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26. August 2004, 17:20 Uhr

Kenteris/Thanou dürfen weiterlaufen

Die des Doping verdächtigten griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou sollen zwar nicht entkommen, dürfen aber nach den Olympischen Spielen in Athen zunächst wieder laufen.

Olympia-Akkreditierung: "Die beiden Athleten sind nicht suspendiert"© Matthew Fearn/AP

"Die beiden Athleten sind nicht suspendiert", erklärte Nick Davies, Sprecher des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, am Donnerstag. Das IAAF-Council entschied jedoch, eine Untersuchung gegen den 200-m-Olympiasieger und die Sprint-Europameisterin einzuleiten und eine mögliche Sperre der Beiden zu prüfen. Die Start-Erlaubnis gilt nur bis zum Abschluss der Ermittlungen der IAAF-Kommission.

Fehler der Mannschaftsärztin

Durch den Fehler einer Mannschaftsärztin hat die Crew des ukrainischen Frauen-Doppelvierers die Bronzemedaille verloren. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestätigte, wurde eine der ukrainischen Ruderinnen des Dopings überführt. Das Quartett wurde bestraft, weil Olena Olefirenko ein von der Team-Medizinerin Ganna Grischenko verordnetes stimulierendes Medikament erhalten hatte. Es enthielt die verbotene Substanz Ethamivan.

"Die Klärung des Falls wird Wochen, hoffentlich nicht Monate dauern", sagte Davies zur Affäre Kenteris. Der IAAF-Kommission gehören IAAF-Präsident Lamine Diack (Senegal), Vizepräsident Arne Ljungqvist (Schweden) als Chef der Medizinischen Kommission und Council-Mitglied Bob Hersh an. In die Ermittlungen wird auch der Trainer der beiden Griechen, Christos Tzekos, einbezogen. Geklärt werden muss, ob sich Kenteris und Thanou, die einem Ausschluss von den Spielen durch das IOC durch ihren Start-Verzicht in Athen zuvorkamen, tatsächlich mehrmals Doping-Kontrollen entzogen haben und gesperrt werden müssen.

Der Beweis steht aus

Sollte ihnen nachgewiesen werden können, dass sie sich in den vergangenen 18 Monaten drei Mal einem Test entzogen haben, wäre eine zweijährige Sperre die Folge. Bisher hat die IAAF nur Belege für eine regelwidrig versäumte Kontrolle in Tel Aviv. Ähnliche Verstöße in Chicago und im olympischen Athletendorf von Athen müssen noch untersucht werden. "Wir haben nichts zu fürchten", erklärte Kenteris- Anwalt Michaelis Dimitrakopoulos und begrüßte die IAAF-Entscheidung als "positiven Schritt".

Bedauert hat der Präsident des Ruder-Weltverbandes FISA, Denis Oswald, das die ukrainischen Ruderinnen ohne eigenes Verschulden "versenkt" wurden. "Sie konnte nicht wissen, was in dem Medikament enthalten war. Durch den Fehler einer Ärztin verlieren vier unschuldige Athletinnen ihre Medaille", sagte er. Deshalb werde der Verband wahrscheinlich von Sanktionen gegen die Ukrainerinnen absehen. Im Doppelvierer-Finale hatte das deutsche Team in Schinias seinen Titel vor Großbritannien und der Ukraine verteidigt. Bronze geht nun an die viertplatzierten Australierinnen. Im Rudersport ist es erst der zweite Doping-Fall in der olympischen Geschichte. 2000 in Sydney war der lettische Einer-Fahrer Andris Reinholds der Anabolika- Einnahme überführt worden. Damit wurde bei den Spielen in Athen bereits zum vierten Mal eine Medaille wegen Dopings aberkannt.

Rücktritt aus Protest

Aus Protest ist Hammerwurf-Olympiasieger Adrian Annus vier Tage nach seinem Erfolg bei den Athen-Spielen zurückgetreten. Der 31-jährige Ungar machte am Donnerstag für seine überraschende Entscheidung das Vorgehen des IOC gegen seinen Landsmann Robert Fazekas und sich selbst dafür verantwortlich. Fazekas war die Goldmedaille im Diskuswerfen wegen Verweigerung einer Dopingprobe aberkannt worden. Nach Auskunft der ungarischen Teamleitung soll Annus einer erneuten Dopingkontrolle unterzogen werden. Der Werfer ist bereits in seine Heimat zurückgekehrt. "Er ist in seinem Haus in Jak, dies haben wir dem IOC mitgeteilt", sagte der ungarische Teamsprecher Deszö Vad. Fazekas und Annus haben den gleichen Trainer.

Offiziell vom IOC bestätigt wurden die Disqualifikation und der Olympia-Ausschluss des ungarischen Gewichthebers Zoltan Kovacs wegen Verweigerung einer Doping-Kontrolle. Der 27-Jährige hatte den Regelverstoß nach dem Wettbewerb in der Klasse bis 105 kg begangen. Seinem Landsmann Fazekas war wegen des gleichen Verstoßes Gold aberkannt worden. Der gestürzte Olympiasieger kündigte am Donnerstag im ungarischen Szombathely an, 2008 in Peking wieder antreten zu wollen. Nicht bestätigt hat sich der Doping-Verdacht gegen die Dreisprung-Olympiasiegerin Francois Mbango Etone (Kamerun).

Übeltäter zur Kasse bitten

Doping-Sünder sollen künftig nicht nur gesperrt, sondern auch zur Kasse gebeten werden. Dies fordert das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach: "Das IOC hatte bei der Diskussion um den Welt-Antidoping-Code auch Geldstrafen vorgesehen." Allerdings habe dies die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) damals abgelehnt. "Ich würde der WADA raten, dies noch einmal zu überdenken." Für nicht praktikabel hält Bach den Vorschlag des IAAF-Vizepräsidenten Helmut Digel, Athleten, die das Ansehen von Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften durch Doping-Skandale ramponieren, auf Schadenersatz zu verklagen. "Da würde man sich aufs juristische Glatteis begeben", so der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim.

Andreas Schirmer und Heinz Büse/DPA