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Ratgeber Ernährung

3. Juni 2009, 14:10 Uhr

Nicht nur beim Käse ist was faul

Er sieht aus wie Käse, schmeckt fast wie Käse, und er wird Verbrauchern als Käse untergeschoben. Doch was zum Teil auf Pizzen und Brötchen landet, hat mit Kuhmilch nichts zu tun. Der sogenannte Analogkäse ist kein Einzelfall. Die Lebensmittelindustrie unternimmt einiges, um an teuren Naturprodukten zu sparen. Von Britta Hesener

Analogkäse, Lebensmittel, Lebensmittelindustrie, Verbrauchertäuschung

Echter Käse? Vielleicht kommt auch nur ein Pflanzenfett-Mix auf die Pizza© Colourbox

"Eine Pizza mit echtem Käse aus Kuhmilch, bitte." Wer ganz sicher gehen will, sollte die Pizza im Imbiss am besten gleich mit diesem Hinweis bestellen. Denn echter Käse scheint aus der Mode zu kommen. Seine Herstellung ist zeitintensiv, der Rohstoff, die Milch, teuer. Verführerisch günstig sind hingegen Analogkäse, jene Imitate, die die Lebensmittelindustrie zum Beispiel als Streukäse oder Cordon-Bleu-Füllung unters Volk mischt. Und das hat oft keine Ahnung, was in der goldgelben Pizzakruste steckt. Kuhmilch muss es längst nicht mehr sein.

Analogkäse wird aus Pflanzenfett, Stärke, Milcheiweiß und Salz hergestellt. Oft enthält er zudem Schmelzsalze, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und Farbstoffe. Wobei Farbstoffe (Betacarotin) und Konservierungsstoffe (Nitrate) durchaus auch im echten Käse enthalten sein können. Im Unterschied zum Original, das normalerweise wochenlang reifen muss, lässt sich das Imitat innerhalb von zwanzig Minuten zubereiten. Am Ende kommt ein Produkt heraus, dass laut Verbraucherzentrale 30 bis 40 Prozent billiger ist als echter Käse und fast genauso schmeckt. Hasan Taschan vom Landeslabor Hessen hat verschiedene Analogkäse untersucht. Einen Unterschied zwischen Original und Imitat ließe sich nach seiner Einschätzung nur im direkten Vergleich heraus schmecken. Zudem habe das Käse-Imitat den Vorteil, dass es cholesterinärmer sei.

Analogkäse leidet an Vitaminmangel

Analogkäse schmeckt wie Käse. Er sieht genauso aus. Seine Herstellung ist legal. Er hat einen niedrigeren Cholesteringehalt. Was spricht also gegen ihn? Er enthält weniger Mineralstoffe und Vitamine als das Original. "Meist fehlen Calcium, Kalium und die fettlöslichen Vitamine A, D und K", erklärt Hasan Taschan. Zudem lasse sich das Imitat schlechter verdauen als echter Käse. Diese Informationen sind für den Verbraucher nicht ohne weiteres abrufbar. Zumal vielen die Tatsache, dass Analogkäse überhaupt existiert, nicht bekannt ist. Woher sollten sie es auch wissen. Die Hersteller tun einiges, um den Nepp zu vertuschen.

Nach geltendem EU-Recht ist es zwar unzulässig, Erzeugnisse mit dem Namen "Käse" zu bezeichnen, bei denen Milchfett gegen pflanzliche Fette oder pflanzliches Eiweiß ausgetauscht wurde. Doch die Hersteller behelfen sich mit Täuschungsmanövern. Sie greifen auf Bezeichnungen wie "Streufertiger Backbelag für Pizzen und Brötchen", "Gastromix" oder "Sandwich Scheiben" zurück. Wer sich also keinen Analogkäse unterschieben lassen will, sollte unbedingt auf die Packung achten. Bei Aufdrucken wie "Käse", "Gouda", "Emmentaler" oder ähnlichem können Verbraucher sicher sein, dass es ein echter Käse ist. Findet sich hingegen in der Zutatenliste Pflanzenöl, handelt es sich zumindest teilweise um ein Imitat. Analogkäse wird allerdings eher selten im Einzelhandel angeboten. Meist wird er im Zwischenhandel als Streukäse direkt an Bäckereien und Imbisse verkauft. Landet er dort dann auf überbackenen Brötchen und Pizzen, sucht man einen entsprechenden Hinweis vergeblich. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat darum ein Verzeichnis mit analogkäsehaltigen Lebensmitteln veröffentlicht.

Wie Hersteller Kunden täuschen

Niemand lässt sich gerne ein Pfanzenfett-Eiweiß-Wasser-Gemisch als Käse unterjubeln, daher geriet der Analogkäse in die Kritik. "Wir sagen nicht, dass Produkte wie der Analogkäse keine Existenzberechtigung haben. Es geht darum, dass sie entsprechend deklariert werden.", sagt dazu Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. Die Organisation Foodwatch kämpft seit 2002 für die Qualität von Lebensmittel und gegen Verbrauchertäuschungen. So ist der Analogkäse längst nicht das einzige Produkt, mit dem Kunden in die Irre geführt werden. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg hat mittlerweile Listen mit Schummelprodukten veröffentlicht. stern.de hat einige Fälle zusammengestellt.

