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Ratgeber Ernährung
21. Juli 2008, 12:14 Uhr

Eine Frage des Fetts

In Zeiten des maßvollen Konsums ist Schlagsahne wegen des hohen Fettgehalts verschrien. Doch Produkte, die als leichte Alternativen angepriesen werden, halten die Verbraucherschützer von Foodwatch für wenig empfehlenswert.

Süß und fettig: Eiscreme mit Sahne© Picture-Alliance/DPA

Leicht kochen, leicht genießen: In Zeiten, in denen uns per nationaler Verzehrstudie mitgeteilt wird, jeder zweite Deutsche sei zu dick, haben Lebensmittelhersteller gute Chancen, Produkte zu verkaufen, die ebenso leicht wie gesund sein sollen. Nur halten die angepriesenen Produkte auch, was sie versprechen? Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch klagt über "Scheininnovationen" der Konzerne. In der Kampagne "abgespeist" kritisiert Foodwatch nun "Rama Cremefine zum Schlagen".

Der Schlagsahneersatz, von Hersteller Unilever als "leichte Alternative" angepriesen, ist für die Verbraucherschützer ein Beispiel für Etikettenschwindel. Die Mischung aus Wasser, Magermilch, pflanzlichen Fetten, Aromen und einigen weiteren Zutaten enthält tatsächlich weniger Fett als klassische Schlagsahne: und zwar 19 Prozent gegenüber 30 Prozent. Man spart also ein paar Kalorien, wenn man eine Portion Sahne durch dieselbe Menge Cremefine ersetzt. Allerdings ist die Fettzusammensetzung der "Komposition aus pflanzlichen Fetten und Milch" (Unilever) keineswegs besser als die der Sahne - im Gegenteil: Sahne hat einen höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

Die Sache mit den Fettsäuren

Bei Fettsäuren gilt: Sogenannte "gesättigte" Fettsäuren sollten nur in Maßen genossen werden. Sie lassen bei übermäßigem Konsum direkt dieFettpolster wachsen. "Ungesättigte" Fettsäuren benötigt der Körper dagegen nicht nur als Energielieferant, sondern unter anderem auch als Baumaterial für die Zellmembranen.

Pflanzliche Fette, zum Beispiel Olivenöl, enthalten deutlich mehr ungesättigte Fettsäuren als tierische Fette wie Butter. Als ideal gilt laut Weltgesundheitsorganisation, wenn jemand 15 bis 30 Prozent seines Energiebedarfs über Fette abdeckt, gesättigte Fettsäuren sollen maximal zehn Prozent ausmachen. Auch Unilever schreibt auf der Rama-Webseite: "Immer eine gute Idee: Weniger gesättigte Fettsäuren und Zucker". Bei Cremefine zum Schlagen ist die Bilanz pro 100 Gramm: 19 Gramm Fett, davon 17 Gramm gesättigte Fettsäuren.

Das Urteil von Stiftung Warentest

Stifung Warentest bemängelte bereits 2005 in der Zeitschrift "test": "In beiden Produkten ('Cremefine zum Schlagen' und 'Cremefine zum Verfeinern') stecken gehärtete Fette, die gesundheitlich unerwünscht sind. Sie wirken sich negativ auf die Blutfettwerte aus."

"Verbraucher zahlen einen höheren Preis für einen Sahneersatz, der im Prinzip keinen Vorteil gegenüber dem Original bietet. Sie bekommen für mehr Geld ein schlechteres Produkt", sagt Anne Markwardt von Foodwatch. "Klassische Produkte werden nur scheinbar verbessert", klagt sie.

Unilever hält auf Nachfrage dagegen, dass "die moderne Alternative" sich durch die wiederverschließbare Flasche und lange Haltbarkeit "den heutigen Kochgewohnheiten und Haushaltsstrukturen anpasst". Der versprochene Mehrwert: "Weniger Abfall, denn ein angebrochener Becher Sahne wird schnell schlecht und weniger Kalorien/Fett, da die Versuchung nicht da ist, den ganzen Becher zu verbrauchen, weil die Sahne ja sonst schlecht wird."

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät weder zum Konsum von Light-Produkten, noch lehnt sie diese ab. "Man kann Light-Produkte und fettreduzierte Lebensmittel verwenden, sie sind allerdings nicht zwingend von Vorteil", sagt Antje Gahl von der DGE. "Schließlich machen sie nicht direkt schlank. Bei fettreduzierten Produkten wird ein Teil des Fettes meist durch Wasser ersetzt, das verringert den Energiegehalt. Es bringt aber nur etwas, wenn man das Produkt genauso sparsam einsetzt wie das Original."

Also keine doppelte Portion Schlagsahne-Ersatz nehmen. Fettärmere Alternativen zu Sahne, die in Saucen gerührt wird, gebe es indes ja schon lange, so Gahl: "Saure Sahne, Kaffeesahne, Kefir oder Joghurt können bei vielen Gerichten statt Sahne verwendet werden."

"abgespeist" Was steckt hinter den Versprechen der Lebensmittelindustrie? Dieser Frage geht Foodwatch bei seiner Kampagne "abgespeist" nach. Die Verbraucherschutzorganisation will Werbelügen und leere Versprechungen aufdecken. Weitere Informationen zur aktuellen Kampagne und zu bisherigen Aktionen gibt es auf der Internetseite www.abgespeist.de. Dort können Verbraucher auch weitere Produkte vorschlagen, wenn ihnen mögliche Werbelügen auffallen.

bub
 
 
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