Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.
Essen nach dem Energieprinzip
Die traditionelle indische Gesundheitslehre Ayurveda stellt für die Ernährung einige klare Regeln auf: In jeder Mahlzeit sollten die sechs Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb enthalten sein, man sollte nie essen, ohne hungrig zu sein, sich nie satt essen, nie unruhig essen; keine Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen. Die Hauptmahlzeit ist mittags.
Die wesentlichen Zutaten sind Gemüse, Obst, Milch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Basmatireis. Fleisch, Fisch, Eier, Zucker und fette Speisen sollten gemieden werden; Alkohol, Kaffee, Kohlensäure und Kakao bleiben die Ausnahme.
Um möglichst positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden zu wirken, werden die Speisen nach dem persönlichen Typ und Temperament komponiert: Doshas heißen die drei Energieprinzipien, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind: Vata (Äther und Luft), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Erde und Wasser).
Kommen die Energien aus dem Takt, kann das der ayurvedischen Lehre zufolge krank machen. Die typgerechte Ernährung soll helfen, die Doshas auszugleichen:
Vata-Typen sollen gekochtes, leichtes Essen bevorzugen mit den Geschmacksrichtungen salzig, sauer und süß,
Pitta-Typen kühlende Kost, die möglichst bitter, süß oder herb ist.
Kapha-Typen wird mäßig Gegartes und viel Obst und Gemüse empfohlen - vor allem scharf, bitter und herb.
Wissenschaftliche Bewertung: kaum Rohkost
Dass ayurvedische Ernährung im schulmedizinischen Sinne heilend wirkt, ist wissenschaftlich nicht zu belegen. Im Rahmen einer ayurvedischen Kur kann die Ernährung bei bestimmten chronischen Krankheiten durchaus lindernd sein. Grundsätzlich liefert das Konzept für jeden Dosha-Typ eine abwechslungsreiche und vollwertige Kost. Das Essen ist sehr bekömmlich. Da die ayurvedische Küche jedoch wenig Rohkost bietet, sollte auf nährstoffschonende Garung geachtet werden.
Praxis-Check: aufwendige Küche
Die Zubereitung ist aufwendig: alles frisch einkaufen, Hülsenfrüchte einweichen, Brotteig ansetzen, Gemüse reinigen, Reis kochen, Fladenbrot backen, alles schön garnieren und anrichten. Schwierig wird es, wenn Familienmitglieder mit verschiedenen Doshas zu bekochen sind.
Fazit: ganzheitlich orientiert
Menschen, die ihre Ernährung als Teil einer ganzheitlichen Gesundheitslehre begreifen, werden hier fündig. Für Hobbyköche und sinnliche Esser ist die ayurvedische Küche eine interessante Herausforderung. Wie bei jeder weitgehend fleischlosen Ernährung sollte auf die umfassende Versorgung mit Nährstoffen geachtet werden.
Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn