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2. Juni 2008, 14:44 Uhr

Starke Italiener, blasse Franzosen

EM 2008

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um sich für die EM in Form zu bringen. Fast alle 16 Teams nutzten das Wochenende zum Einspielen und Testen. Welche deutschen Konkurrenten gut drauf sind und welche ihrer Form noch hinterherlaufen, verrät der stern.de-Teamcheck.

Italiens Stürmer Luca Toni überzeugte beim 3:1 gegen Belgien wie seine ganze Mannschaft© Stefano Rellandini / Reuters

Zwei der drei deutschen Vorrundengegner haben sich eine Woche vor dem Start des EM-Turniers nicht mit Ruhm bekleckert. Zufrieden war lediglich Gastgeber Österreich beim 5:1 gegen Malta. Polen und Kroatien kamen beim 1:1 gegen Dänemark und Ungarn über ein Unentschieden nicht hinaus.

Und der selbst erklärte Turnierfavorit Frankreich blamierte sich beim 0:0 gegen Paraguay. stern.de erklärt, wie gut in Form die 16 EM-Teilnehmer sind.

In Topform

Italien Der Weltmeister gibt sich keine Blöße. Zuletzt kamen die Italiener zu einem souveränen 3:1 gegen Belgien. Die aktuelle Bilanz: sieben Siege aus zehn Spielen. Ganz heißer EM-Favorit. Glück für Deutschland: Erst im Finale käme es zu einer Revanche für die Niederlage im WM-Halbfinale von 2006.

Rumänien Der Außenseiter hat sich warm geschossen: In Bukarest siegte das rumänische Team mit 4:0 gegen Montenegro. Der Underdog-Faktor macht das Team offenbar stark. Beim Turnier vor vier Jahren waren es die Griechen, die beharrlich unterschätzt wurden. Gut möglich, dass in diesem Jahr die Kicker vom Balkan die Rolle des Favoriten-Schrecks einnehmen.

Portugal 2:0 hieß es am Wochenende im Test gegen Georgien. Superstar Cristiano Ronaldo blieb zwar blass, aber auch so sind die Portugiesen ein heißer Tipp fürs Viertelfinale, wo sie auf die deutsche Mannschaft treffen könnten. Zoff-Potenzial liefern allerdings die Wechselgerüchte um Ronaldo. Er will sich innerhalb der nächsten Tage entscheiden, ob er vom englischen Champions-League-Sieger Manchester United zu Real Madrid wechselt.

Holland Die Holländer spielen inzwischen nicht mehr ganz so offensiv, dafür hat Trainer Marco van Basten ihnen das Erfolgs-Gen transplantiert. Sieben Siege gab es aus den letzten zehn Spielen, zuletzt das 2:0 gegen Wales. Kleiner Wermutstropfen: Stürmer Ryan Babel musste verletzt abreisen, für ihn rückte Khalid Boularouz ins Team.

Mittelmäßig

Deutschland Das 2:1 gegen Serbien macht Mut - genauso wie die Top-Form von Michael Ballack. Gerade im Sturm ist das Team gut aufgestellt. Dort hat Joachim Löw mit Miroslav Klose, Lukas Podolski und Mario Gomez die Qual der Wahl - und mit Oliver Neuville einen treffsicheren Joker in der Hinterhand. Sorgen bereitet immer noch die Abwehr, wo Christoph Metzelder sich bis zum Auftakt gegen Polen am 8. Juni in Klagenfurt deutlich steigern muss.

Tschechien Die Tests gegen Litauen (2:0) und Schottland (3:1) verliefen erfolgreich. Prunkstück ist die Abwehr, die nur fünf Gegentore in zwölf Spielen zuließ.

Spanien Das Tor zum 2:1 gegen Peru am Wochenende fiel erst in der Nachspielzeit. Am Ende reichte es zwar zu einem Sieg, aber überzeugen konnte der heimliche EM-Favorit nicht.

