Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.
Ernährung, die die Seele wärmt
Als eine der Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sorgt die richtige Ernährung für den optimalen Fluss der Lebensenergie Qi. Das verhindert Krankheiten, stärkt Körperfunktionen und Organe, glättet Temperament und Launen. So lautet die Lehre.
Lebensmittel unterscheiden sich von ihrem Charakter her nach den Kräften Yin (weiblich, stofflich, kalt) oder Yang (männlich, geistig, warm). Auch die Zubereitung ist wichtig: Kurzes Kochen in viel Wasser stärkt das Yin, Rösten, Braten, Grillen oder sehr langes Kochen stärkt das Yang.
Die Hälfte der Nahrung sollte aus Vollgetreide bestehen, dazu kommen Gemüse, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch, Eier und Milch nach Verträglichkeit. Der Genuss von Mineralwasser und frisch gepressten Säften wird nicht empfohlen. Jede Mahlzeit sollte alle Geschmacksrichtungen enthalten.
Die Auswahl der Lebensmittel folgt aber auch Jahreszeit, Lebensrhythmus, Witterung und individueller Konstitution. Es wird zu festen Zeiten gegessen: ein wärmendes Frühstück, die Hauptmahlzeit am Mittag und ein frühes Abendessen. Mindestens zweimal täglich sollte gekochtes Essen auf dem Tisch stehen, von dem man weder hungrig noch mit einem Völlegefühl aufstehen sollte.
TCM teilt Nahrungsmittel fünf Elementen zu:
Holz - sauer, zum Beispiel Ananas, Weizen, Huhn;
Feuer - bitter, zum Beispiel Lamm, Roggen, Schafskäse;
Erde - süß, zum Beispiel Kartoffeln, Pfirsich, Rindfleisch;
Metall - scharf, zum Beispiel Zwiebeln, Senf, Gans;
Wasser - salzig, zum Beispiel Fisch, Hülsenfrüchte, Oliven.
Maßhalten ist ein wichtiges Kriterium der chinesischen Ernährung. Etliche Merksätze sind rein westliche Erfindungen: dass Milch Bronchien und Milz verschleime und deshalb nur sparsam oder gar nicht verwendet werden soll, dass Fleisch und Kartoffeln zu toxischen Ablagerungen im Körper führen und dass das Trinken möglichst einzuschränken sei. All das ist Unsinn.
Wissenschaftliche Bewertung: für Kinder weniger geeignet
Die klassische chinesische Ernährung basiert auf Lehren, die aus der Sicht westlicher Ernährungswissenschaft nicht nachzuvollziehen sind, etwa die Zuordnung der Nahrungsmittel zu den Kräften Yin und Yang und den fünf Elementen.
In der Praxis folgt daraus jedoch eine weitgehend ausgewogene Ernährung, die zudem schlank hält. Die Kost an individueller Konstitution oder Lebensrhythmen auszurichten, auf Regelmäßigkeit und maßvolle Portionen zu achten sind empfehlenswerte Rituale einer bewussten Ernährung. Abzuraten ist in jedem Fall von Varianten, die wenig Flüssigkeit empfehlen. Für Kinder ist der Verzicht auf Milchprodukte wegen der Gefahr des Kalziummangels nicht geeignet.
Praxis-Check: Rituale und Maß sind wichtig
Chinesische Gerichte sind in der Regel schnell zubereitet, die Kochkunst folgt aber anderen Regeln als die westliche. Darum erfordert die Umstellung Zeit und Übung. Die Küche ist geeignet für Menschen, die keine knackigen Salaterlebnisse benötigen, sondern gern warm und regelmäßig essen. Die Ernährung nach TCM ist sehr gesundheitsbetont. Auch wenn die Regeln nach westlichem Verständnis nicht belegbar sind, kann die Beschäftigung mit körperlichen, seelischen und geistigen Dimensionen des Essens inspirierend sein.
Fazit: vielseitig
Vielseitige, ganzheitlich ausgerichtete Ernährungsweise, die auch die Seele wärmt. Sie fordert Europäern allerdings einige Umgewöhnung ab. Ansonsten gilt, wie auch für #Ayurveda#: Ausprobieren, was als wohltuend empfunden wird.
Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn