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18. August 2004, 20:32 Uhr

Befreiungsschlag für Deutschlands Schwimmerinnen

Die von Franziska van Almsick angeführte 4x 200 m-Staffel schwamm auf den dritten Rang im Aquatic Center. Die erste Medaille für den Deutschen Schwimmverband.

Die deutschen Staffel-Mädchen: Wir haben alle ein bisschen geweint© Kay Nietfeld/DPA

Franziska van Almsick, Petra Dallmann, Antje Buschschulte und Hannah Stockbauer zogen das Verlierer-Team am fünften Wettkampftag in Athen mit 7:57,05 Minuten über 4 x 200 m Freistil aus dem Tal der Tränen. "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Startschwimmerin Franziska van Almsick. Olympiasieger wurde die Staffel der USA, die in 7:53,42 Minuten den 17 Jahre alten Weltrekord eines DDR-Quartetts um 2,05 Sekunden unterbot. Silber gewann China (7:55,97). Die 20 Jahre alte Australierin Jodie Henry schwamm über 100 m Freistil in 53,52 Sekunden schon im Halbfinale Weltrekord und fand es "total verrückt".

Ins Zeug gelegt

Mit einem Riesen-Schlussspurt sicherte Hannah Stockbauer das erste Edelmetall. Fragend blickte sie an die Anzeigetafel, dann fielen sich alle in die Arme. Tränen flossen. "Das ist ein Traum von jedem Sportler", jubelte die Erlangerin. "Franzi" hatte zwei Bahnen lang geführt und musste dann ihrem enormen Tempo Tribut zollen. "Wir haben alle ein bisschen geweint. So richtig fassen kann ich es noch nicht", sagte van Almsick, die an dritter Stelle liegend wechselte. Petra Dallmann fiel zurück, aber Antje Buschschulte holte bravourös Bronze zurück, das Hannah Stockbauer ganz festhielt: "Für die Staffel legt man sich noch ein bisschen mehr ins Zeug."

Franziska van Almsick fühlte sich am Tag nach ihrer bitteren Niederlage über 200 m Freistil einfach "beschissen". Platz fünf statt Gold - das muss sie erst einmal verarbeiten. "Ich habe keine Zeit zu trauern." Sie flüchtete sich in die Normalität. "Ich habe im Moment keine Zeit, darüber nachzudenken, was gestern war. Ich bin hier bei Olympischen Spielen. Ich werde das Programm durchziehen." Sie qualifizierte sich am Morgen über 100 m Freistil für das Halbfinale, verzichtete aber. Die Staffel ging vor.

"Kretsche" die Daumen drücken

Nach dem Ende der Schwimm-Wettbewerbe wird Franziska van Almsick ihrem Freund Stefan Kretzschmar, der mit den deutschen Handballern Olympiasieger werden will, die Daumen drücken. Solange bleibt "Franzi" auch in Athen. Danach wollen sie gemeinsam Urlaub machen. Franziska van Almsick schreibt an einem Buch. Ende September soll es erscheinen. Das Kapitel Gold wird fehlen.

Die Essenerin Anne Poleska hat sich als Halbfinal-Vierte für das Finale über 200 m Brust qualifiziert, Birte Steven aus Hannover schied aus. An diesem Donnerstag will Hannah Stockbauer (Erlangen) schon im Vorlauf über 800 m Freistil zeigen, dass mit ihr wieder zu rechnen ist. Über 400 m war die fünffache Weltmeisterin als Zwölfte im Vorlauf gescheitert.

Der Verband steht hinter den Trainern

Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), hat personelle Konsequenzen nach dem schlechten Abschneiden in Athen indes ausgeschlossen. "Der Verband steht nach wie vor zu 100 Prozent geschlossen vor dem Team und zu 100 Prozent hinter den Trainern", sagte sie der DPA. Sie stellte aber auch fest: "Natürlich müssen wir nach Abschluss der Wettbewerbe ganz tief analysieren."

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Richard Janssen und Dietmar Fuchs/DPA