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Ratgeber Ernährung

15. Juni 2009, 19:55 Uhr

Ampel für Verbraucher verständlicher

Punktsieg für die Ampel: Die farbige Nährwertkennzeichnung ist verständlicher als das von der Industrie verwendete Konkurrenz-Label. Das ergab ein Test der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Lebensmittelindustrie hält jedoch weiterhin an ihrem System fest.

Ampelkennzeichnung, Nährwertangaben, Lebensmittel, GDA

Mit den farbigen Punkten erkannten die Verbraucher besser, in welchen Lebensmitteln sich viel Zucker versteckt© Rainer Jensen/DPA

Streit um drei Farben: Mit Punkten in grün, gelb und rot soll der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker bei Lebensmitteln ausgewiesen werden. Zumindest wenn es nach dem Willen der Verbraucherschutzverbände geht. Sie setzen sich seit Jahren für die Ampel-Kennzeichnung ein. Industrie und Politik wehren sich in Deutschland allerdings bis jetzt dagegen. Es überraschte daher, dass sich Tiefkühlspezialist Frosta als erster deutscher Hersteller vor kurzem aus der Deckung wagte: Ab diesem Sommer kennzeichnet das Unternehmen einige seiner Produkte mit der Farbskala. Die Verbraucher dürfte das freuen. Eine neue Studie belegt nach Ansicht der Verbraucherorganisation Foodwatch, dass die Ampel für Kunden verständlicher ist als die Lebensmittel-Kennzeichnung der Wirtschaft. Diese führe die Kunden sogar in die Irre.

Bei der Untersuchung wurde den Testteilnehmern zuerst eine Sorte Frühstücksflocken der Firma Nestlé gezeigt, die mit 37 Prozent sehr viel Zucker enthält. Mit der Kennzeichnung der Industrie erkannten demnach rund 64 Prozent der Befragten, dass der Zuckergehalt sehr hoch ist. Bei der Ampelkennzeichnung waren es etwa 89 Prozent. Im zweiten Schritt sollten die Verbraucher eine Sorte Frühstücksflocken von Nestlé mit einer anderen Sorte desselben Herstellers vergleichen. In der Gruppe, die beide Produkte mit einer Ampel-Kennzeichnung zu sehen bekam, erkannten rund 92 Prozent der Befragten richtig, welche Sorte mehr Zucker enthält. Bei der GDA-Kennzeichnung der Industrie seien es nur knapp 26 Prozent gewesen. Eine große Mehrheit von fast 70 Prozent der Befragten wurde bei dem Vergleich der beiden Frühstücksflocken laut Foodwatch von der GDA-Kennzeichnung sogar auf die falsche Fährte gelockt: Sie hielt das Produkt mit mehr Zucker für das zuckerärmere.

"Zuckerbomben erscheinen schlanker"

"Wenn noch ein Beweis gefehlt hat, dass Nestlé und Co. den wahren Nährwertgehalt ihrer Produkte mithilfe der GDA-Kennzeichnnug eher verschleiern als transparent machen: Hier ist er", sagt der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. "Wenn Zuckerbomben durch die verwirrenden Zahlen und Prozentwerte schlanker erscheinen als sie es sind, ist dies unverantwortlich."

Die Lebensmittelindustrie überzeugt das nicht. Die Ampel sei keinesfalls eine sinnvolle und hilfreiche Kennzeichnung, meint dagegen eine Sprecherin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), dem Branchenverband der Lebensmittelindustrie. Diese fürchtet gerade die Signalwirkung der Ampelkennzeichnung. In Großbritannien scheint dies allerdings kein Problem zum sein. 2007 wurde dort die Ampel-Kennzeichnung auf freiwilliger Basis eingeführt. Wie Umfragen der britischen Lebensmittelbehörde "Food Standards Agency" (FSA) zeigen, achten die Briten zwar darauf, was in den Einkaufskorb kommt. Ganze Kategorien meiden sie jedoch nicht. Die Verbraucher verstehen also durchaus, dass ein roter Punkt nicht mit einem Verbot gleichzusetzen ist. Unbeeindruckt lässt die Produzenten auch, dass sich die Verbraucher eine Ampelkennzeichnung wünschen: Im Februar forderten in einer Emnid-Umfrage 67 Prozent der Befragten die Bundesregierung auf, sich für die farbliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen.

Auf "Rot" steht zurzeit allerdings die Suche nach Kompromissen. Um die Debatte über die Nährwertkennzeichnung voranzubringen, hatte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Anfang Juni alle Beteiligten zu einem Runden Tisch eingeladen. Aus "terminlichen Gründen" wurde das Treffen abgesagt. Neuer Termin: noch unbekannt.

lea/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Angel_of_Mercy (16.06.2009, 12:05 Uhr)
@Vincent_Vega
Zum Täuschen gehören immer zwei. Einer der täuscht und einer der sich täuschen lässt. Wären die Menschen interessierter, hätte es die Nahrungsmittelindustrie wesentlich schwerer.
Vincent_Vega (16.06.2009, 09:46 Uhr)
Absicht der Wirtschaft
"Eine neue Studie belegt..., dass die Ampel für Kunden verständlicher ist als die Lebensmittel-Kennzeichnung der Wirtschaft. Diese führe die Kunden sogar in die Irre."
Die Wirtschaft hast doch in erster Linie nicht das Wohl der Kunden im Sinn, sondern den Profit. Wenn man den Kunden ein wenig täuschen kann, macht man davon anscheinend immer noch mehr, als die Qualität seines Produktes zu ändern.
Bruddler07 (16.06.2009, 09:16 Uhr)
Ampel-Unsinn
Ob die Ampel-Kennzeichnung richtig ist und ob sie tatsächlich die Ernährung oder gar die Gesundheit verbessert, ist weder belegt noch untersucht. Warum wird Fett mit zwei Punkten (Gesamtfett und gesättigte Fette) beurteilt, bei den Kohlenhydraten aber nur der Zucker und nicht die Stärke? Weil gesättigte Fette und Zucker ungesund, Stärke-Kohlenhydrate aber gesund sind? Wer glaubt das denn ernsthaft? Wieso kriegen wir nicht fünf oder sechs Ampelpunkte? Warum fehlt das Protein, das nachgewiesenermaßen beim Abnehmen und Gewichthalten hilft? Warum fehlen die trans-Fettsäuren, die bedenklicher sind als gesättigte Fette? Wo ist der Punkt für Alkohol oder der für hohe Glutamatgehalte? Was also soll der ganz Ampel-Unsinn? Und wer legt fest, was gut und was böse ist? Herr Seehofer? Frau Aigner? Frau Schmidt? Foodwatch? Die DGE?
phil_x (16.06.2009, 09:14 Uhr)
Verbraucherschutz gibt es nicht
Die Ampel wurde ja schon vom Industrieschutz-- äääh Verbraucherschutzminister Seehofer abgelehnt. Die Interessen der Verbraucher zählen nicht wirklich, nur die der Industrie. Es ist die gleiche Scheinheiligkeit wie beim Tabak.. wenn man Haschisch und Spice verbieten kann, warum dann nicht auch Zigaretten? Weil die Politik sich nicht mit der Industrie anlegt. Und das gilt eben auch für die Fett- und Zuckerkennzeichnung.
tobix (16.06.2009, 09:11 Uhr)
Mich würde interessieren...
Mich würde interessieren, ob die Ampel das nicht zu sehr vereinfacht. Ein Pro-Ampel-Studie sagt noch nicht viel aus, man findet sicher auch Beispiele, bei der die Ampel die Tatsachen zu sehr vereinfacht oder auch irreführend genutzt werden kann. Lebensmittel sind nicht so simpel in Gut und Böse zu unterteilen.
crvnshkr (16.06.2009, 09:06 Uhr)
Geht's noch?
Auf praktisch jedem Lebensmittel steht drauf, wieviel Zucker, Fett, Eiweiß und Kalorien in 100 Gramm bzw. 100 ml enthalten sind.
Was ist denn daran nicht zu verstehen?! Wem das zu kompliziert ist, dem ist auch mit der Ampel nicht zu helfen!
Außerdem: Nach dem Ampelsystem schneidet eine Salami-Pizza besser ab als Müsli, neulich mit eigenen Augen gesehen. Macht das Sinn? Nö. Ganz im Gegenteil.
Außerdem: Ich würde gern mal ne Studie sehen, die beweist, dass das Ampelsystem in GB was gebracht hat. Ich glaub's ja nicht...
sportartmakler (16.06.2009, 08:53 Uhr)
stimme hirnfreund zu
was bringen ampel oder sonstige angaben für unmündige bürger. unmündig in bezug auf ihre eigene ernährung, auf die fertigkeit zu kochen...wer daran interesse hat setzt sich damit freiwillig auseinander und besitzt schon das notwendige "knowhow".
babylon (16.06.2009, 07:39 Uhr)
Typisch, wenn es um Verbraucherschutz
geht, werden die Bürger wie immer von der Politik im Stich gelassen.
Klaus_P (16.06.2009, 05:30 Uhr)
Mich wundert das mit Frosta nicht
diese Firma verkauft auch hochwertige Tiefühlprodukte und nicht den Industriemüll mit Süssstoffen, Geschmacksverstärkern und sonstigem Dreck der einen nur krank macht. Warum sollte man sich da verstecken? Das die Ampel einigen anderen nicht passt ist mir schon klar. Und dass die Politik wieder Handlanger derer ist genauso. Anstatt dass man sich für die Gesundheit der Bürger einsetzt. Aber was will man von gekauften Marionetten auch erwarten??...
Angel_of_Mercy (16.06.2009, 00:26 Uhr)
Wie wir laut Pisa wissen,
haben viele Kinder auch Probleme in Prozent- und Bruchrechnen. Bei den Erwachsenen sieht es oft auch nicht besser aus. Die kommen dann mit den Angaben auf den Verpackungen auch nicht klar.
Was also tun? Bildung verbessern, inklusive Lehrstoff über Lebensmittel und Lebensmittelqualität oder das tägliche Leben so vereinfachen, dass sich der Mensch wieder mehr dem allgemeinen Tierreich annähert. Dort klappt es auch mit Farben.
Noch etwas finde ich äußerst kurios.
Sehr viele Menschen verwenden sehr viel Zeit und Geld für Kosmetika aber nur sehr wenig für das was sie in sich hinein stopfen. Der Spruch, 'Wahre Schönheit kommt von innen', ist keine Phrase und hat seinen Ursprung sehr wohl in der richtigen Auswahl und Dosierung von Lebensmitteln.
Wie auch immer, ich esse mit Maß was mir schmeckt. Das erspart mir den Stoffwechselkiller Stress, nur weil ich auf irgend etwas gezwungener Maßen verzichten soll.
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