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Ratgeber Ernährung

Schlank ohne Hunger? Von Atkins bis Vollwert

Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.

Trennkost

Säure-Basen-Ernährung

Trennkost wurde in Deutschland durch den Arzt Ludwig Walb (1907-1992) bekannt, der sie in seiner eigenen Klinik propagierte. Das Konzept ist jedoch älter, der New Yorker Arzt Howard Hay (1866 bis 1940) hat es entwickelt. Die Theorie: Der Mensch kann nicht alle Nährstoffe zur gleichen Zeit optimal verwerten. Verdaut der Körper Eiweiß und Kohlenhydrate gleichzeitig, gerät das Verhältnis von Säuren und Basen aus der Balance - Übersäuerung, so Hay, sei die Folge.

Überschüssige Säuren, die etwa bei der Verstoffwechselung von Eiweißen entstehen, kann der Körper demnach nicht ausscheiden, sondern lagert sie im Bindegewebe. Auf Dauer, so die Lehre, mache der Säureüberschuss krank: Gicht, Rheuma und Herz-Kreislauf-Malaisen würden begünstigt.

Deshalb schreibt die Hay'sche Trennkost vor, Eiweiß und Kohlenhydrate streng getrennt voneinander zu verzehren. Nahrungsmittel, die beides enthalten, etwa Hülsenfrüchte, sind tabu. Um die Säuren zu neutralisieren, sollen 75 Prozent der Nahrung basenbildende Lebensmittel ausmachen: Obst, Salate, Gemüse. Der Anteil der Säurebildner wird auf 25 Prozent reduziert: Milch, Fleisch, Fisch, Käse. Neutrale Lebensmittel, etwa kalt gepresste pflanzliche Öle, dürfen mit beiden Gruppen kombiniert werden. Tabellen helfen bei der richtigen Auswahl der Lebensmittel.

Wissenschaftliche Bewertung: abstruse Regeln

Die Hay'sche Theorie stammt aus einer Zeit, als noch unbekannt war, wie Verdauungssäfte und -enzyme wirken. Heute gelten seine Lehren als veraltet: Der Körper ist sehr wohl in der Lage, viele verschiedene Stoffe zur selben Zeit zu verarbeiten. Zudem besitzt er Puffersysteme wie das Blut, die in der Lage sind, ein zu saures oder zu basisches Milieu auszugleichen. Um den Säure-Basen- Haushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen, muss schon eine extreme Mangelernährung vorliegen. Die Trennung zwischen Eiweiß und Kohlenhydraten vorzunehmen entbehrt jeder wissenschaftlichen Basis. So enthält zum Beispiel Muttermilch ungefähr gleiche Mengen an Kohlenhydraten und Eiweiß.

Abgesehen vom abstrusen ideologischen Überbau liefert das Konzept jedoch eine hochwertige Ernährung: wenig Fleisch, viel Obst und Vollkorn sowie der unbegrenzt empfohlene Verzehr von Gemüse. Laut einer Schweizer Studie ist die Trennkost nicht besser, aber auch nicht schlechter als eine gesunde Mischkost. In Extremfällen, so warnen Experten, sind allerdings Mangelerscheinungen möglich (etwa bei Eisen, Kalzium).

Praxis-Check: für Familien kaum geeignet.

Wegen der Vermischung der Nährstoffe kommen viele gängige Gerichte nicht auf den Tisch, zum Beispiel Spaghetti Bolognese, Forelle mit Salzkartoffeln oder auch nur ein Käsebrot. Nach dem Prinzip Trennkost würde der Speiseplan so aussehen: morgens Spaghetti, Kartoffeln oder Brot und mittags Bolognesesauce, Forelle oder Käse. Unterwegs oder im Restaurant, im Kreis von Familie oder Freunden wird die Umsetzung der Regeln schwierig. Zudem fordert die Zusammenstellung der Mahlzeiten Konzentration und Zeit. Viele Trennköstler nehmen allein schon deshalb ab, weil sie sich so intensiv mit dem Essen auseinandersetzen müssen.

Fazit: figurfreundlich.

Wer sich dauerhaft mit dem Kombinieren seiner Essensbausteine nach wissenschaftlich nicht haltbaren Regeln befassen möchte, kann mit Trennkost alt werden.


Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn

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