US-Forscher haben Todesfälle unter mehr als 100.000 Amerikanern untersucht. Das Ergebnis: Menschen mit großem Taillenumfang starben eher - auch wenn sie laut Body-Mass-Index Normalgewicht hatten.

Mehr als 102 Zentimer Bauchumfang sind nach Angaben der Forscher riskant© Colourbox
Ein großer Taillenumfang erhöht das Sterblichkeitsrisiko - und zwar auch bei Menschen mit Normalgewicht. Das berichten US-amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine". Sie werteten dafür Daten von knapp 105.000 Landsleuten jenseits der 50 über einen Zeitraum von neun Jahren aus. 16.674 in der Studie erfasste Menschen starben.
Die Forscher von der Amerikanischen Krebsgesellschaft in Atlanta berichten, dass Frauen mit einer Taille von mehr als 110 Zentimetern und Männer mit mehr als 120 Zentimeter Bauchumfang ein doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko hatten als der Durchschnitt. Besonders groß war das Risiko für Frauen mit großem Bauchumfang, die einen Body-Mass-Index (BMI) im Normalbereich hatten. Der BMI errechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm, das durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt wird. Werte zwischen 18,5 und 25 gelten als normal.
Bislang sehen Mediziner den Taillenumfang vor allem bei stark übergewichtigen Menschen als Warnsignal. Sie raten daher Menschen mit großem Bauchumfang (bei Frauen ab 88, bei Männern ab 102 Zentimetern) mit normalem oder leicht erhöhten BMI nur zum Abnehmen, wenn bei ihnen mehrere Risikofaktoren für Herzkrankheiten vorliegen. Die Ergebnisse der Studie könnten dies ändern und sich so in Zukunft auf die Behandlung auswirken, schreiben die Wissenschaftler um Eric J. Jacobs.
Eine mögliche Ursache für den beobachteten Zusammenhang ist der Art des Fetts, das sich im Bauchraum um die inneren Organe ablagert. Dieses so genannte viszerale Fett beeinflusst den Stoffwechsel und kann Blutdruck und Bluttfettwerte erhöhen sowie Insulinresistenz fördern, die zu Diabetes Typ-2 führt. Damit ist es deutlich schädlicher als das so genannte subkutane Fett, das sich an Oberschenkeln, Hüften und Hintern sammelt.
Vor kurzem hatten deutsche Forscher ebenfalls berichtet, dass der Body-Mass-Index vergleichsweise wenig über das Krankheitsrisiko aussagt. Sie nannten das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (WHtR) als bessere Messgröße.