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17. Juni 2011, 15:06 Uhr

USA stoppen Frankenstein-Fisch

Der Zuchtlachs Aquadvantage sollte als erstes Gen-Tier auf dem Teller der Verbraucher landen. Doch Abgeordnete im US-Kongress blockieren die Zulassung als Lebensmittel - ein herber Rückschlag für die Milliarden-Industrie. Von Maike Rademaker und Michelle Röttger

Lachs, Gentechnik, transgen, Zuchtlachs, genverändert

Frühreif: Der gentechnisch veränderter Lachs ist bereits nach 18 Monaten ausgewachsen, ein herkömmlicher braucht dafür doppelt solange© Reuters

Der heftig umstrittene genetisch veränderte Zuchtlachs Aquadvantage wird in den USA voraussichtlich nicht als Lebensmittel zugelassen. Das US-Repräsentantenhaus hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der der Lebensmittelbehörde FDA Geld für die Zulassung versagt. Der Entwurf muss noch den Senat passieren.

Die Blockade hat Signalwirkung für sämtliche Firmen, die an gentechnisch veränderten Tieren für die Nahrungsproduktion forschen. Der von Kritikern als "Frankenstein-Fisch" bezeichnete Lachs wäre das weltweit erste sogenannte transgene tierische Lebensmittel gewesen.

Seine Gegner setzten sich mit ihren Vorbehalten durch, obwohl die FDA ihn im vergangenen Herbst für sicher erklärt hatte: Er wird in geschlossenen Tanks an Land gezüchtet, und sollte er entkommen, kann sich der sterile Fisch nicht mit Wildlachsen fortpflanzen. Unternehmen, die deutlich schwieriger abzuschottende Rinder und Schweine gentechnisch verändern, drohen so hohe Hürden für den Markteintritt.

Ein milliardenschweres Geschäft

Zahlreiche Konzerne versuchen, Tieren durch Genübertragung bestimmte Eigenschaften an- oder abzuzüchten. Schneller wachsende, nährstoffreichere Tiere, die sich besser etwa an Hitze oder Kälte anpassen, gelten Befürwortern als große Chance im Kampf gegen Nahrungsknappheit. Welches wirtschaftliche Potenzial Gentechnik hat, zeigen die Umsätze mit modifizierten Pflanzen: 2009 hatten die Ernten von Mais, Sojabohnen und Baumwolle mit verändertem Erbgut nach Angaben der industrienahen Organisation ISAAA einen Wert von 150 Milliarden Dollar.

Dem Aquadvantage-Fisch wurden Gene eines anderen Lachses sowie des aalähnlichen Meeresdickkopfs zugefügt. Sie beschleunigen sein Wachstum rapide. Wilde Lachse erreichen nach drei Jahren ein Gewicht von 18 Kilogramm - der veränderte Lachs erreicht dieses Gewicht bereits nach halber Zeit. Den Antrag auf Zulassung als Lebensmittel hatte die US-Firma Aquabounty bereits vor mehr als zehn Jahren bei der FDA gestellt.

Angst vor der "Büchse der Pandora"

Die Entscheidung der Lebensmittelbehörde wurde bis Ende 2011 erwartet. Ende 2010 hatte sie ihn für gesundheitlich unbedenklich erklärt. Dutzende Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen hatten damals aber kritisiert, die FDA öffne "die Büchse der Pandora". Es drohten veränderte Tiere in den Nahrungskreislauf zu gelangen, die noch dazu nicht gekennzeichnet werden müssten.

Der republikanische Abgeordnete Don Young aus Alaska argumentierte nun, dass mit dem transgenen Zuchtlachs der wirtschaftlich wichtige Fang des Wildlachses in seinem Heimatstaat bedroht wäre. Young hatte den Antrag auf das Zulassungsverbot im Repräsentantenhaus eingebracht. Aquabounty behauptet, dank der eigenen Schöpfung könne die Überfischung in Alaska eingedämmt werden. Dort ist der Lachs teils so rar, dass Gebiete für den Fischfang gesperrt sind.

Transgene Tiere in Deutschland kaum denkbar

Lachs ist weltweit einer der wichtigsten Speisefische. Laut der Welternährungsorganisation FAO wurden 2009 mehr als 1,4 Millionen Tonnen Atlantischer Lachs produziert - fast vollständig in Aquakultur. Die USA sind längst nicht mehr in der Lage, den eigenen Bedarf zu decken. Sie importierten im vergangenen Jahr 176.400 Tonnen des Fisches im Wert von rund 1,4 Milliarden Dollar.

Bei der europäischen Zulassungsbehörde EFSA wurde bislang kein Antrag für den Fisch gestellt. Angesichts der gentechnikkritischen Bevölkerung dürften transgene Tiere als Lebensmittel hier wenig Erfolg haben. In Deutschland etwa wird seit Jahren über die bereits zugelassene Genkartoffel Amflora vom Chemiekonzern BASF gestritten. Sie soll nicht als Nahrung, sondern als Stärkelieferant in der Industrie verwendet werden.

Übernommmen aus ... ... der "Financial Times Deutschland"

Von Maike Rademaker und Michelle Röttger
 
 
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