Punktsieg für die Ampel: Die farbige Nährwertkennzeichnung ist verständlicher als das von der Industrie verwendete Konkurrenz-Label. Das ergab ein Test der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Lebensmittelindustrie hält jedoch weiterhin an ihrem System fest.

Mit den farbigen Punkten erkannten die Verbraucher besser, in welchen Lebensmitteln sich viel Zucker versteckt© Rainer Jensen/DPA
Streit um drei Farben: Mit Punkten in grün, gelb und rot soll der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker bei Lebensmitteln ausgewiesen werden. Zumindest wenn es nach dem Willen der Verbraucherschutzverbände geht. Sie setzen sich seit Jahren für die Ampel-Kennzeichnung ein. Industrie und Politik wehren sich in Deutschland allerdings bis jetzt dagegen. Es überraschte daher, dass sich Tiefkühlspezialist Frosta als erster deutscher Hersteller vor kurzem aus der Deckung wagte: Ab diesem Sommer kennzeichnet das Unternehmen einige seiner Produkte mit der Farbskala. Die Verbraucher dürfte das freuen. Eine neue Studie belegt nach Ansicht der Verbraucherorganisation Foodwatch, dass die Ampel für Kunden verständlicher ist als die Lebensmittel-Kennzeichnung der Wirtschaft. Diese führe die Kunden sogar in die Irre.
Bei der Untersuchung wurde den Testteilnehmern zuerst eine Sorte Frühstücksflocken der Firma Nestlé gezeigt, die mit 37 Prozent sehr viel Zucker enthält. Mit der Kennzeichnung der Industrie erkannten demnach rund 64 Prozent der Befragten, dass der Zuckergehalt sehr hoch ist. Bei der Ampelkennzeichnung waren es etwa 89 Prozent. Im zweiten Schritt sollten die Verbraucher eine Sorte Frühstücksflocken von Nestlé mit einer anderen Sorte desselben Herstellers vergleichen. In der Gruppe, die beide Produkte mit einer Ampel-Kennzeichnung zu sehen bekam, erkannten rund 92 Prozent der Befragten richtig, welche Sorte mehr Zucker enthält. Bei der GDA-Kennzeichnung der Industrie seien es nur knapp 26 Prozent gewesen. Eine große Mehrheit von fast 70 Prozent der Befragten wurde bei dem Vergleich der beiden Frühstücksflocken laut Foodwatch von der GDA-Kennzeichnung sogar auf die falsche Fährte gelockt: Sie hielt das Produkt mit mehr Zucker für das zuckerärmere.
"Wenn noch ein Beweis gefehlt hat, dass Nestlé und Co. den wahren Nährwertgehalt ihrer Produkte mithilfe der GDA-Kennzeichnnug eher verschleiern als transparent machen: Hier ist er", sagt der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. "Wenn Zuckerbomben durch die verwirrenden Zahlen und Prozentwerte schlanker erscheinen als sie es sind, ist dies unverantwortlich."
Die Lebensmittelindustrie überzeugt das nicht. Die Ampel sei keinesfalls eine sinnvolle und hilfreiche Kennzeichnung, meint dagegen eine Sprecherin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), dem Branchenverband der Lebensmittelindustrie. Diese fürchtet gerade die Signalwirkung der Ampelkennzeichnung. In Großbritannien scheint dies allerdings kein Problem zum sein. 2007 wurde dort die Ampel-Kennzeichnung auf freiwilliger Basis eingeführt. Wie Umfragen der britischen Lebensmittelbehörde "Food Standards Agency" (FSA) zeigen, achten die Briten zwar darauf, was in den Einkaufskorb kommt. Ganze Kategorien meiden sie jedoch nicht. Die Verbraucher verstehen also durchaus, dass ein roter Punkt nicht mit einem Verbot gleichzusetzen ist. Unbeeindruckt lässt die Produzenten auch, dass sich die Verbraucher eine Ampelkennzeichnung wünschen: Im Februar forderten in einer Emnid-Umfrage 67 Prozent der Befragten die Bundesregierung auf, sich für die farbliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen.
Auf "Rot" steht zurzeit allerdings die Suche nach Kompromissen. Um die Debatte über die Nährwertkennzeichnung voranzubringen, hatte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Anfang Juni alle Beteiligten zu einem Runden Tisch eingeladen. Aus "terminlichen Gründen" wurde das Treffen abgesagt. Neuer Termin: noch unbekannt.