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17. Juni 2008, 00:36 Uhr

Die Auferstehung des Bosses

Dank eines einzigen Geniestreiches ihres Kapitäns Michael Ballack hat die DFB-Auswahl die Blamage gegen Österreich abgewendet. Aber längst ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Etliche Baustellen bleiben. Im Viertelfinale gegen Portugal muss eine deutliche Leistungssteigerung her. Von Klaus Bellstedt, Wien

Luftsprung des "Capitano": Michael Ballack feiert seinen Siegtreffer gegen Österreich© Michael Probst/AP

Was für eine Atmosphäre im Wiener Ernst-Happel-Stadion. 53.000 Fans in der natürlich restlos ausverkauften Arena sorgten vielleicht erstmals bei diesem Turnier für eine Stimmung, wie sie vor zwei Jahren beim Sommermärchen in Deutschlands Stadien fast ausnahmslos herrschte. Und endlich spielte das Wetter auch mit. Eine rote Abendsonne strahlte über dem Wiener Prater. Die Voraussetzungen für ein packendes Endspiel um den Einzug ins EM-Viertelfinale hätten also nicht besser sein können.

Möglicherweise ließ sich auch Mario Gomez, an dem Joachim Löw in der Startelf festhielt, von der knisternden Stimmung anstecken. In zweierlei Hinsicht. Erstens: Gomez sang überhaupt zum ersten Mal bei dieser EM die Nationalhymne mit. Zweitens: Der Stürmer vom VfB Stuttgart verstolperte in der fünften Minute die Chance zur deutschen Führung fast schon kläglich. Nur mal angenommen, der große Ernst Happel wäre noch am Leben und würde das DFB-Team trainieren, er hätte Gomez wohl postwendend unter die Dusche geschickt.

Und auch für den neu ins Team gerückten Arne Friedrich auf der neuralgischen rechten Außenposition hätte die Begegnung schlimmer kaum starten können. Friedrich kassierte mit seiner ersten (Nicht-)Ballberührung die Höchststrafe, den Tunnel. Freilich ohne Folgen. Für positivere Nachrichten aus deutscher Sicht sorgte Lukas Podolski, vom Bundestrainer erneut und deshalb etwas überraschend im linken offensiven Mittelfeld aufgestellt. Seine beiden Distanzschüsse aus der ersten Hälfte waren kreuzgefährlich, Austria-Goalie Jürgen Macho musste beide Mal sein ganzes Können aufbieten, um sie zu entschärfen. Ansonsten war nicht viel los im deutschen Spiel.

Riesige Löcher zwischen Verteidigung und Angriff

Das Mittelfeld, in dem Kapitän Michael Ballack einen (endlich) offensiveren Part als noch gegen Kroatien einnahm, wurde viel zu langsam überbrückt. Wobei Ballack keine Schuld traf. Der Kaptiän schlug immer wieder kluge Pässe und versuchte auch mal, die in der Luft hängenden Stürmer Klose und Gomez in Szene zu setzen. Dennoch klafften mitunter riesige Löcher zwischen Verteidigung und Angriff - gepflegt und durchdacht sieht anders aus. Aber in diesem Thriller von Wien ging es im Zweifel gar nicht um ästhetisches Brillieren. Es ging gnadenlos zur Sache. Und das nicht immer fair. Die Österreicher legten die eher rustikale Spielweise an den Tag. Natürlich auch aus Ermangelung spielerischer Klasse. Hatten die Deutschen damit etwa nicht gerechnet? Es schien fast so. Das DFB-Team zeigte sich beeindruckt, ließ sich von der Hektik anstecken und musste einige brenzlige Situationen überstehen. Insgesamt lebte dieses K.o.-Match von der Spannung.

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