Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.
Dick Butter aufs Brot ist tabu
Viele Diäten empfehlen, den Fettanteil in der Nahrung zu senken - den meisten Low-Fat-Konzepten zufolge sollen höchstens 30 Prozent der aufgenommenen Kalorien aus Fett stammen. Das propagiert auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung - er entspricht einer Menge von 60 bis 80 Gramm Fett am Tag. Zum Vergleich: Im Durchschnitt essen die Menschen hierzulande täglich circa 100 Gramm Fett.
In der Praxis heißt Low Fat: Dick Butter aufs Brot, Sahnesauce, Schweinebraten, Croissants, Frittiertes sind tabu. Wurst, Käse und Milchprodukte sollten nur in fettarmen Varianten in den Einkaufskorb, Fertigpizza oder andere fetthaltige Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie gar nicht.
Gebraten wird mit wenig Öl in einer beschichteten Pfanne. Obst und Gemüse dürfen in beliebigen Mengen gegessen werden, Pasta und Brot sind erlaubt, ebenso mageres Fleisch und fettarmer Fisch.
Wissenschaftlich bedenklich
Eine fettreduzierte Ernährung entspricht weitgehend den Empfehlungen der Ernährungswissenschaft. Doch Fett ist nicht allein für Gewichtsprobleme verantwortlich: Wer Fett spart und gleichzeitig viel Zucker und Eiweiß zu sich nimmt, lebt weder gesünder noch nimmt er ab (siehe auch Low-Carb- Diäten).
Entscheidend ist zudem nicht nur die Menge des verzehrten Fetts, sondern vor allem die Qualität. Schlecht für die Gesundheit sind industriell hergestellte so genannte Transfette und
gesättigte Fettsäuren in Pizza oder Croissants. Die liefern zwar reichlich Energie, sind jedoch schwer verdaulich, verstopfen die Blutgefäße und erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Nachweislich viel gesünder sind ungesättigte Fettsäuren. Insbesondere essenzielle Fettsäuren, wie sie in pflanzlichen Ölen und Fischölen enthalten sind. Diese erfüllen im Organismus wichtige Aufgaben: Sie bilden die Bausteine der Zellwände und greifen in den Hormonstoffwechsel ein. Da der Körper sie nicht selbst produzieren kann, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden.
Falsche Fettsparsamkeit kann deshalb dem Körper schaden: Die Infektanfälligkeit steigt, die Haut verändert sich, die Wundheilung wird beeinträchtigt. Zudem befinden sich im Fett wichtige Trägersubstanzen für die Aufnahme fettlöslicher Stoffe aller Art. Bei extremem Fettgeiz droht daher ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen.
Zuweilen beobachten Ernährungsmediziner, dass Low-Fat-Esser keineswegs abnehmen, sondern sogar stetig zunehmen. Der Grund: Light-Produkte verführen anscheinend dazu, größere Mengen zu verputzen ("Ist ja kein Fett drin, macht ja nicht dick ..."). Doch Vorsicht: Fettreduziert heißt nicht kalorienreduziert. Manche industriell stark bearbeitete Light-Produkte enthalten zwar weniger Fett, dafür aber jede Menge Zucker.
Praxis-Check: familientauglich
Da Fett ein wichtiger Geschmacksträger ist und als Emulgator erheblich zum Essvergnügen beiträgt, empfinden viele Menschen diesen Ernährungsstil als fad - Gouda light bringt nun mal nicht den genüsslichen Schmelz auf die Zunge wie die Vollfettversion, und Hähnchenbrust befriedigt nicht jeden, der besondere Freude aus Schweinenacken zieht. Mit der Zeit gewöhnt sich der Geschmack allerdings an die fettärmere Kost.
Fazit: leicht zu befolgen
Diese Ernährungsform können Sie leicht lernen: Wer die Fettfallen einmal identifiziert hat und fortan meidet, kann ohne große Einschränkungen abwechslungsreich essen. Als dauerhafte Ernährung sind Low-Fat-Konzepte nur dann geeignet, wenn das Essen ausreichend mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält.
Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn