Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.
Schlankheitsmittel Fett?
Robert Coleman Atkins (1930 - 2003), übergewichtiger Kardiologe aus New York, beschloss nach einem Diätplan abzunehmen, von dem er in einer medizinischen Fachzeitschrift gelesen hatte: Während des Zweiten Weltkriegs hatte man 20 Männer und Frauen 100 Tage lang zucker- und stärkefrei ernährt. Die Probanden wurden im Durchschnitt 22 Pfund leichter. Atkins verlor nach dieser Methode innerhalb eines Monats angeblich 20 Pfund. Er propagierte 1970 seine Erfolgsdiät zunächst in der amerikanischen "Vogue" und schrieb 1972 sein erstes Diätbuch - es wurde zum meistverkauften der Welt.
Atkins' Schlankheitsmittel ist Fett. Seine Grundannahme entspricht im Kern der Low-Carb-Theorie: Fehlen Kohlenhydrate, bezieht der Körper seine Energie aus den Fettreserven. Das Fett, so Atkins, schmelze nur so dahin.
Der physiologische Mechanismus, der dem zugrunde liegt, heißt Ketose. Diese funktioniert nur dann, wenn dem Organismus täglich nicht mehr als 20 Gramm Kohlenhydrate zugeführt werden. Deshalb verbietet die Ernährung nach Atkins Kohlenhydrate anfangs nahezu komplett. Später sind kleine Mengen erlaubt, höchstens eine halbe Kartoffel, ein winziges Stück Wassermelone oder ein Scheibchen Knäckebrot am Tag. Und natürlich Fettes: Fleisch, Wurst, Butter, Eier. Damit die Vitaminzufuhr stimmt, empfiehlt der Meister Präparate.
Wissenschaftliche Bewertung: birgt Gesundheitsrisiko.
Studien zeigen, dass die kurzfristige Gewichtsreduktion bei der Diät nicht auf einen niedrigeren Kohlenhydratgehalt zurückzuführen ist, sondern auf die generell verminderte Kalorienzufuhr. Experten warnen wegen der einseitigen Fleisch- und Fettversorgung davor. Als Dauerkost ist von der Atkins-Diät dringend abzuraten.
Gesättigte Fettsäuren und Cholesterin in großen Mengen belasten das Herz-Kreislauf-System und erhöhen das Risiko auf Herzinfarkt. Die großen Mengen an Eiweiß können zu Gicht und Nierensteinen führen, außerdem begünstigt der enorme Fleischkonsum das Darmkrebsrisiko. Zudem belastet der Mangel an Ballaststoffen die Verdauung. Auf Dauer ist auch die ausreichende Versorgung mit Vitaminen, vor allem wasserlöslichen, nicht gewährleistet. Und der Wert der Komplementierung durch Pillen, so wie Atkins es empfiehlt, ist unter Medizinern umstritten.
Praxis-Check: strenge Regeln
Spiegelei mit Speck zum Frühstück, Steak zum Mittag und am Abend Hummer mit zerlassener Butter, das klingt zunächst verlockend. Doch durch den rigiden Verzicht auf Kohlenhydrate wird die Fettkost auf Dauer eintönig: Nudeln, Kartoffeln und Brot fehlen, auch andere "Gute-Laune-Lebensmittel wie Kuchen oder Kekse sind nicht vorgesehen. Man muss schon ein großer Fleischfreund sein, um sich mit der Kost à la Atkins langfristig wohlzufühlen.
Fazit: Vorsicht!
Sehr einseitige Ernährung mit gewissem Gesundheitsrisiko. Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel, Diabetes, Arteriosklerose (Arterienverkalkung), hohem Blutdruck oder Nierenschäden sollten die Finger von dieser Ernährungsform lassen.
Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn