Ratgeber Ernährung

18. März 2013, 16:31 Uhr

Beim Fisch wird mit Wasser gepanscht

Fisch und Garnelen sind teuer. Tiefkühlprodukten setzt die Industrie daher auch mal Wasser zu - damit die Ware mehr wiegt, berichtet der NDR. Verbraucherschützer kritisieren den Betrug.

NDR, Markt, Lebensmittelindustrie, Tricks, Verbraucher Betrug

Wenn Fisch mit Fremdwasser schwerer gemacht wurde, muss dies gekennzeichnet sein©

Als Verbraucher ist man ja schon einiges gewohnt, was die Tricksereien der Lebensmittelindustrie angeht: Gleicher Preis, weniger Inhalt, große Packungen, die mit viel Luft und wenig Ware gefüllt sind - solche Schummeleien haben Verbraucherschützer immer wieder kritisiert. Und auch im Tiefkühlregal wird geschummelt, wie Recherchen des NDR-Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins "Markt" ergeben haben.

Fisch und Garnelen werden häufig schwerer gemacht als sie tatsächlich sind. Mit Hilfe von Zusatzstoffen werden die Tiere mit Wasser aufgepumpt, um sie dann teurer zu verkaufen. "Das ist ganz klar Verbraucherbetrug", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) stern.de. "Der Verbraucher bezahlt für mehr Fisch, als er tatsächlich bekommt - und das bei einem ohnehin schon nicht gerade günstigen Produkt."

Kennzeichnung mangelhaft

Laut NDR sind für den Marktcheck 23 Fische "stichpunktartig" eingekauft worden, um sie auf Fremdwasser und Zusatzstoffe untersuchen zu lassen. Zwölf Produkte dieser kleinen Stichprobe waren auffällig und wurden ins Labor geschickt - bei fünf sei ein künstlich erhöhter Wassergehalt festgestellt worden. Fast jede vierte Stichprobe von Scholle, Pangasius und Garnelen war mit Fremdwasser aufgeschwemmt, wird in dem TV-Magazin berichtet.

"Es ist nicht verboten, einem Produkt Wasser zuzusetzen", erklärte Elke Müller-Hohe von der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die zugleich im Landesuntersuchungsamt in Freiburg tätig ist. "Aber man muss es kenntlich machen, so dass der Verbraucher diese Produkte klar von unbehandelten unterscheiden kann." Bei den gepanschten Produkten aus der "Markt"-Stichprobe hatte jedoch lediglich ein Hersteller den Einsatz von Zusatzstoffen deklariert.

Jörg Oehlenschläger, ehemaliger wissenschaftlicher Direktor der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, sagte: "Vor allem bei Garnelen werden bewusst Zusatzstoffe zugesetzt, um Wasser zu binden, weil das eben eine sehr hochpreisige Ware ist."

Beim Grundpreis wird geschummelt

Lebensmittelexpertin Silke Schwartau von der VZHH kennt das Problem. "Auch die Verbraucherzentrale hat schon häufiger in Stichproben bei tiefgekühlten Fischprodukten zugesetztes Wasser nachgewiesen", sagt sie stern.de. Die Lebensmittelüberwachung müsse hier genauer hinschauen und darauf achten, dass die Produkte ausreichend gekennzeichnet sind. Wäre dies der Fall, können Verbraucher mit einem Blick auf die Zutatenliste erkennen, ob Fremdwasser in den Fisch gespritzt wurde: "Dann sollten dort als Zusatzstoffe Phosphor oder Zitronensäure aufgelistet sein", sagt Schwartau.

Eine andere Art des Schummelns bei Tiefkühlfisch kritisiert die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. In einem Marktcheck stellte diese fest, dass der Grundpreis bei tiefgefrorenem Fisch häufig falsch ist. Auch hier ist Wasser im Spiel: Um tiefgekühlte Fischprodukte vor dem Austrockenen zu schützen, werden diese gefroren in Wasser getaucht und erhalten so eine Schicht aus Wassereis. "Glasiert" steht dann auf der Verpackung.

Das sei vollkommen in Ordnung, der Grundpreis müsse sich dann allerdings auf das Abtropfgewicht beziehen, schreibt die Verbraucherzentrale. Ähnlich wie bei Konservendosen, bei denen die Flüssigkeit auch abgezogen werden muss. Doch bei knapp 40 Prozent der 190 im Check untersuchten Tiefkühl-Fischprodukte war das nicht der Fall.

So seien Garnelen mit einem Grundpreis von 1,50 Euro pro 100 Gramm ausgezeichnet gewesen. Das Wasser abgezogen, habe er allerdings bei 1,87 Euro gelegen, da in der 200 Gramm Garnelenpackung immerhin 40 Gramm zusätzliche Flüssigkeit waren. Durch den Trick würden falsch ausgezeichnete Produkte günstiger erscheinen als sie es tatsächlich sind, bemängelt die Verbraucherzentrale.

Die "Markt"-Sendung zum Thema läuft heute um 20.15 Uhr beim NDR.

"Markt"-Check
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Diese Fische fielen im Test durch
lea mit DPA
 
 
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