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Ratgeber Ernährung

1. Oktober 2008, 12:50 Uhr

Pestizide im Gewürzregal

In deutschen Supermärkten wurden Gewürze mit gefährlich hoher Pestizid-Konzentration verkauft. Ein Paprikagewürz überschritt die zulässige Höchstmenge um 340 Prozent, sagt eine neue Greenpeace-Studie. Die Umweltorganisation hat Hersteller und Einzelhändler angezeigt. Von Nicole Simon und Jan Zier

Pestizide in Gewürzen - einige Produkte hatten den ohnehin schon umstrittenen Grenzwert deutlich überschritten© Jens Büttner/DPA

Bis zu 22 verschiedene Pestizide stecken in einem einzigen Glas Paprikagewürz. Das hat Greenpeace jetzt in einer groß angelegten Studie herausgefunden. Getestet wurden fünf der beliebtesten Gewürze und Kräuter. Drei von 33 getesteten Produkten erreichen oder überschreiten sogar die EU-Grenzwerte für Pestizidbelastung. Greenpeace erstattete umgehend Anzeige bei den zuständigen Lebensmittelüberwachungs-Behörden: "Sie haben versagt."

Die Umweltschutz-Organisation warnt vor Paprikagewürz der Marke "Spice Islands" von Edeka, es überschritt die Höchstmenge für ein Pestizidwirkstoff um 340 Prozent. Ebenso bedenklich stuft Greenpeace das Paprikapulver der Marke "Wagner" von Kaufhof ein sowie die getrocknete Petersilie der Marke "Le Gusto" von Aldi. Viele der 53 gefundenen Pestizide sind gesundheitlich besonders bedenklich, 18 davon in der EU gar nicht zugelassen. Lediglich sechs Proben waren ganz frei von nachweisbaren Spritzmittelrückständen - dafür erwies sich mehr als die Hälfte aller getesteten Gewürze als mehrfachbelastet.

Große Supermarktketten sind betroffen

Stark belastete Ware fanden die Tester bei Edeka, Aldi, Kaisers-Tengelmann und Kaufhof. Produkte von Rewe und Lidl schneiden deutlich besser ab. Besonders negativ fallen Paprikapulver, Dill und getrocknete Petersilie auf. Dagegen sind Pfeffer, frische Petersilie und Ingwer meist gering belastet. Gekauft wurden die Proben Mitte September bei führenden Supermarktketten in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und Jena. Sie wurden anschließend in einem zertifizierten Labor auf Rückstände von etwa 300 verschiedenen Pestiziden untersucht.

Edeka hat "Spice Islands Paprika mild" des Herstellers Raoul Rousso GmbH mit sofortiger Wirkung aus dem Sortiment genommen. Darüber hinaus hat der Lebensmittelhändler den Lieferanten des Produktes "zu einer Stellungnahme aufgefordert". Auch Kaufhof werde das Paprikapulver bundesweit vom Markt nehmen, sagte ein Unternehmenssprecher zu stern.de.

"Wagner-Gewürze" reagierte ebenfalls - mit Vorwürfen an die Tester. Greenpeace sei ein Fehler unterlaufen, sagte ein Unternehmenssprecher: "Das getestete Produkt wurde 2005 hergestellt. Die zu diesem Zeitpunkt geltenden Höchstmengen sind eingehalten worden." Den Untersuchungsergebnissen zufolge wurde der heute gültige Grenzwert für ein Pestizidwirkstoff jedoch um 140 Prozent überschritten. Greenpeace geht davon aus, dass "bewusst gepanscht" wurde. "Insgesamt bleiben die Hersteller zwar knapp unter den Grenzwerten. Rechnet man die schädlichen Stoffe jedoch zusammen, ist das ein höchst bedenklicher Cocktail, der sich da ergibt", sagt Manfred Krautter. "Die Supermärkte dürfen solche Gift-Mischungen nicht verkaufen".

Erhebliche Gesundheitsrisiken

Weltweit werden Pestizide laut Greenpeace in rund 5.000 unterschiedlichen Spritzmitteln verwendet. "Wenn auch keine akute Vergiftungsgefahr von den Pestizidmengen ausgeht, so bergen die Wirkstoffe auf Dauer erhebliche Risiken", sagt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. Sie können die Zellteilung stören, begünstigen das Entstehen verschiedener Krebsarten, verändern das Erbgut, lösen Allergien und Nervenschäden aus. Unbestritten ist außerdem, dass in ihrer Folge die Qualität und Menge menschlicher Spermien drastisch abnimmt.

