In Deutschland gibt es Millionen von Diabetikern - und viele wissen gar nicht, dass sie krank sind. Denn zuviel Zucker im Blut tut nicht weh. Erst später bemerken sie die Katastrophe: Sie werden blind, ihre Wunden heilen nicht, die Nieren versagen.

Zuckerkranken hilft Insulin: ein Hormon, das die Bauchspeichel-Drüse herstellt© Colourbox
Er ist der wichtigste Brennstoff des Körpers und im Gehirn liefe ohne ihn gar nichts: Zucker ist unser Energielieferant Nummer eins. Doch zuviel davon kann schädlich sein: wenn unser Körper es nicht mehr schafft, die Menge an Zucker im Blut zu regulieren. Kreist zuviel Zucker in den Adern und das dauerhaft und über Jahre hinweg, leidet der Mensch an der Zuckerkrankheit, auch Diabetes mellitus oder kurz Diabetes genannt.
Schätzungsweise sieben bis acht Prozent der Deutschen haben Diabetes – und jährlich werden es mehr. Denn immer mehr Menschen sind zu dick, ernähren sich falsch und bewegen sich zu wenig. Das hat einen gewaltigen Einfluss darauf, ob Diabetes entsteht oder nicht, „wir schätzen zu 70 bis 90 Prozent“, sagt Hans Hauner, Ernährungsmediziner am Münchner Klinikum rechts der Isar. Aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle.
Die Betroffenen spüren von ihrem ständig erhöhten Blutzuckerspiegel lange Zeit nichts. Sie sind krank und merken es nicht - das macht den Diabetes so gefährlich. Die großen Zuckermengen können dem Körper schon in frühen Phasen schaden.
Besonders die Adern mögen die enormen Zuckermengen nicht. Denn die zahlreichen Zuckermoleküle vernetzen sich in den Blutbahnen mit Eiweißmolekülen, die Gespinste bleiben an den Wänden hängen. Die Adern verkalken, Arteriosklerose entsteht. Zudem lässt der hohe Zuckeranteil das Blut zu schnell gerinnen. Die Folge: Kleine Blutgerinnsel lösen sich langsamer auf, sie verstopfen die Adern. Sind Blutbahnen im Gehirn oder am Herzen betroffen, drohen Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Der Zucker schadet auch den Nerven, zum Beispiel denen im Auge oder denen, die für den Fühlsinn verantwortlich sind. Mögliche Spätfolgen der Zuckerkrankheit sind daher Augen- und Nierenschäden oder der so genannte diabetische Fuß. Von alldem merken Sie am Anfang meist nichts. Vielleicht haben Sie zunächst nur ein taubes Gefühl im Fuß. Doch mit den Jahren wird alles schlimmer: Der Fuß entzündet sich und heilt nicht mehr. Es kann auch sein, dass Sie immer schlechter sehen können, bis Sie schließlich erblinden.
Fachleute unterscheiden verschiedene Diabetes-Typen: Typ 1 und Typ 2, sowie die Typen 1A und 1B. Typ-1A-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen und entsteht, weil das Immunsystem die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Diese Zellen produzieren im gesunden Körper das Hormon Insulin, das den den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen einschleust. Sind die Zellen defekt, fehlt dem Körper Insulin, der Zucker bleibt in der Blutbahn.
Viel häufiger ist allerdings der Typ-2-Diabetes. Bei fast 90 Prozent aller Zuckerkranken wird die Krankheit diagnostiziert. Sie entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse jahrelang überlastet wird. Denn zuviel Süßes verlangt der Drüse viel Arbeit ab.
Je mehr Zucker ein Mensch isst, desto mehr Insulin muss die Bauchspeicheldrüse herstellen. Irgendwann stumpfen die Körperzellen ab und reagieren nicht mehr auf das Schleuserhormon Insulin. Weil aber immer noch viel Zucker in den Adern kreist, stellen die Betazellen noch mehr Insulin her. Schließlich kann die Bauchspeicheldrüse mit der Produktion nicht mehr mithalten.
Die unterschiedlichen Diabetes-Typen haben auch unterschiedliche Vorgeschichten: Während sich Typ-1-Diabetes innerhalb weniger Wochen entwickeln kann, entsteht ein Typ-2-Diabetes oft schleichend über Jahre. Viele merken gar nichts davon, denn der Körper schafft es lange Zeit, die ungesunde Stoffwechsellage auszugleichen. Erst wenn die Insulinproduktion nicht mehr ausreicht oder zusammenbricht, kommt der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht.
Ist Ihr Zuckerwert zu hoch, beginnt die Suche nach einer geeigneten Therapie. Kranke können sich Insulin selber spritzen. Typ-2-Diabetiker nehmen häufig erst einmal Tabletten. Das hört sich praktisch an. Aber Tabletten haben oft Nebenwirkungen.
Viel einfacher ist es deshalb, wenn Diabetiker vor allem eines ändern: ihre Ernährung. Kohlenhydrate und Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel stark und schnell ansteigen lassen, sollten Sie nur in Maßen essen, denn diese so genannten Blutzuckerspitzen gelten als besonders gefährlich.
Zudem sind viele Typ-2-Diabetiker zu dick. Schon ein paar Kilo weniger - und der Zuckergehalt im Blut sinkt. Süßigkeitenfans und Sportmuffel sollten ihr Leben umstellen und auf ausgewogene Ernährung und viel Bewegung achten. Das lohnt sich! Gelingt es Ihnen, gesünder zu leben, können Sie sich Medikamente womöglich sparen.