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Ratgeber Ernährung
29. August 2008, 17:04 Uhr

EU erlaubt mehr Pestizide im Essen

Ab dem 1. September gelten europaweit neue Obergrenzen für Pestizid-Rückstände in Lebensmitteln. Umweltschützer protestieren: Zu hohe Belastungen könnten insbesondere bei Kindern zu Gesundheitsschäden führen. Die EU-Kommission verteidigt die zum Teil 60-fach höheren Grenzwerte.

Für Pestizid-Rückstände in Äpfeln gelten am dem 1.9. neue Grenzwerte© Philipp Guelland/DDP

Umweltschützer warnen vor gesundheitsgefährdenden Gift-Rückständen in Obst und Gemüse als Folge neuer EU-Vorgaben. Die Europäische Union führt am 1. September einheitliche Pestizid-Grenzwerte ein - mit dem Ziel den grenzüberschreitenden Handel mit Lebensmitteln zu erleichtern. Umweltschützer kritisieren aber, dass sich Verbraucher damit auf eine zum Teil weite höhere Belastung mit Schadstoffen einstellen müssen.. Das europaweite Netzwerk der Pestizid-Gegner, PAN Europe, hat deshalb bereits Klage vor dem Gericht erster Instanz des Europäischen Gerichtshofs eingelegt.

Grenzwert 60-fach höher als bisher

Die EU-Kommission bestätigte, dass die Angleichung auf EU-Ebene in einigen Fällen zur Lockerung der deutschen Vorschriften für Rückstände von Giftstoffen in Obst und Gemüse führe. So lägen einzelne Grenzwerte etwa bei Orangen künftig um das 60-fache höher als bislang. Die Richtlinie orientiere sich an den derzeit höchsten nationalen Grenzwerten in der EU, einige seien aber niedriger angesetzt worden. Frühere Anpassungen der erlaubten Höchstmengen hätten nicht dazu geführt, dass die betroffenen Obst- und Gemüsesorten tatsächlich mehr Schadstoffe als zuvor enthielten.

Greenpeace hatte für in einer Studie die 170.000 von der EU-Kommission festgelegten Pestizid-Grenzwerte nach EU-Maßstäben überprüft. Demnach wurde bei 570 Grenzwerten von Obst und Gemüse die von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte "Akute Referenzdosis" (ARfD) für Kinder überschritten. Fast 10 Prozent der Äpfel, Birnen und Trauben könnten für Kinder potenziell gesundheitsschädigend sein, hieß es. Zudem werde bei 94 EU-Grenzwerten die "Akzeptable Tägliche Aufnahmemenge" (ADI) nicht eingehalten. Mögliche chronische Gesundheitsschäden seien Krebs, Fortpflanzungsstörungen oder Hormonstörungen. Die Umweltschutzorganisation forderte Verbraucherminister Horst Seehofer auf, sich für eine Korrektur der Grenzwerte einzusetzen.

Niemand isst die Schale

Die EU-Kommission verteidigt die Grenzwerte: Die Vorwürfe ließen die tatsächlichen Essgewohnheiten der Verbraucher außer Acht, sagte ein zuständiger Kommissionsfachmann am Freitag in Brüssel. "Bei den Höchstwerten für Pestizide werden zum Beispiel auch Rückstände auf der Schale von Orangen oder Bananen mitgerechnet - die isst normalerweise aber niemand mit."

Zwar sei es richtig, dass die Anpassung auf EU-Ebene in einigen Fällen höhere nationale Grenzwerte verursache. Dabei würden mitunter auch von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Höchstmengen an Gift-Rückständen überschritten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe aber alle Werte mit Blick auf die Ernährungspraxis untersucht und für sicher befunden. Zudem betreffe die Anhebung nationaler Grenzwerte oft Obst oder Gemüse, das in diesen Ländern nicht angebaut werde. "Es wird deshalb künftig nicht mehr beim Anbau gespritzt als vorher", sagte der EU-Experte.

DPA/AFP
 
 
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