
Im Winter gehört regelmäßig Fisch auf den Teller - vor allem Hering, Lachs und Makrele. Wenn das nicht reicht, helfen Tabletten, um auf eine gesunde Dosis zu kommen© Jan-Peter Kasper/lth
Aber wie viel Vitamin D braucht der Mensch, um sich vor Tumoren oder Herzinfarkten zu schützen? Diese Frage kann die Wissenschaft noch nicht exakt beantworten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht daher zurzeit noch keinen Grund, ihre aktuelle Empfehlung von fünf bis zehn Millionstel Gramm am Tag für Erwachsene - das entspricht etwa 30 bis 60 Gramm Lachs - zu erhöhen. "Die vorliegenden Studienergebnisse sind nicht eindeutig genug, um klar sagen zu können, wie viel man essen soll, um sich wirksam zum Beispiel vor Krebs zu schützen", sagt die Sprecherin der DGE, Antje Gahl. Im Winter Vitamin-D-Präparate Allerdings: Selbst die DGE-Empfehlungen, die noch in erster Linie für die Vorbeugung von Knochenkrankheiten errechnet wurden, werden seit Jahren von einem großen Teil der Bevölkerung nicht erreicht. Zum einen gibt es nicht allzu viele Lebensmittel, die nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten - fettreiche Fische wie Hering, Lachs oder Makrele gehören dazu, geringere Mengen stecken in Milch oder Eigelb. Zudem sind im Winter die UV-B-Werte so gering, dass die Haut nur wenig oder gar kein Vitamin D bilden kann.
Also ab in die pralle Sonne oder auf die Sonnenbank? Einen Freibrief für sommerliche UV-Exzesse wird es auch künftig nicht geben, sagt Dermatologe Jörg Reichrath: "Ausgedehnte Sonnenbäder steigern das Hautkrebsrisiko und erhöhen nur kurzfristig den Vitamin-D-Spiegel im Blut." Besser sei es, sich von Frühjahr bis Herbst regelmäßig für kurze Zeit in der Sonne aufzuhalten, etwa bei einem kurzen Spaziergang in der Mittagspause.
Auch Rüdiger Greinert, Biophysiker und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), rät: "Wenn Sie Hauttyp II sind, also helle Haut haben, setzen Sie im Sommer Gesicht und Hände regelmäßig 15 Minuten der Sonne aus. Wohlgemerkt ohne Sonnencreme." Gerötete Haut sollte man aber nie riskieren, und kleine Kinder gehörten nach wie vor nicht ungeschützt in die Sonne.
Im Winter oder wenn man praktisch nur im Büro sitzt, solle man eher zu einem Vitamin-D-Präparat greifen, "als sich im Solarium einer Bestrahlungsstärke intensiver als mittags am Äquator auszusetzen". Wer unsicher ist, ob er ein solches Mittel braucht oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Bluthochdruck leidet, sollte zunächst mit seinem Arzt sprechen. Bisher befürchteten Experten, dass ein übermäßiger Verzehr der auch frei verkäuflichen Tabletten zu Organverkalkung führen könne. Doch Ernährungswissenschaftler Armin Zittermann vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen gibt Entwarnung und verweist auf neuere Studien aus Kanada. Danach ist eine Überdosierung von Vitamin D eher unwahrscheinlich: "Dafür müsste man jeden Tag zehn Tabletten in vergleichsweise hoher Dosierung schlucken."
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 30/2008
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