Im Schnitt fand das von Greenpeace beauftragte Labor vier verschiedene Pestizide in jeder Probe. 35 der gefundenen Pflanzenschutzmittel sind besonders gesundheitsgefährdend. Häufig nachgewiesen wurde das krebserregende Cyproconazol, das die Fortpflanzung beeinträchtigende Carbendazim, und das ins Hormonsystem eingreifende und das Erbgut verändernde Thiabendazol. Mit illegalen Spritzmitteln belastete Ware gelangt zum einen durch Importe aus Übersee auf den EU-Lebensmittelmarkt. Zum anderen werden auch in der EU immer wieder unerlaubte Pestizide eingesetzt. Wiederholt hatte Greenpeace in den vergangenen Jahren illegale Spritzmittel auch in Obst und Gemüse nachgewiesen. Greenpeace fordert, dass gefährliche Pestizide von den Handelsketten und Produzenten durch gesundheits- und umweltverträgliche Mittel ersetzt werden.

Scharfe Kritik an den Behörden

Allein 12.000 Tonnen Paprikapulver werden jedes Jahr aus Ländern wie China, Brasilien und Spanien importiert. In China wird laut Greenpeace legal mit Pestiziden hantiert, die höchst gesundheitsschädlich sind. Bei der Einfuhr und dem Verkauf weisen Lebensmittelkontrolle "große Lücken" auf, so Greenpeace. "Es ist unglaublich, dass die Behörden solche Missstände dulden."

Harsche Kritik üben die Umweltschützer auch an der EU: "Die Verbraucherschutzpolitiker betreiben Grenzwert-Kosmetik, statt endlich wirksam gegen die Pestizidbelastungen vorzugehen," so Krautter. "Die zuständigen Minister müssen endlich die Lebensmittelüberwachung verbessern und sich für schärfere EU-Grenzwerte einsetzen." Durch die neuen, sehr viel laxeren EU-Höchstmengen, kommt es seit Anfang September dieses Jahres zu deutlich weniger Grenzwertüberschreitungen als zuvor. Nach den alten deutschen Höchstmengen aus dem Jahr 2005 hätte es vier Mal mehr Beanstandungen gegeben.

Die Kritik hält Jochen Heimberg, Sprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für nicht gerechtfertigt: "Die neuen EU-Höchstwerte sind wissenschaftlich begründet. Sie beschreiben einen Wert, der so hoch ist wie für die Landwirte nötig, aber zugleich nicht im Bereich des gesundheitlich Bedenklichen liegt.“ Bei den früheren, nur deutschlandweit geltenden Grenzwerten sei vielfach für Stoffe, die nur in anderen EU-Ländern eine Zulassung besaßen, die Nachweisgrenze als Höchstwert gesetzt worden.

Die neuen Grenzwerte hält Heimberg für „angemessen“. Das größere Problem sieht er in deren Einhaltung: "Der Handel muss dafür sorgen, dass die Höchstmengen eingehalten werden", so Jochen Heimberg.

Mit Material von dpa

Von Nicole Simon und Jan Zier
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
rolfrioja (01.10.2008, 18:11 Uhr)
Die Lachnummern
- Pestizide im Gewürzregal
- Buttersorten mit Keimen
- Gammelfleisch
usw. ...... was für ein Theater und heiße Luft! Das alles ist doch wohl nur Peanuts gegen die Nikotin-Belastung denen sich nicht rauchende Personen täglich aussetzen müssen.
Wir regen uns auf über den Genuss eines Gramms Pfeffer und vergessen zB.Kinder die zu Hause mitrauchen müssen. Warum werden solche Eltern nicht wegen schwere Körperverletzung verklagt?
Solange wir in Deutschland die nichtrauchenden Menschen nicht gegen Zwangs-Rauchen nicht schützen können bzw. wollen, bleiben weitere Meldungen über verseuchte oder Gen manipulierte Lebensmittel eine Farce.
msjones777 (01.10.2008, 17:01 Uhr)
Unsere Gesundheit ist gefährdet
Wir sollten jetzt wirklich intensiv gegen unsere unfähigen und untätigen Behörden vorgehen. Diese Leute werden durch unsere Steuergelder finaziert. ich bin es wirklich leid, unfähige Beamtenarschlöcher, die offensichtlich nur schlafen, mit meinen Steuergeldern zu bezhalen
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