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19. August 2004, 22:46 Uhr

Auf den Spuren von Becker und Stich

Silber haben sie schon sicher, jetzt soll es auch noch Gold werden. Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler stehen im Tennis-Doppel-Finale der Herren.

Kiefer und Schüttler nach ihrem Halbfinal-Sieg: "Jetzt können wir jeden schlagen"© Reinhard Krause/Reuters

Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler wandeln auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich. Zwölf Jahre nach dem Olympiasieg der beiden Wimbledonsieger in Barcelona greifen auch der Holzmindener Kiefer und der Korbacher Schüttler nach Doppel-Gold beim olympischen Tennis-Turnier in Athen. Das Daviscup-Duo besiegte am Donnerstag im Halbfinale das indische Weltklasse-Doppel Mahesh Bhupathi/Leander Paes überraschend mit 6:2, 6:3 in nur 66 Minuten und trifft im Finale am Samstag auf Fernando Gonzalez/Nicolas Massu. Die Chilenen setzten sich gegen Mario Ancic/Ivan Ljubicic aus Kroatien mit 7:5, 4:6, 6:4 durch.

"Geiles Tennis gespielt" "Wir haben es mit aller Gewalt gewollt und einfach geiles Tennis gespielt", sagte Kiefer. "Nach jedem Ball haben wir uns die Faust gezeigt" und nach dem Matchball lagen sich beide jubelnd in den Armen. "Wir haben ziemlich perfekt gespielt", schwärmte Schüttler, nachdem die Freudentränen getrocknet waren. "Fürs Finale haben wir keinen Wunsch-Gegner; wir haben nur ein Wunsch-Ergebnis: Wir wollen gewinnen", ergänzte er nach dem schnellen Erfolg auf historischem Boden. Bereits bei den ersten Olympischen Spielen der Moderne 1896 in Athen hatte der Hamburger Friedrich Traun an der Seite des Iren John Boland Doppel-Gold gewonnen. Becker/Stich wiederholten dieses Kunststück in Barcelona. In Atlanta freuten sich David Prinosil/Marc- Kevin Goellner 1996 über Bronze.

Der Einzug ins Endspiel war hoch verdient, denn nachdem Kiefer und Schüttler wider Erwarten die renommierten Doppel Wayne Arthurs/Todd Woodbridge (Australien) und Jonathan Erlich/Andi Ram (Israel) aus dem Weg geräumt hatten, bestimmten sie auf einem Außenplatz hoch motiviert von Anbeginn auch das Match gegen die Inder, die gemeinsam schon vier Grand-Slam-Titel gefeiert haben.

Es ging alles ganz schnell

"Jetzt können wir jeden schlagen", hatte Kiefer angekündigt. Und tatsächlich schafften sie im ersten Durchgang ein Break zum 4:2 und nahmen ihren Gegnern auch das Service zum Satzgewinn ab. Im zweiten Satz ging es dann blitzschnell. Mit breiter Brust setzten Kiefer und Schüttler die am Netz schwach agierenden Inder unter Druck und nutzten gleich den ersten Machtball zum Sieg.

Zwar ist Silber sicher, doch Kiefer und Schüttler werden sich allein wegen ihrer verpatzten Einzel-Auftritte zerreißen. "Es ist mir sehr wichtig, das Olympische Dorf doch noch mit einer Medaille zu verlassen", hatte Kiefer vor dem Halbfinale angekündigt. Mit Schüttler spielt "Kiwi" erst seit diesem Jahr ernsthaft Doppel, in Athen bestreiten sie ihr neuntes Turnier in dieser Saison.

Von Sieg zu Sieg

French-Open-Siegerin Anastasia Myskina aus Russland trifft im Halbfinale auf die Weltranglisten-Erste Justine Henin-Hardenne aus Belgien, die bei ihrem Comeback nach Pfeiffer'schem Drüsenfieber von Sieg zu Sieg eilt. Die Australierin Alicia Molik und Amelie Mauresmo aus Frankreich streiten um den anderen Platz im Endspiel.

Bei den Herren hat Mannschafts-Weltmeister Chile bereits eine Medaille sicher, nachdem Nicolas Massu nach einem 6:2, 7:5-Sieg über den Spanier Carlos Moya und Roddick-Bezwinger Fernando Gonzalez nach einem 6:2, 2:6, 6:4 über den Franzosen Sebastien Grosjean die Vorschlussrunde erreichten. Massu spielt gegen den Amerikaner Taylor Dent; Gonzalez gegen Mardy Fish aus den USA, der den russischen Kiefer-Bezwinger Michaeil Juschni mit 6:3, 6:4 bezwang.

Ines Reichelt/DPA