Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.
Fettes satt, Süßes selten
Als Junge war der Franzose Michel Montignac (geb. 1944) fettleibig, so wie sein Vater. Nachdem er seinen Job in einem US-Pharmaunternehmen verloren hatte, speckte er 35 Pfund ab und schrieb das Buch "Essen gehen und dabei abnehmen". Das Werk wurde ein Bestseller, die Montignac-Methode berühmt.
Montignac teilt Kohlenhydrate nach dem Glykämischen Index in gute und schlechte ein (siehe auch Low-Carb-Diäten). Radikal streicht er dabei alle Lebensmittel vom Speisezettel, die Kohlenhydrate mit hohem GI enthalten, weil sie Insulinproduktion und Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. Fett dagegen bewertet Montignac als unbedenklich - der Körper scheide es einfach aus.
Ähnlich der Trennkost erlaubt Montignac nicht alle Nährstoffkombinationen: Weniger gute Kohlenhydrate dürfen nur mit wenig Eiweiß und Fett gegessen werden. Das Konzept erlaubt Vollkorngetreide, Fisch, Fleisch, Eier, Gemüse und Obst, Käse und ungesüßte Milchprodukte, auch Schokolade mit hohem Kakaoanteil, Wein und Bier.
Es verbietet zum Beispiel Honig, Maisprodukte, Bananen, außerdem Melonen, Kartoffeln, sowie Weißmehlprodukte. Ausnahme: Spaghetti dürfen aus Weißmehl sein - aber nur, wenn sie al dente gekocht sind.
Typische Montignac-Gerichte sind Fleisch mit Gemüse oder mit Käse überbackene Gemüse. Sahnehäubchen auf der Suppe sind nach Montignac ebenso erlaubt wie Gänsestopfleber, deshalb ist die Methode bei Gourmets beliebt. Der Koch Paul Bocuse nahm damit angeblich mehr als 20 Kilo ab und sagt, er sei nie hungrig gewesen.
Wissenschaftliche Bewertung: Gesundheitsrisiken
Viele von Montignacs Theorien sind haltlose Behauptungen, wie etwa seine These, eine Kalorienreduktion führe auf Dauer grundsätzlich zu Übergewicht. Oder dass er prinzipiell Lebensmittel mit hohem GI verteufelt, weil diese schuld an überflüssigen Pfunden seien - und deshalb neben Pizza und Weißbrot auch Karotten und Melonen vom Speiseplan streicht. Denn er lässt dabei außer Acht, dass sehr wasserhaltige Obst- und Gemüsesorten in ihrer Gesamtmenge nur wenige Kohlenhydrate enthalten.
Sich nach Montignacs Konzept zu ernähren bedeutet, reichlich Eiweiß zu verzehren - etwa 30 Prozent mit der täglichen Kost. Das ist etwa doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Gesundheitlich ist das nicht unbedenklich, denn die Abbauprodukte von Eiweiß begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose und werden hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden - jedoch nicht in unbegrenzter Menge. Menschen, die zu viel Protein essen, riskieren, ihren Körper mit Harnstoff, Harnsäure und Schwefel zu überlasten, insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig zu wenig trinken. Vor allem für Übergewichtige, Diabetiker vom Typ 2 und Menschen mit Nierenleiden kann dies gefährlich sein.
Dafür liegt zumindest der von Montignac empfohlene Fettgehalt im Rahmen: Höchstens ein Drittel der täglichen Nahrung sollte daraus bestehen, wobei der Speisezettel des Franzosen mehr ungünstige tierische als gesunde pflanzliche Fette vorsieht. In jedem Fall skurril ist Montignacs Ansicht zum Alkoholkonsum: Demnach ist Bier wegen seines Gehalts an Malzzucker (Maltose) und dem daraus resultierenden hohen Glykämischen Index schlechter einzustufen als Wein und Sekt, die reichlich Zucker enthalten. Eine Erklärung dafür bleibt der Meister schuldig. Zum Glück belässt er die meisten Gemüse- und Obstsorten sowie Vollkorn auf der Liste der gesunden Kohlenhydrate.
Praxis-Check: komplizierte Vorschriften
Komplizierte Diät mit vielen Verboten und Geboten. Montignac kommt Menschen entgegen, die es reizvoll finden, ihre Ernährung nach straffen Regeln zu gestalten. Wer lernen möchte, disziplinierter zu essen, ohne auf Genuss und gutes Essen zu verzichten, ist mit den Lehren des Franzosen bestens bedient - Süßigkeiten, Sahne und schmackhafte Fette sind genehmigt.
Fazit: hoher Genussfaktor
In gemäßigter Form als dauerhafte Ernährungsform geeignet. Sich nur auf den Glykämischen Index zu verlassen birgt jedoch das Risiko, sich zu fett- und eiweißreich zu ernähren.
Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn