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19. August 2004, 16:35 Uhr

Groß-Reinemachen gegen Dopingsünder

Die Zweifel am Motorradunfall der beiden griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou werden größer. Bei den Gewichthebern wurden gleich fünf Athleten des Dopings überführt.

Sprinterin Katerina Thanou: Viele offene Fragen© Yves Herman/Reuters

Wie der Athener Privatsender "SKAI" am Donnerstag mit Bezug auf Justiz-Kreise berichtete, soll der Unfall entweder "inszeniert worden sein" oder "gar nicht stattgefunden" haben. Unterdessen hat die Athener Verkehrspolizei angekündigt, ihren Untersuchungsbericht am Freitag der Staatsanwaltschaft übergeben zu wollen. Kenteris und Thanou hatten am Mittwoch ihren Olympia-Verzicht erklärt.

Keine Verletzungen nach Motorradunfall

Wie die griechische Nachrichtenagentur ANA am Donnerstag meldete, sei mit einem Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht vor Ende der Olympischen Spiele am 29. August zu rechnen. Begründet wird dies mit weiteren Untersuchungen und Zeugenvernehmungen. So sollen die Ärzte und der Direktor des Athener KAT-Krankenhauses befragt werden, warum sie Kenteris und Thanou fünf Tage lang bis zum Dienstag in der Klinik behielten. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gerichtsmediziner hatte beide untersucht und offenbar äußerlich nur kleinere Verletzungen festgestellt.

Durch diesen viertägigen Krankenhausaufenthalt mussten die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zwei Mal die Anhörung der unter Doping-Verdacht stehenden Leichtathleten verschieben. Außerdem wurde dadurch ein möglicher nachträglicher Doping-Test von Kenteris und Thanou sinnlos.

Nach einem Bericht der Zeitung "Eleftherotypia" am Donnerstag sei Kenteris-Trainer Christos Tsekos, der ebenfalls seine Olympia- Akkreditierung an das IOC zurückgab, über die im Athleten-Dorf angeordnete Doping-Kontrolle rechtzeitig informiert worden. Mehrere Telefonanrufe per Handy, in denen der griechische Leichtathletik-Cheftrainer Odysseas Papatolis seinem Kollegen Tsekos aufgefordert haben will, die Athleten zum Test zu holen, seinen bei der Telefongesellschaft registriert. Danach sollen die Anrufe zwischen 18.45 und 19.30 Uhr Ortszeit stattgefunden haben - vor Ablauf der vom Kontrolleur gesetzen Zwei-Stunden-Frist.

Fünf Gewichtheber überführt

Unterdessen geht das große Reinemachen auf dem Doping-Sektor in Athen weiter. Zoltan Kecskes aus Ungarn, Viktor Chislean aus Moldawien, die Inderin Pratima Kumari Na, die türkische WM-Dritte Sahbaz Sule sowie Wafa Ammouri aus Marokko sind die fünf Gewichtheber, die der Weltverband IWF am Donnerstag als neue Sünder bekannt gab. Sie wurden alle bei Trainingskontrollen überführt.

IOC-Präsident Jacques Rogge zeigte sich erfreut über das Aufdecken der Fälle. "Das IOC lobt die Arbeit und die Entschlossenheit des Gewichtheberverbandes in seinem Kampf gegen Doping durch das systematische Testen seiner Athleten", sagte Rogge. Dies ist auch mehr als notwendig. Seit 1968 wurden inklusive der sechs Athen- Fälle 27 Gewichtheber auf olympischen Terrain positiv erwischt. 2000 in Sydney waren es vier, darunter bei der Frauen-Premiere Isabela Dragnewa. Der Rumänin wurde Gold wieder aberkannt. Das bulgarische Team war zeitweise sogar von den Sydney-Spielen ausgeschlossen, durfte aber nach einem erfolgreichen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) wieder zurückkehren.

Spekulationen um US-Athleten

Der Wirbel um eine angebliche Behinderung von Kontrolleuren der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) im Trainingslager von US-Olympioniken auf Kreta ist von der griechischen Regierung aufgeklärt worden. Laut einer offiziellen Stellungnahme, hätten die Fahnder amerikanische Athleten wie vorgesehen testen können, teilte Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos am Donnerstag mit.

Auch das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) widersprach der Darstellung der Zeitung "Patris", dass FBI-Beamte den Kontrolleuren den Zutritt zum stark gesicherten Quartier zunächst verweigert hätten, und US-Athleten dies genutzt hätten, unauffindbar zu sein. "Fakt ist, dass alle Athleten nach den Reglen des Internationalen Olympischen Komitees getestet wurden", hieß es in einer USOC-Erklärung.

DPA
 
 
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