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10. Juni 2008, 10:00 Uhr

Drei Bierchen mit den Schweden

Schwedische Fans sind anders: Sie singen, sind niemals aggressiv und sprechen mindestens eine Fremdsprache. Unser EM-Reporter hat sich in seinem Salzburger Lieblingscafé von den Nordeuropäern zum Bierchen einladen lassen - um anschließend zum Vaterlandsverräter zu mutieren. Von Klaus Bellstedt

Was für eine Wohltat: Die schwedischen Fans strahlen um die Wette© Dima Korotayev/Bongarts/Getty Images

Eines ist klar: Klagenfurt gehört ganz sicher nicht zu meinen neuen Lieblingsstädten. Das Traurige daran: Die wunderschöne Stadt am Wörthersee kann nicht einmal etwas dafür. Der Grund sind meine Eindrücke vom Sonntag vor dem Spiel der Deutschen gegen Polen. Das miserable Fanverhalten von einigen Deutschen UND Polen werde ich unweigerlich immer in Verbindung mit Klagenfurt bringen. Peinliche deutsche "Fans", vor allem Hooligans, die volltrunken und Nazi-Parolen grölend durch die Gassen ziehen - einfach nur widerwärtig. Oder die Gruppe von beinahe besinnungslos besoffenen Polen, die 100 Meter entfernt von mir friedlichen deutschen Fans provozierend den Hitlergruß zeigen. Da kann einem schnell mal die Lust auf die EM vergehen.

Nun also bin ich Gott sei Dank wieder in Salzburg gelandet. In der Stadt, die ich aus unzähligen Besuchen mit meinen Eltern während der Schulferien fast so gut kenne wie meine Heimat. Genau wie Klagenfurt hat sich auch die drittgrößte Stadt Österreichs für die EM herausgeputzt. Salzburg, sowieso schon immer ein Stückchen schicker als Wien, erstrahlt an diesen frühen EM-Tagen in einem ganz besonderen Glanze - und das nicht nur wegen der endlich immer häufiger scheinenden Sonne. Vielmehr liegt es an den zigtausenden schwedischen Schlachtenbummlern, die die Festspielstadt an der Salzach eingenommen haben. Die Farbe 'Gelb' beherrscht das Stadtbild. Jede zweite Kneipe ist von außen mit der Fahne der "Tre Kronors" geschmückt. Die Nordeuropäer zeigen im wahrsten Sinne des Wortes Flagge. Überflüssig zu erwähnen, dass das gelbe Trikot mit dem Kreuz auf der Brust zur Standardausstattung gehört.

Sie haben ihre Kinder mitgebracht

Was für eine Wohltat, denke ich. Das sitze ich endlich nach getaner Arbeit und viel Ärger mit den Kollegen zuhause in der Redaktion in meinem Lieblingscafé, dem "Tomaselli, und schlürfe eine Melange. Vom Balkon des Caféhauses hat man den besten Blick auf den Alten Markt. Und dort unten tanzen sie also, die Schweden. Sie feiern. Friedlich. Sie singen. Nicht aggressiv. Sie belästigen niemanden. Sie haben ihre Kinder mitgebracht. Sie strahlen alle um die Wette, voller Vorfreude auf das Match ihrer Lieblinge um die Superstars Ljungberg und Larson gegen Griechenland am Dienstagabend. Und ich frage mich: Soll ich es tun?

Dann kommt eine Horde schwedischer Fans mit Trompeten um die Ecke, sie stimmen das Pipi-Langstrumpf-Lied an, und der ganze Platz mit geschätzten 1000 Nordlichtern stimmt mit ein. Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Und wieder frage ich mich: Soll ich es tun? Auch das "Tomaselli", normalerweise ein Platz für die Einheimischen, ist nicht sicher vor der schwedischen Invasion. In Scharen dringen sie in "mein" Café, fragen mich in astreinem Englisch, ob sie sich an meinen Tisch setzen können. Schnell entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. Worüber? Natürlich über Fußball, die Stärken, aber vor allem die Schwächen der schwedischen Elf, über Lukas Podolski - und über Fankultur.

Bier im brodelnden Caféhaus

Spätestens jetzt weiß ich: Ich werde es tun. Und nicht nur, weil mich die drei Jungs aus Göteborg mittlerweile zur dritten Runde Bier eingeladen haben. Zu schade, dass ich mit den Burschen nicht weiterziehen kann. Aber die österreichische Verkehrsgendamerie (so heißt das hier wirklich!) kennt bei Alkoholdelikten kein Pardon. Ich verabschiede mich also, werde noch schnell nach Schweden eingeladen, und verlasse das mittlerweile brodelnde Caféhaus. Vor der Tür steht Gott sei Dank immer noch der schwedische Trikot- und Schalverkäufer. Ich schlage sofort zu und ergattere eines der gelben Kult-Shirts. Ich musste es einfach tun!

Von Klaus Bellstedt
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
atticus (12.06.2008, 15:47 Uhr)
@Poelle
Sie waren vermutlich noch nie bei einem Spiel der Schweden. Für die Holländer mag stimmen, was sie sagen, aber ich war auch bei schon erwähntem Spiel SWE-PAR und das war einfach nur Hammer. Mir ist es kalt den Rücken runtergelaufen. Vor dem Spiel die Prozession zum Olympiastadion und im Stadion einfach nur geil.
sver64 (12.06.2008, 10:25 Uhr)
tre kronor
Die Tre Kronor haben nichts mit der schwedischen Fußballnationalmannschaft zu tun. Die spielen nämlich Eishockey! Das nervt langsam!
ikaron (11.06.2008, 11:59 Uhr)
Joern...
....nicht jeder kann morgens schon Whiskey trinken ;) Ausserdem zählt Melange nicht als Kaffee sondern als Kultur.^^
Poelle (10.06.2008, 12:23 Uhr)
Gähn
Provokationen gehören zum Fussball halt dazu, das das nicht unbedingt so dämliche Parolen sein müssen sollte klar sein es gibt halt immer ein paar Idioten. 2004 hab ich mich aber z.B. in Portugal ohne Probleme zwischen "10 German Bombers" grölende Engländer gemischt und konnte mit denen auch ohne Probleme ein paar Bier trinken, man muss halt wissen wie es gemeint ist... Mir sind die grölenden Fans auf jeden Fall um einiges lieber als diese Party Touristen aus Schweden oder Holland. Stimmungstechnisch ist im Stadion mit denen teilweise garnichts los und von Fußball haben die wenigsten Ahnung. Beim ersten Gruppenspiel 2004 gegen die Holländer haben ca. 15000 deutsche 30000 Holländer locker in Grund und Boden gesungen. Schweden und Holland haben was die Nationalmannschaft betrifft vielleicht ne Partykultur, aber kein Fankultur!
joern1974 (10.06.2008, 11:53 Uhr)
Melange???
Er schlürft eine Melange im Tomaselli??? Tut mir leid aber als ich das gelesen habe war der Bereicht für mich zu Ende. Kein Wunder das deutsche Frauen lieber alleine ihre Kinder großziehen wenn da draussen nur noch Männer sind die Milchkaffe trinken.
UR63 (10.06.2008, 11:28 Uhr)
War selber...
beim Spiel Schweden vs Paraguay bei WM
2006 in Berlin!
Diese Fans sind WELTKLASSE!
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