Wie gefährlich ist der Verzehr von Rucola-Salat? Nach dem Fund von giftigem Kreuzkraut in einer Packung Rucola sind viele Verbraucher verunsichert. Die Giftpflanze kann in hoher Dosierung zu Leberkrebs führen. Der erste Discounter hat bereits reagiert.

Ein Wissenschaftler schlägt Alarm: In einer Packung Rucola-Salat wurden jetzt einzelne Stängel einer giftigen Pflanze entdeckt© Hendrik Schmidt/DPA
Nach dem Fund von Giftpflanzen in einer Packung Rucola-Salat hat der Supermarkt-Discounter Plus vorsorglich Rucola bundesweit aus dem Sortiment genommen. Das betreffe alle Plus- und auch Netto-Märkte, sagte Plus-Sprecherin Christina Stylianou. Nach Hinweisen auf den Fund in einem Plus-Supermarkt in Hannover-Langenhagen habe Plus aus Sicherheitsgründen sofort reagiert. Dieser Entschluss sei nicht mit den Behörden abgestimmt worden.
Für Rucola gebe es bei Plus verschiedene Lieferanten, deren Namen aber nicht veröffentlicht wurden. Die betroffene Charge sei für die Region in Norddeutschland bestimmt gewesen.
Ein Bonner Wissenschaftler hatte zuvor in einer Packung Rucola-Salat Giftpflanzen entdeckt und vor den Risiken für die Gesundheit gewarnt. Es handele sich um das vor allem für die Leber gefährliche Gemeine Greis- oder Kreuzkraut (Senecio vulgaris), sagte Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn. "Ich bin zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen", sagte der Wissenschaftler nach der Analyse einer kleinen Rucola-Packung. Diese 146 Gramm Salat hätten 2608 Mikrogramm (millionstel Gramm) des Gifts Pyrrolozidinalkaloid enthalten. "Das ist eine erschreckende Dosis." Dabei werde die vom Arzneimittelgesetz zulässige Tagesdosis um das 2600-fache überschritten. "Dass das ein gesundheitliches Risiko darstellt, ist offensichtlich. Der regelmäßige Verzehr über lange Zeit kann zu Leberkrebs führen."
Das Risiko für den Verbraucher sei, dass er als Laie das giftige Kraut zwischen Salatblättern kaum erkennen könne. "Laien können im Prinzip keinen Unterschied zwischen Rucola und der Giftpflanze sehen", sagte Wiedenfeld. Beide Ackerpflanzen wachsen auf dem gleichen Boden, und das Gemeine Kreuzkraut wird etwa auch so hoch wie die Rucola-Pflanze. "Das Gemeine Kreuzkraut ist quasi nicht auszumerzen, es sei denn man benutzt chemische Mittel", sagt der Wissenschaftler. "Aber bei Bio-Ware etwa geht das ja nicht."
Bereits 2007 waren in einer abgepackten Salatmischung aus Radicchio-, Frisee- und Feldsalat Blüten und Blätter des Greiskrautes nachgewiesen worden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) untersuchte damals den Fall und kam zu dem Schluss, dass dieses Kraut "bei Mensch und Tier lebensbedrohliche Leberschäden verursachen kann". Die Alkaloide wirken in Tierversuchen krebserregend. Bei Menschen sei dies wahrscheinlich ähnlich, heißt es in dem Report. Die Aufnahme sollte daher aus Vorsorgegründen soweit wie möglich vermieden werden. Das BfR ging damals davon aus, dass die Verbreitung von Greiskrautarten durch das Verbot bestimmter Herbizide zugenommen hat. Verbrauchern rät das Bundesinstitut daher, bei der Ernte und Zubereitung von Salat, Blattgemüsen und Kräutern besonders sorgfältig zu sein und unbekannte Pflanzenteile auszusortieren.
Für Helmut Wiedenfeld ist das zuwenig. "Damals warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nur vor der Gesundheitsgefährdung - ohne weitere Schritte einzuleiten", kritisierte der Wissenschaftler. "Seit zwei Jahren ist das auf die lange Bank geschoben worden. Es kann doch nicht sein, dass eine Bundesbehörde auf den Giftpflanzen-Fund nicht reagiert." Beim BfR ist man da anderer Ansicht: "Wir sind für die wissenschaftliche Bewertung der Gesundheitsrisiken zuständig", sagte eine Sprecherin. "Der Rest ist Sache der Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern." Die dürften nun zu tun haben.
Auch in anderen Supermärkten seien vermutlich verdächtige Funde aufgetaucht, sagte Wiedenfeld. "Weitere Proben - darunter von einer großen Lebensmittelkettel sind mir schon zur Untersuchung angekündigt." Deshalb müsse dringend überprüft werden, wie das Gemeine Kreuzkraut in die Rucola-Packung gekommen sei und ob sich das wiederholen könne.