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9. August 2004, 16:05 Uhr

Olympia hat seinen ersten Dopingfall

Die Olympischen Spiele haben noch nicht einmal begonnen, da gibt es schon den ersten Dopingfall. Für den Skandal sorgten ausgerechnet die griechischen Gastgeber.

Bei den Olympischen Spielen sollen die Sportler lückenlos auf den Missbrauch verbotener Substanzen getestet werden© Fabrice Coffrini / AP

Ausgerechnet Gastgeber Griechenland wirft mit den ersten beiden offiziellen Doping-Fällen der Olympischen Spielen in Athen einen Schatten auf den Beginn einer neuen Ära im Kampf gegen den Sportbetrug. Die beiden Baseball-Spieler Andreas James Brack und Derek Nicholson wurden bei einer Kontrolle am 5. August positiv getestet, teilte der Teamchef der Olympia-Mannschaft, Giannis Papadogiannakis, am Montag mit. Die B-Probe habe bestätigt, dass Brack das unerlaubte anabole Mittel Stanozolol und Nichelson Diuretika genommen hat.

Beide in den USA lebende Athleten mit griechischem Pass wurden suspendiert. Olympia-Athleten, die nach Eröffnung des Olympischen Dorfes am 30. Juli, ertappt werden, sind offizielle Fälle der Spiele. "Es ist uns peinlich, hier über Doping sprechen zu müssen", erklärte Papadogiannakis vier Tage vor Eröffnung der Athen-Spiele.

IOC geht in die Offensive

Die Baseballer waren direkt nach der Ankunft in Athen getestet worden. Nichelson will das Entwässerungsmittel (Diuretika) gegen Bluthochdruck seit 2001 eingenommen haben. Er hatte die Einnahme aber entgegen den IOC-Vorschriften nicht offiziell angegeben.

Um der scheinbar ungebrochenen Betrugs-Mentalität zu begegnen, geht das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Athen in die Offensive. So sollen erstmals in der Sport-Geschichte Tests auf Missbrauch mit dem Wachstumshormon (HGH) geben. Mit der Rekordzahl von mehr als 3500 Kontrollen (Sydney 2000: 2362), darunter rund 400 Bluttests, wird auch der Betrug mit Anabolika oder Stimulanzien in olympischen Zeiten zum immer größeren Vabanquespiel. Zumal das IOC seit dem 30. Juli auch weltweit gezielt für Athen gemeldete Athleten testen lässt.

"Knietief im Olympia-Geschäft

"In Athen werden wir in Quantität und Qualität in eine neue Ära der Doping-Bekämpfung eintreten", sagte Thomas Bach, deutscher IOC- Vizepräsident. Ein Geheimnis bleibt hingegen, ob das IOC tatsächlich grünes Licht für die Premiere der HGH-Kontrollen gibt. "Wir werden es nicht sagen, dass bleibt ein Überraschungsmoment", so Bach. In Sicherheit wiegen darf sich dennoch kein Hormondoper: Alle Doping- Proben von Athen werden für eine mögliche Nachanalyse eingefroren.

Zum Einsatz käme wohl das HGH-Nachweisverfahren des Berliner Endokrinologen Prof. Christian Strasburger. "Wir sind knietief im Olympia-Geschäft", sagte der frühere Ruderer. Immerhin hat er vor Olympia schon Biochemiker aus den IOC-Analyselaboren in Athen, London und Sydney bei einer Schulung in München mit seinem Verfahren vertraut gemacht.

Mit den Dopern Schritt halten

Wie dringlich es ist, mit den Dopern Schritt zu halten, zeigen der US-Betrugsskandal um die Designerdroge Tetrahydrogestrinon (THG) und die kalifornische Firma Balco sowie die vor Beginn der Athen-Spiele bekannt gewordenen neuen Doping-Fälle. Für den Chef der Welt- Antidoping-Agentur (WADA), Richard Pound, hat die US-Affäre auch ihr Gutes: "Die Zeiten, da Amerika mit dem Finger auf andere zeigen konnte, sind damit vorbei."

Allein in diesem Jahr hat die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) 16 Athleten gesperrt. Zuletzt wurde 100-m-Weltmeisterin Torri Edwards mit einem zweijährigen Bann belegt. Die Sprinterin hat aber das Recht, ihren Start noch bei der Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichts (CAS) in Athen einzuklagen. Im am Montag offiziell bekannt gegebenen Olympia-Aufgebot, ist sie jedenfalls noch für Starts über 100 und 4x100 m vorgesehen.

Chancengleichheit durch Doping?

Erledigt hat sich das Thema Olympia für den irischen Langstreckenläufer Cathal Lombard, der ebenfalls mit EPO schneller vorankommen wollte, aber bei einem Test gestoppt wurde. Interessant ist jedoch, welche Beweggründe er für seinen Betrug angab. "Ich wollte es nicht versuchen, um Medaillen oder Geld zu gewinnen. Ich wollte nur eine gleiche Chance haben wie alle anderen", erklärte der 27-Jährige am Montag, der laut "The Irish Examiner" über die "epidemischen Ausmaße" des Dopings in seiner Disziplin klagte.

Andreas Schirmer / DPA
 
 
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