Bio ist gesünder - das glauben die meisten. Doch stimmt das wirklich? Eine umfassende Studie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Sinnvoll ist es trotzdem, Bio-Produkte zu kaufen.

Bio ist nicht immer besser: Herkömmliche Lebensmittel sind nicht zwangsläufig ungesünder als Bio-Ware, zeigt eine neue US-Studie.© Daniel Karmann/DPA
Für viele ist das kleine schwarz-grüne Biosiegel auf den Lebensmitteln ein Symbol für gesündere Ernährung. Ein Irrglaube? Bio-Produkte sind nur wenig gesünder als herkömmliches Essen, lautet das Ergebnis einer neuen, umfassenden Studie. Es gibt demnach weder einen Nachweis dafür, dass die Bio-Nahrungsmittel nährstoffreicher sind, noch bergen sie ein geringeres Gesundheitsrisiko. Positiver Effekt des Bio-Essens ist nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler das geringere Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen. Immerhin.
Die Wissenschaftler um Dena M. Bravata von der Universität Stanford sichteten Tausende von Studien. Aus diesen wählten sie 223 Untersuchungen aus, die entweder den Nährstoffgehalt oder die Belastung mit Bakterien, Pilzen oder Pestiziden verglichen. 17 Studien betrachteten außerdem Gruppen, die sich biologisch oder herkömmlich ernährten. Eine Langzeitstudie, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährungsweisen beschäftigt, war aber nicht darunter. Die Untersuchungszeiträume betrugen zwei Tage bis zwei Jahre.
Die Ergebnisse der Meta-Analyse, die in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" erschienen sind, zeigen: Bio-Lebensmittel haben keinen deutlichen Vorteil. Der Vitamingehalt unterschied sich den Forschern zufolge kaum, Fette und Proteine waren ähnlich verteilt. Krankheitserreger kamen in keiner der beiden Gruppen häufiger vor. Auch besonders gesunde Bio-Früchte oder Bio-Gemüse konnten die Wissenschaftler nicht ausmachen. "Wir waren ein bisschen erstaunt, dass wir nichts gefunden haben", meinte Co-Autor Crystal Smith-Spangler.
Allerdings waren die Bio-Lebensmittel seltener mit Pestiziden kontaminiert - auch wenn sie nicht zu 100 Prozent frei davon waren. Zwei Studien etwa wiesen im Urin von Kindern, die sich biologisch ernährten, geringere Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln nach. Auch scheint es, als würden biologisch gezüchtete Hühner und Schweine weniger Antibiotika-resistente Bakterien aufweisen, doch ist die klinische Bedeutung dieser Befunde laut den Forschern unklar.
Die Wissenschaftler betonen, dass sie Verbraucher aufklären und nicht vom Kauf von Bio-Lebensmitteln abbringen möchten. Viele Menschen kauften biologisches Essen wegen des Geschmacks, der Tierhaltung oder der Folgen konventioneller Landwirtschaft für die Umwelt, erläuterte Bravata.
Der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegen ähnliche Ergebnissen vor. "Konventionelles Obst ist nicht weniger gesund für den menschlichen Organismus als Bio-Obst und -Gemüse", meinte Christiane Huxdorff, die bei Greenpeace für nachhaltige Landwirtschaft zuständig ist. "Wir sagen nie, dass Bio gesünder ist." Sie betonte allerdings, dass beim biologischen Anbau auf Pestizide verzichtet werde. Dies könne sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirken. "Biologische Lebensmittel sind in der Regel frei von Pestizid-Rückständen, es kann aber mal sein, dass Spuren gefunden werden."
Die Studie sei "nicht überraschend", kommentierte Agrarforscher Urs Niggli vom wissenschaftlichen Beirat des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Wenn konventionelle Lebensmittel lebensverkürzend wären, müssten sie schließlich vom Markt genommen werden. Allerdings gebe es noch keine Studie über die kombinierten Effekte von Rückständen, die am zulässigen Limit liegen. "Im Apfelanbau etwa werden mehrere Fungizide, Insektizide und Herbizide verwendet, außerdem Phytohormone, um die Früchte auszudünnen. Die Auswirkungen dieser Chemikalien werden nie summiert."
Niggli betonte zudem die "unglaublich positive Wirkung" von ökologischer Landwirtschaft auf die Biodiversität. "Auf dem Land von Biobetrieben herrscht eine viel größere Artenvielfalt - von den kleinsten Mikroorganismen bis hin zu den Vögeln", sagte der Direktor des Forschungsinstituts für Ökologischen Landbau im Schweizerischen Frick. Auch werde das Grundwasser viel weniger belastet - nicht umsonst wollten Wasserwerke, dass in ihrem Einzugsgebiet die Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. "Mit Bio kauft man sich immer ein Paket an positiven Eigenschaften."
Das finden auch die Produzenten der Bio-Lebensmittel, die im vergangenen Jahr bereits 6,1 Prozent der Agrarfläche in Deutschland bewirtschafteten - Tendenz steigend. "Die Gesundheit ist nicht unser Hauptkampffeld", sagte Gerald Wehde, Sprecher des Anbauverbands Bioland. Kernziel der Öko-Landwirtschaft sei es vielmehr, die Umwelt zu erhalten. "Gewässerschutz, Klimaschutz, Artenschutz, Bodenqualität - da erbringen wir eine große ökologische Leistung."