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5. Mai 2011, 17:44 Uhr

Luftnummern im Lebensmittelregal

Luft statt Inhalt: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat verpackte Lebensmittel durchleuchtet. Drei von vier sind Mogelpackungen. Von Lea Wolz

Gleicher Preis, weniger Inhalt - solche Mogelpackungen kritisieren Verbraucherschützer schon seit einiger Zeit. Nun haben sie einen anderen Trick der Lebensmittelhersteller ins Visier genommen: Luft statt Inhalt. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 30 Packungen untersucht, darunter Kekse, Lutscher, Bonbons und Kaugummis. Bei 23 davon lag der Luftanteil bei über 30 Prozent, bei neun sogar bei über 60 Prozent.

Für Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sind solche Luftnummern nicht tragbar: "So werden die Verbraucher in die Irre geführt. Mit den großen Packungen wird mehr Inhalt vorgetäuscht als tatsächlich enthalten ist." Die Verpackungsgestaltung sei ein wichtiges Marketinginstrument, die Größe beeinflusse das Kaufverhalten. Zwar musste nur in einem Fall die Füllmenge beanstandet werden. Aber Valet ist überzeugt: "Auch Luftpackungen sind Mogelpackungen."

Spitzenreiter der Untersuchung war "Nimm 2 Lolly" von Storck. Bei diesem Produkt waren 90 Prozent Luft in der Tüte. Den zweiten Platz belegten die Bonbons von Fisherman's Friend. Der Dreierpack brachte es immerhin auf 88 Prozent Luftanteil. Nicht weniger aufgeblasen war die Packung der "Reiskugeln Curry" von Maggi mit 75 Prozent.

Luftanteil mehr als 30 Prozent

Rechtlich gesehen gelten Produkte als Mogelpackungen, wenn der Luftanteil mehr als 30 Prozent beträgt - es sei denn der Luftraum ist technisch oder produktbedingt nicht zu vermeiden. "Das ist zum Beispiel bei Waschpulver der Fall", erklärt Valet. "Das wird abgefüllt und ruckelt sich danach durch den Transport zusammen. Dabei entsteht automatisch Luft in den Packungen." Bei den untersuchten Verpackungen sei dies allerdings nicht erkennbar gewesen. Zu den beanstandeten Produkten will das Eichamt Fellbach in Baden-Württemberg daher Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten.

stern.de hat die Hersteller der drei größten Luftnummern mit dem Ergebnis der Untersuchung konfrontiert. Ein Sprecher von Storck hält die Kritik für nicht gerechtfertigt. "Die Beutelgröße sei für die Abfüllung der Lollys technisch nötig", sagt er. Zudem sei die Stückzahl auf der Verpackung deutlich angegeben, der Inhalt auch ertastbar. Auch eine Pressesprecherin des Nestlé Konzerns, zu dem die Maggi-Produkte gehören, verweist auch technische Zwänge beim Verpackungsprozess. Ähnlich sieht das auch ein Lebensmittelchemiker von CFP Brands, die in Deutschland Fisherman's Friend vertreiben. Die Luft sei zudem ein Produkt- und Transportschutz für die Pastillen.

"Überflüssiger Müll"

Verbraucherschützer kritisieren die Luftpackungen auch aus einem anderen Grund: Sie sind aus ihrer Sicht eine zusätzliche Belastung für die Umwelt. Ressourcen würden verschwendet und überflüssiger Müll produziert. "Auch daher fordern wir, dass Verpackungen der Füllmenge angepasst werden", sagt Valet.

Für die Untersuchung hat die Verbraucherzentrale gemeinsam mit der Eichdirektion Hamburg und dem Eichamt Fellbach Produkte unter die Lupe genommen, über die sich Verbraucher beschwert hatten. Dabei erstellten sie auch Röntgenbilder der Lebensmittel. Ein solcher Durchblick dürfte Verbrauchern im Lebensmittelmarkt kaum möglich sein. "Bei festen Kartons kann der Kunde noch nicht einmal ertasten, was tatsächlich drin ist", kritisiert Valet.

Von Lea Wolz
 
 
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