einen dramatischen 3:2 (0:1)-Sieg des WM-Dritten von 2002. Ausgerechnet der ansonsten so zuverlässige Torwart Petr Cech vom FC Chelsea patzte bei Kahvecis Siegtreffer. Die Türkei trifft nun als Tabellenzweiter der Gruppe A am Freitag in Wien auf Kroatien. In der Nachspielzeit erhielt Torwart Demirel Volkan noch die Rote Karte nach einem Foul an Jan Koller. "Ich werde viele Nächte nicht schlafen", meinte der scheidende Trainer Karel Brückner.

Zwei-Meter-Mann Koller vom 1. FC Nürnberg hatte Tschechien mit seinem 55. Tor im 90. Länderspiel in der 34. Minute in Führung gebracht. Vor 29.016 Zuschauern in Genf traf außerdem Mittelfeldspieler Jaroslav Plasil (62.) für den Titelgewinner von 1976 und EM-Zweiten von 1996. Für die Türkei ist es der zweite Viertelfinal- Einzug nach 2000. Nach dem Anschlusstreffer von Arda Turan (75.) waren die Tschechen mächtig ins Schwimmen geraten udn erlebten ein ganz bitteres EM-Aus.

Fassungslose Verlierer

"Wir haben uns von einer großem Last befreit", sagte der von Regen und Schweiß durchnässte türkische Trainer Fatih Terim und meinte euphorisch: "Ich sende meine Grüße in die Heimat: Geht auf die Straßen und feiert." Die Verlierer konnten es kaum fassen, was sich in den letzten Minuten im ausverkauften Stade de Geneve abgespielt hatte. "Wir haben 2:0 geführt und hätten das Spiel zu Ende bringen müssen. Das haben wir leider nicht geschafft", sagte Tomas Ujfalusi.

"Dass dritte Tor war der Kollaps"

Bei einem Remis hätte es das erste Elfmeterschießen in einer EM-Vorrunde gegeben, da beide Teams punkt- und torgleich in das letzte Gruppenspiel gegangen waren. Erstmals nach 50 Jahren feierten die Türken wieder einen Sieg gegen den osteuropäischen Gegner. Beendet ist die Mission Brückners, der angekündigt hatte, nach dem Turnier zurückzutreten. "Dass dritte Tor war der Kollaps. Dieses Spiel zu verlieren ist unglaublich", sagte der 68-Jährige.

Trauriger Abgang: Jan Kollers Treffer reichte Tschechien am Ende nicht

Viele Nickeligkeiten

Brückner hatte sein Team nur auf einem Posten verändert und Koller anstelle von Milan Baros als einzige Sturmspitze gebracht: Der Sturmtank lieferte sich packende Duelle mit Raubein Servet Cetin und rechtfertigte nicht nur mit seinem Treffer zum 1:0 seinen Einsatz. Terim musste auf die verletzten Emre Belözoglu und Tümer Metin verzichten und hatte zudem einige angeschlagene Spieler in seinen Reihen.

In einer Anfangsphase mit vielen Nickeligkeiten, aber kaum spielerischen Finessen, gab Tuncay Sanli nach 17 Minuten den ersten Warnschuss für die Türken ab: Der Ball zischte am Pfosten des Gehäuses von Petr Cech vorbei. Der WM-Dritte von 2002 musste für seine destruktive Spielweise, für die Terim in der Heimat schon nach dem Auftaktspiel kritisiert worden war, lautstarke Pfiffe hinnehmen. Bayern-Profi Hamit Altintop konnte zum Spielaufbau relativ wenig beitragen, weil er sich wieder mit der ungeliebten Rolle als Außenverteidiger zufriedengeben musste.

Türkei triumphiert in hektischer Schlussphase

Der erste Volltreffer gelang aber Koller, der nach einer Flanke von Zdenek Grygera Schlussmann Demeril Volkan überwand. Kurz darauf kam der Hamburger Mittelfeldspieler David Jarolim für den verletzten Marek Matejovsky. Bei strömendem Regen verloren die Tschechen nach der Pause etwas die Ordnung, doch der Treffer von Plasil auf Flanke des erneut starken Libor Sionko machte zunächst alle Bemühungen der Türken zunichte. Sionko hätte mit einem Pfostenschuss dann beinahe für die Entscheidung gesorgt. Doch die Türken kamen mit einem präzisen Flachschuss von Turan wieder heran, drängten ihren Kontrahenten in der hektischen Schlussphase hinter rein und wurden dafür doch noch belohnt.

Morten Ritter und Heinz Büse/DPA
 
 
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