Polen So macht Deutschlands Auftakt-Gegner niemandem Angst: Im Test gegen Dänemark mühte sich das Team von Leo Beenhakker zu einem 1:1. Der Holländer wiegelte zwar ab ("Entscheidend ist der 8. Juni, wenn wir gegen Deutschland spielen"), aber sein Team blieb in den 90 Minuten vieles schuldig.

Kroatien Nur 1:1 hieß es am Samstag beim Test gegen Ungarn, wobei Kapitän Nico Kovac zunächst ins gegnerische, dann ins eigene Netz traf. Die Elf von Trainer Slaven Bilic muss sich gewaltig steigern, wenn sie Deutschland im Gruppenspiel am 12. Juni ernsthaft in Gefahr bringen will.

Österreich Endlich ein Erfolgserlebnis für Trainer Josef Hickersberger. Das 5:1 gegen Malta war zumindest mal ein Brustlöser. Dennoch ist von EM-Euphorie nichts zu spüren. Ein Sieg in der Vorrunde bleibt unwahrscheinlich.

Russland Bangen um die besten Stürmer: Superstar Andrej Arschawin ist ohnehin die ersten beiden Spiele gesperrt. Jetzt erwischte es Pavel Pogrebnijak beim Test gegen Serbien (2:1) auch noch am Knöchel. Hoffnungsschimmer: Bei den Gegnern aus Griechenland, Spanien und Schweden läuft es ebenfalls nicht rund.

Türkei Durchwachsene Vorbereitung. Siege gegen Finnland (2:0) und die Slowakei (1:0), aber eine Pleite gegen Uruguay (2:3). Schlüsselspieler Hamit Altintop (Bayern München) ist angeschlagen.

Schwach

Schweden Das Drei-Kronen-Team blamierte sich in Stockholm gegen die Ukraine mit 0:1. Es war das vierte Vorbereitungsspiel ohne Tor. Knackpunkt ist die Offensive - trotz der Einsätze von Superstar Zlatan Ibrahimovic und Rückkehrer Henrik Larsson.

Griechenland Die Truppe von Otto Rehhagel verpatzte die EM-Generalprobe beim schmeichelhaften 0:0 gegen Armenien. Dabei boten die Griechen auf dem Bieberer Berg in Offenbach eine erschreckend schwache Vorstellung. Im Sturm überboten sich die Bundesliga-Legionäre Angelos Charisteas und Ionnis Amanatidis an Harmlosigkeit. So wird das nichts mit der EM!

Frankreich Die "Bleus" müssen sich noch kräftig steigern, wenn sie in der Todesgruppe C gegen Italien, Holland und Rumänien bestehen wollen. Am Wochenende enttäuschte die "Equipe Tricolore" beim 0:0 gegen Paraguay und wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Einem selbst erklärten Turnierfavoriten sollte so etwas nicht passieren.

Schweiz Stress statt Euphorie beim EM-Gastgeber. Zwar siegte das Team von Köbi Kuhn 3:0 gegen Liechtenstein, doch ausgerechnet die eigenen Fans sorgten für einen Eklat: Sie buhten und pfiffen Stürmer Marco Streller bei jeder Ballberührung aus. Der erklärte daraufhin völlig entnervt seinen Rücktritt nach der EM.

KOMMENTARE (1 von 1)
 
MisterBrezeldent (02.06.2008, 17:17 Uhr)
Sie sagen es:
STARKE ITALIENER - BLASSE FRANZOSEN Gestern war ich im Freibad, und was soll ich sagen: Ein käsweisser Typ kommt da auf mich zu und fragt mit unverkennbar französischem Akzent:"Pardon, le piscine...". "Nein, nein" sag ich noch schnell, bevor da was passiert, "nicht hierhin pis... . Wir haben hier Klos". Der Bademeister, Luigi - unverkennbar also Italiener - hatte die Situation mitbekommen und mit den Worten "Isch zeige" und dem Knaben unterm Arm verschwand er auch schon in Richtung der Toiletten. Stark, oder?