Bis zu neun verschiedene Pestizide finden sich laut einer Untersuchung von Greenpeace in Johannisbeeren, die im Supermarkt zu kaufen sind. Die Pflanzenschutzmittel-Cocktails seien gesundheitsgefährdend. Das Bundesverbraucheramt sieht dagegen keine Gefahr.

Nur Bio-Johannisbeeren waren nicht mit Pestiziden belastet© Frank Rumpenhorst/DPA
Johannisbeeren haben zurzeit Saison. Doch die leckeren Früchte sind leider zum Teil erheblich mit Pestiziden belastet, warnt die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Laboruntersuchungen hätten gezeigt, dass manche im Supermarkt angebotenen Johannisbeeren sogar bis zu neun verschiedene Pestizide enthielten. Diese Pflanzenschutzmittel-Mischungen könnten laut Greenpeace als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Außerdem wiesen die Labore in Beeren aus deutscher Produktion die Stoffe Dodin und Difenoconazol nach. Beide Substanzen besäßen keine Zulassung für den deutschen Johannisbeeranbau.
Im Schnitt befanden sich in jeder untersuchten Johannisbeere Rückstände von sechs Pflanzenschutzmitteln, erklärte Greenpeace. Beim letzten Test im Jahr 2006 seien es im Schnitt drei Pestizide pro Beere gewesen. Ein Lichtblick: Bio-Johannisbeeren seien in der aktuellen Untersuchung nicht mit Pflanzenschutzmitteln belastet gewesen.
Bei Obst und Gemüse sei bereits seit einigen Jahren ein "Trend zum Pestzid-Mischungen" feststellbar, bemängelt Greenpeace. Einige der in den Johannisbeeren festgestellten Pestizide könnten krebserregend oder wie Nervengift wirken, erklärte die Umweltschutzorganisation. Auch könnten diese den Hormonhaushalt von Menschen oder die Fortpflanzung beeinträchtigen. Die Organisation fordert, auch Grenzwerte für Mehrfachrückstände festzulegen.
Bündnis 90/Die Grünen verlangten ebenfalls Maßnahmen. "Wir fordern die Bundesregierung auf, ein nationales Aktionsprogramm zur Pestizidreduktion mit klaren Reduktionszielen und -schritten aufzulegen. Für die Bewertung brauchen wir Summenhöchstwerte und Standards zur toxikologischen Bewertung von Wechselwirkungen", teilte die Sprecherin für Ernährungspolitik, Ulrike Höfken, mit.
Das Bundesverbraucheramt widersprach den von Greenpeace veröffentlichten Ergebnissen. In den von der Umweltschutzorganisation untersuchten Beerenproben seien keine Chemikalienrückstände gefunden worden, die über dem gesetzlich zulässigen Höchstgehalt liegen, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig am Mittwoch mit. Die Waren seien lebensmittelrechtlich daher nicht zu beanstanden. Sie stellten für Verbraucher auch kein Gesundheitsrisiko dar. Das BVL erklärte, auch die Greenpeace-Aussage, dass "erneut Pestizide ohne EU-Zulassung aufgetaucht" seien, sei nicht korrekt. Die in den Proben nachgewiesenen 21 Wirkstoffe seien zulässig.
Das untersuchte Obst haben Greenpeace-Mitarbeiter den Angaben zufolge bei den Supermarktketten Aldi Süd, Edeka, dem Einzelhandelskonzern Metro mit seiner Supermarkttochter Real und bei Rewe mit seiner Discounttochter Penny eingekauft. Die Proben stammten demnach aus deutschem Obstanbau, überwiegend aus Baden-Württemberg. Das Obst sei von einem anerkannten Speziallabor untersucht worden.
Im Test untersuchte Himbeeren seien hingegen häufiger rückstandfrei gewesen, teilte Greenpeace mit. Im Schnitt seien die Himbeeren mit zwei verschiedenen Schutzmitteln belastet gewesen, jeweils unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. 29 Prozent der Himbeeren seien sogar komplett ohne Rückstände gewesen, teilte Greenpeace mit.