Von Britta Hesener
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
schade77 (04.06.2009, 10:16 Uhr)
@lazarus
ich bin auch kein militanter Nichtraucher, aber ich kann ihnen gerne den Grund nennen, warum ich lieber neben einem stehe, der ein Bier trinkt. Weil von diesem stinken nicht meine Klamotten ewig bis zum Himmel und ich hab keine Rauchfahne im Gesicht. Im Endeffekt kann von mir aus jeder machen was er will, aber ein Raucher beinträchtigt seinen Gegenüber körperlich, was ein Trinker nicht tut . . . ausser er übergibt sich auf meine Schuhe ;-)
Rubicon (04.06.2009, 10:09 Uhr)
Ich hab schon soviel gesucht,
aber immer noch keinen milchfreien Analogkäse gefunden. Das wäre ein wahrer Segen, wenn es das Zeug in den Supermärkten gäbe.. Es soll eben doch noch Leute geben, die -- so weit es die Gesellschaft zulässt -- auf Tierprodukte verzichten wollen.
Josef2 (04.06.2009, 09:06 Uhr)
tobix
Sehr wahr! So will man erzwingen, das kostenpflichtige online-Teil zu buchen. Ich gehe immer seltener auf stern.de, weil mir die ganzen Bildserien, Videos und der übrige interaktive Blödsinn so auf den Keks gehen.
LaoLu (04.06.2009, 02:58 Uhr)
Lactoseintoleranz...
wo ham se denn die Zahlen her?
33% in D. Deswegen macht Müller auch soviel Kohle.
Und 95% in Asien - dehalb soff uns China noch vor einigen Monaten die Milch weg...
.
Und selbst wenn:
Dann sollen sie die Produkte kennzeichnen, wo Ersatzstoffe drin sind.
Wenn ich Pizza kaufe, will ich Käse!
Basta!
107Summer (03.06.2009, 23:54 Uhr)
Lactoseintolleranz in D bei 33%
Das sollte nicht unerwähnt bleiben: Sehr viele Menschen vertragen überhaupt keine Kuhmilch, ohne Analog-Käse müssten diese Menschen auf Pizzen & Co komplett verzichten. Asiaten, Afrikaner und viele andere vertagen bis zu 95% keine Kuhmilch.
lazarus06 (03.06.2009, 23:16 Uhr)
Wo Geld verdient wird da wird beschissen,
nehmen wir endgueltig Abschied vom Gutmensch Prinziep,Gammelfleisch,Kunstkaese,Fuellstoffe traurig das man dauernd das Gedoehnse wegen den Zigaretten hoeren muss aber ,wer beschaeftigt sich mit den Krankheiten die durch manipulierte Lebensmittel ausgeloest werden und die Kassen auch Tausende kosten? Warum ist Saufen Gesellschaftsfaehig und wird permanent beworben waehrend nach dem anstecken einer Zigarette alles hysterisch wird ? Alles beschiss,es geht nur ums Geld und den groestmoeglichen Reibach. Ach so ..ich bin NICHTRAUCHER
faustjucken_de (03.06.2009, 19:51 Uhr)
darum werden wir immer fetter
Weil wir immer mehr Fertignahrung zu uns nehmen:
- Tiefkühlpizza
- Mikrowellenfraß
und dazu noch alles, was sonst noch zu einer NICHT gesunden Ernährung gehört:
- zuviel Zucker
- wahlweise auch Zuckerersatzstoffe
- Farbstoffe, Konservierungsmittel
- verschleierte Appetitanreger, damit wir auch immer mehr essen, als wir eigentlich brauchen
Das ganze noch gepaart mit dem schickten Marketing der lebensmittelmultis:
- 2 Pizzas in einer Packung
- Jumboportionen, obwohl eine normale reicht
- Geschmacksverstärker, die Kinder natürlich Erdbeeren fremd schmecken lassen
Das Ergebnis sieht man an den dicken Amis. Angeblich essen die alle fettfrei, oder "lowcarb", was eben gerade angesagt ist. Dennoch sind sie die fettesten.
Nationen mit noch(!) genügend Ernährungsbeweusstsein sind länngst nicht so fett (siehe Spanien, Frankreich, Italien)
Fazit: wer sich nur maschinell ernährt, der muss schon sehr diszipliniert sein, weil er sonst einfach zuviel isst.
berlin79 (03.06.2009, 17:23 Uhr)
@Topsy50
Was die Verbraucher erwarten? Eine korrekte Kennzeichnung!
Zudem sind die paar Gramm Käse auf einer Pizza sicherlich wirtschaftlich zu vertreten.
Und billig bzw. günstig sind Pizzen definitiv nicht (abgesehen vom 3er Pack Tiefkühl Pizza Mageritha für 1,80 oder was die kosten).
Vor allem in Restaurants oder Lieferservices sind die Preise in den letzten Jahren stark gestiegen. Man muss schließlich auch den Materialaufwand betrachten. Der ist bei einer Pizza ja nun wahrlich gering.
Topsy50 (03.06.2009, 17:16 Uhr)
Was erwarten die Verbraucher eigentlich?
Heute muss alles billiger als billig sein, nur dann wird es gekauft. Eine Tiefkühlpizza für 5€ kauft doch keiner, mal davon abgesehen das sich das viele auch gar nicht leisten können. Wer zahlt schon freiwillig 10 oder mehr € für eine normale Pizza in der Pizzeria? Also müssen Imitate her. So einfach ist das manchmal!
Bebuquin (03.06.2009, 17:15 Uhr)
Vielleicht passt ja der Film dazu:
Food inc.
http://www.foodincmovie.com/
.
Hoffentlich läuft er auch in Deutschland...
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