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9. Januar 2012, 13:36 Uhr

Gefährliche Keime auf jedem zweiten Hähnchen

Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt ist laut einer Stichprobe vielfach mit gefährlichen Keimen belastet. Die Regierung will den massenhaften Einsatz von Antibotika in der Tierhaltung eindämmen. Doch Umweltschützern geht das nicht weit genug.

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Antibiotika gehören zur Aufzucht: Jungtier in einem Hähnchenstall© Andreas Gebert/DPA

Die Bundesregierung will den Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung angesichts drohender Gesundheitsrisiken deutlich eindämmen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) werde dazu in dieser Woche einen Gesetzentwurf vorlegen, bestätigte ein Sprecher am Montag. Wenn Menschen zu viele Antibiotika einnehmen, kann es dazu führen, dass diese bei Krankheiten nicht mehr wirken. Dazu kann auch der Verzehr von Fleisch beitragen. Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt ist laut einer Stichprobe des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vielfach mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet.

Laut Arzneimittelgesetz dürfen Antibiotika nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden. Eine im November vorgelegte Studie des nordrhein-westfälischen Verbraucherministeriums hatte ergeben, dass 96 Prozent der Hähnchenmastbestände damit behandelt werden. Landesverbraucherschutzminister Johannes Remmel von den Grünen warf den Züchtern daraufhin vor, sie setzten die Medikamente zum illegalen Wachstums- oder Gesundheitsdoping ein.

Aigners Ziel ist es, den Antibiotika-Einsatz "auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Maß zu beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden der Bundesländer deutlich zu erweitern", sagte ihr Sprecher dem "Hamburger Abendblatt".

"Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung"

Der BUND teilte in Berlin mit, bei der Untersuchung von Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt und Discountern seien Antibiotika-resistente Erreger bei 11 von 20 untersuchten Produkten entdeckt worden. In einem Labor analysiert wurden Frischfleischproben aus Geschäften in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und der Region Stuttgart. In zehn Proben wurde ein Enzym gefunden, das Antibiotika wie Penizillin unwirksam machen kann. Zwei Mal wurden Bakterien entdeckt, die gegen wichtige Antibiotika unempfindlich sind. In einem Produkt wurden beide Stoffe zugleich nachgewiesen.

Die Kontamination von Lebensmitteln mit den gefährlichen Keimen sei ein "Warnsignal" vor den "Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung", erklärte der BUND. "Hähnchen, Hühner, Schweine und Kälber leiden millionenfach unter inakzeptablen Haltungsbedingungen und erkranken daran", erklärte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Bekämen sie keine Antibiotika verabreicht, hielten sie in vielen Fällen nicht bis zum Schlachten durch. Selbst gesunde Tiere bekämen Antibiotika, weil in der industriellen Tierhaltung in der Regel gleich ganze Tierbestände behandelt würden.

"Die Hähnchenmast produziert Risiken, die bei den Verbrauchern landen", kritisierte Benning. Dem BUND gehen die Pläne Aigners nicht weit genug: Insgesamt sei eine Abkehr von der industriellen Tierhaltung notwendig, forderte der Vorsitzende Hubert Weiger. Das gehe nur, wenn Subventionen für die industrielle Fleischerzeugung abgeschafft und die Haltungsbedingungen für Nutztiere deutlich verbessert würden. Zudem müssten Handelsketten und Supermärkte mit Keimen belastetes Fleisch aus ihren Regalen verdammen, forderten die Umwelt- und Naturschützer. Gleichzeitig müssten sie Druck auf ihre Fleischlieferanten ausüben, damit diese zu Tierhaltungsformen ohne Antibiotika-Missbrauch übergingen.

joe/DPA/AFP
 
 
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